Gedanken von Päpsten zum Weihnachtsfest
Amadeo Lomonaco – Vatikanstadt*
Pius XII. spricht am Heiligen Abend 1942 in einem Moment, in dem der Zweite Weltkrieg und die Judenvernichtung in Europa unzählige Menschen in Bedrängnis bringen. In seiner Radiobotschaft versteckt der Papst, auch wenn er aus Sorge vor Repressalien nicht offen gegen die Shoah zu protestieren wagt, in versteckter Form von ihr: „Hunderttausende von Menschen sind ohne eigenes Verschulden, manchmal nur aufgrund ihrer Nationalität oder Abstammung, zum Tod oder zu einem fortschreitenden Verfall verurteilt.“
Zwei große Gesten am Fest der Geburt Jesu: Pius‘ Nachfolger Johannes XXIII. besucht am Heiligabend 1958 das vatikanische Kinderkrankenhaus Bambin Gesù. Und Paul VI. feiert 1968 die Christmette mit Arbeitern, im Stahlwerk von Taranto. Dabei spricht er seine Sorge an, dass die Kirche in der Moderne immer größere Schwierigkeiten hat, die Arbeiter und ähnliche Milieus zu erreichen.
Christmette in einem Stahlwerk
„Wir sprechen zu Euch aus tiefstem Herzen. Wir wollen Euch etwas ganz Einfaches sagen – nämlich, dass uns das Gespräch mit Euch ziemlich schwerfällt. Es scheint so, als ob es zwischen Euch und uns keine gemeinsame Sprache gäbe. Ihr lebt in einer Welt, die der Welt, in der wir als Männer der Kirche leben, fremd ist. Ihr denkt und arbeitet auf eine ganz andere Weise als die Kirche! Wir haben Euch gerade eben gesagt, dass wir Brüder und Freunde sind: Aber ist das wirklich wahr? Denn wir alle spüren diese offensichtliche Tatsache: Arbeit und Religion sind in unserer modernen Welt zwei getrennte, voneinander losgelöste, oft sogar gegensätzliche Dinge. Das war früher nicht so.“
Johannes Paul II. öffnet an Heiligabend 1999 die Heilige Pforte – das Heilige Jahr 2000 beginnt. Der von seiner Krankheit schon deutlich gezeichnete Papst predigt: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! An der Schwelle zum dritten Jahrtausend grüßt dich die Kirche, Sohn Gottes, der du in die Welt gekommen bist, um den Tod zu besiegen. Du bist gekommen, um das menschliche Leben durch das Evangelium zu erleuchten. Die Kirche grüßt dich und möchte gemeinsam mit dir in das dritte Jahrtausend eintreten. Du bist unsere Hoffnung. Du allein hast Worte des ewigen Lebens. ...Sei für uns die Tür, die uns in das Geheimnis des Vaters führt. Lass niemanden von seiner Umarmung der Barmherzigkeit und des Friedens ausgeschlossen bleiben!“
Benedikt und die Gottesfrage
Nachfolger des polnischen Papstes wird der Deutsche Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. An Heiligabend 2012, nur zwei Monate vor seinem Rücktritt, ruft der Papst die Zuhörenden dazu auf, bei sich Platz für den kommenden Herrn zu schaffen.
„So erhält die große moralische Frage, wie es bei uns um Flüchtlinge, Migranten und Zuwanderer steht, eine noch grundlegendere Bedeutung: Haben wir wirklich Platz für Gott, wenn er zu uns kommen will? Haben wir Zeit und Raum für ihn? Ist es nicht vielleicht Gott selbst, den wir zurückweisen? Das beginnt damit, dass wir keine Zeit für Gott haben. Je schneller wir uns bewegen können, je effektiver die Instrumente werden, die uns Zeit sparen, desto weniger Zeit haben wir zur Verfügung. Und Gott? Die Frage, die ihn betrifft, scheint nie dringend zu sein. Unsere Zeit ist bereits vollständig ausgefüllt.“
Franziskus und die Hoffnung
In der Heiligen Nacht 2024 öffnet sich wieder eine Heilige Pforte, startet erneut ein Heiliges Jahr – diesmal ist es der argentinische Papst Franziskus, der es eröffnet. Ein Auszug aus seiner Predigt:
„Uns allen ist es aufgetragen, Hoffnung dorthin zu bringen, wo sie verloren gegangen ist: dorthin, wo das Leben verwundet ist, wo Erwartungen enttäuscht wurden, wo Träume zerbrochen sind, wo Misserfolge das Herz zerbrechen; dorthin, wo die Erschöpfung derer herrscht, die nicht mehr weitermachen können, wo die bittere Einsamkeit derer herrscht, die sich besiegt fühlen, wo das Leiden die Seele zerfrisst; in den langen, leeren Tagen der Gefangenen, in den engen, kalten Zimmern der Armen, an den Orten, die durch Krieg und Gewalt entweiht sind. Hoffnung dorthin bringen, Hoffnung dort säen.“
* Der italienische Text wurde von Stefan von Kempis stark gekürzt und verändert.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
