Papst Leo beim Neujahrsempfang mit der Welt der Diplomatie Papst Leo beim Neujahrsempfang mit der Welt der Diplomatie  (@Vatican Media)

Leo an Diplomaten: Christen stehen der Politik nicht fremd gegenüber

Papst Leo hat in seiner ersten Ansprache an das internationale diplomatische Corps das politische Engagement von Christen verteidigt. Gläubige versuchten mit Recht, „die christliche Ethik, die von der Heiligen Schrift inspiriert ist, auf die weltliche Regierung anzuwenden“, sagte der Papst an diesem Freitag im Vatikan.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Zum Rahmen seiner Ausführungen machte er vor den diplomatischen Vertretern aus allen Kontinenten das epochale Werk „De Civitate Dei, Vom Gottesstaat“ des hl. Augustinus. Der Kirchenvater hatte es nach der tragischen Plünderung Roms 410 im Zug der Völkerwanderung geschrieben. Da der Christ „in der irdischen Stadt lebt, steht er der Politik nicht fremd gegenüber“, erläuterte der Papst, der dem Augustinerorden angehört.

Zwar biete das Werk von Augustinus aus der Antike kein politisches Programm, darüber aber wertvolle Orientierungen für ein Zusammenleben der Völker in Gerechtigkeit und Frieden. „Augustinus warnt auch vor den schwerwiegenden Gefahren für das politische Leben, die sich aus falschen Darstellungen der Geschichte, übertriebenem Nationalismus und der Verzerrung des Ideals eines Staatsmanns ergeben“, so der Papst.

„Gegen übertriebenem Nationalismus und die Verzerrung des Ideals eines Staatsmanns“

Zum Hören: Stefanie Stahlhofen und Mario Galgano zur Neujahrsansprache von Papst Leo XIV. an Diplomaten am 9.1.2026 (Kollegen-Gespräch von Radio Vatikan)

Unter mehrfachem Verweis auf Augustinus ging Leo anschließend auf die Herausforderungen der Weltpolitik ein: Migration, die Krise des Multilateralismus und der Vereinten Nationen, die „Entkräftung des Wortes oft im Namen der Meinungsfreiheit“, Krieg, Gewalt und bedrohte Religionsfreiheit einschließlich Christenverfolgung. Auch auf die gesellschaftliche Bedrohung der Institution Familie nahm Leo Bezug.

Die größte päpstliche Polit-Rede im Jahr - die erste für Leo

Etwa 420 Diplomaten und Diplomatinnen einschließlich Gefolge hatten sich im Vatikan für den Neujahrsempfang des Papstes versammelt, ein jährlicher Termin mit jeweils einer großen Polit-Rede des Kirchenoberhauptes. Für Leo war es der erste Neujahrsempfang, er blickte eingangs kurz zurück auf das zu Ende gegangene Heilige Jahr und den Papstwechsel, wobei er den italienischen Behörden ausdrücklich dankte.

Die Angehörigen des diplomatischen Korps erhalten vorab die Papstrede auf Papier ausgehändigt
Die Angehörigen des diplomatischen Korps erhalten vorab die Papstrede auf Papier ausgehändigt   (@Vatican Media)

Zu Beginn des Empfangs hatte wie üblich der Dekan des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps das Wort ergriffen. George Poulides, der Botschafter von Zypern, würdigte unter anderem das erste Wort an die Welt von Leo XIV. als neu gewählter Papst, beginnend mit dem Friedensgruß Christi und der Rede vom „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden”. Darin, sagte der Diplomatendekan, „liegt die tiefe Bedeutung der diplomatischen Mission: Konflikte zu lösen durch die Kraft der Vernunft und die unermüdliche Entschlossenheit, für das Gemeinwohl zu arbeiten“.

Zum ersten Mal waren beim Neujahrsempfang auch drei Länder vertreten, die erst kürzlich residierende diplomatische Vertretungen beim Heiligen Stuhl in Rom eröffnet hatten: Kasachstan, Burundi und Weißrussland. Papst Leo dankte in seiner Ansprache den Regierungen der drei Länder ausdrücklich für ihre Entscheidung, diplomatische Vertretungen beim Heiligen Stuhl in Rom zu eröffnen, sie seien „ein konkretes Zeichen der guten und fruchtbaren bilateralen Beziehungen“.

Auch die Schweiz hat erst seit Mai 2022 eine eigene Botschaft beim Heiligen Stuhl für Rom, obgleich die offiziellen diplomatischen Beziehungen seit 1991 bestehen. Botschafterin Ute Leimgruber war beim Neujahrsempfang ebenso vertreten wie ihre Amtskollegen aus Deutschland und Österreich, Bruno Kahl und Marcus Bergmann.

(vatican news – gs)

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09. Januar 2026, 11:32