Heilige Messe im Petersdom zum Weihnachtstag mit Papst Leo XIV. Heilige Messe im Petersdom zum Weihnachtstag mit Papst Leo XIV.

Papst am 1. Weihnachtstag: Botschafter des Friedens sein

Der Friede beginnt dort, wo der Schmerz und die Hilflosigkeit anderer unser Herz berühren und wir denen eine Stimme geben, die keine haben. Daran erinnerte Leo XIV. bei der Messe am Hochfest der Geburt des Herrn, die er an seinem ersten Weihnachten als Papst wieder eingeführt hat. In seiner Predigt im Petersdom erteilte er Gleichgültigkeit und Monologen eine Absage und plädierte für Solidarität und Dialog.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Seit 1994 wurde der Festgottesdienst am Hochfest der Geburt des Herrn nicht mehr vom Papst selbst zelebriert. Johannes Paul II. hatte am Vormittag des 25. Dezember noch viele Jahrzehnte ein feierliches Pontifikalamt im Petersdom gefeiert. Als es ihm seine Gesundheit nicht mehr erlaubte, wurde die Weihnachtsmesse vom Erzpriester der Petersbasilika geleitet. Leo XIV. hat das liturgische Weihnachtsprogramm der Päpste nun erweitert und die Papstmesse am Hochfest der Geburt des Herrn wieder eingeführt. 

6.000 Gläubige nahmen die Einladung gerne an und feierten im voll besetzten Petersdom gemeinsam mit dem Papst die Weihnachtsmesse, einige Tausend waren auch auf dem Platz dabei. In seiner Predigt ging der Papst, der eine Kasel trug, die sein Vorgänger Benedikt XVI. oft bei der Feier der Christmette getragen hatte, von der Beschreibung des Friedensboten aus, die das christliche Friedensverständnis aufzeigt.

Bei der Messe im Petersdom
Bei der Messe im Petersdom   (@Vatican Media)

Die Macht der Kinder Gottes

„Das menschliche Fleisch verlangt nach Fürsorge, es ruft nach Annahme und Anerkennung, es sucht nach Händen, die zu Zärtlichkeit fähig sind, und Köpfen, die bereit sind Aufmerksamkeit zu schenken, es sehnt sich nach guten Worten,“ beschrieb Papst Leo die Überraschung, mit der uns die Weihnachtsliturgie konfrontiere: Das Wort Gottes, das erscheine und nicht sprechen könne, „zu uns kommt als Neugeborenes, das nur weint und schreit.“

Da Gott uns aber die Macht gegeben habe, Kinder Gottes zu sein, sei der Friede auf paradoxe Weise bereits unter uns, so der Pontifex weiter. Aber es sei eine Macht, die „nicht zum Tragen kommt, solange wir unberührt bleiben vom Weinen der Kinder und der Gebrechlichkeit der Alten, vom ohnmächtigen Schweigen der Opfer und von der resignierten Melancholie derer, die Böses tun, ohne es zu wollen.“

Bei der Messe im Petersdom
Bei der Messe im Petersdom   (@Vatican Media)

Die notdürftigen Unterkünfte der Obdachlosen in unseren Städten

Mit Blick auf die Weihnachtsgeschichte erinnerte der Pontifex an „die Zelte in Gaza, die seit Wochen dem Regen, dem Wind und der Kälte ausgesetzt sind, ebenso wie die Zelte vieler anderer Flüchtlinge und Vertriebener auf allen Kontinenten oder die notdürftigen Unterschlüpfe Tausender Obdachloser in unseren Städten,… die wehrlosen Bevölkerungen, die unter den zahlreichen noch andauernden oder schon beendeten Kriegen leiden…, und das Leben der jungen Menschen, die zum Kriegsdienst gezwungen werden und dort an der Front die Sinnlosigkeit dessen erkennen, was von ihnen verlangt wird, und auch die Lügen, von denen die großspurigen Reden derer, die sie in den Tod schicken, triefen.“

Bei der Messe im Petersdom
Bei der Messe im Petersdom   (@Vatican Media)

Der Friede Gottes beginnt dort, wo wir den Schmerz anderer wahrnehmen

Der Friede Gottes dagegen beginne dort, wo wir den Schmerz anderer wahrnähmen und uns zur Solidarität rufen ließen – obwohl der Weg des Wortes Gottes oft voller Hindernisse sei.

„Bis heute folgen die wahren Botschafter des Friedens dem Wort auf diesem Weg, der schließlich die Herzen erreicht: unruhige Herzen, die oft genau das ersehnen, was sie ablehnen. So motiviert das Weihnachtsfest neu eine missionarische Kirche und führt sie auf die Wege, die das Wort Gottes ihr vorgezeichnet hat. Wir dienen keinem anmaßenden Wort – davon gibt es schon überall genug –, sondern einer Gegenwart, die das Gute weckt, dessen Wirksamkeit kennt und kein Monopol darauf beansprucht.“

Bei der Messe im Petersdom
Bei der Messe im Petersdom   (@Vatican Media)

Der Weg hin zum anderen...

Und diesen Weg der Mission beschrieb der Papst als einen Weg hin zum anderen: „Bei Gott ist jedes Wort ein an jemanden gerichtetes Wort, eine Einladung zum Gespräch, ein Wort, das niemals gleichbleibend ist.“

Papst Leo ließ seine Predigt mit folgendem Denkanstoß ausklingen:

„Es wird Frieden geben, wenn unsere Monologe aufhören und wir, befruchtet durch das Zuhören, vor dem nackten Fleisch des anderen auf die Knie fallen. Die Jungfrau Maria ist genau darin die Mutter der Kirche, der Stern der Evangelisierung, die Königin des Friedens. Von ihr lernen wir, dass nichts aus der Zurschaustellung von Macht entsteht und dass alles aus der stillen Kraft des angenommenen Lebens neu geboren wird.

Auf dem Petersplatz nach der Messe
Auf dem Petersplatz nach der Messe   (@Vatican Media)

Nach der Messe gab es noch eine Überraschung für die Gläubigen, die auf dem Petersplatz an der Messe teilgenommen hatten: Papst Leo fuhr in seinem Papa-Mobil durch die Reihen, um sich bei ihnen für ihre Anwesenheit zu bedanken und sie persönlich zu grüßen. Anschließend kehrte er in den Vatikan zurück, um sich für die Ansprache und den Weihnachtssegen vorzubereiten, für den er um 12 Uhr auf der Mittelloggia des Petersdoms erwartet wurde.

(vaticannews – skr)

 

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25. Dezember 2025, 11:00