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Papst prangert Glücksspielsucht und zunehmende Einsamkeit an

Papst Leo XIV. hat italienische Politiker aufgerufen, die Gemeinschaft im Land zu stärken und sozialen Frieden zu fördern. Bei einer Audienz für den Verband italienischer Kommunen (ANCI) anlässlich des Heiligen Jahrs 2025 sagte das katholische Kirchenoberhaupt diesen Montag im Vatikan, es gebe viel soziale Armut im Land.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt 

„Leider gibt es in unseren Städten Formen der Ausgrenzung, Gewalt und Einsamkeit, die angegangen werden müssen. Ich möchte insbesondere auf die Plage des Glücksspiels aufmerksam machen, die viele Familien ruiniert. Die Statistiken zeigen, dass es in Italien in den letzten Jahren einen starken Anstieg gegeben hat. Wie Caritas Italien im jüngsten Bericht über Armut und soziale Ausgrenzung betont, gibt es ein ernstes Problem in Bezug auf Bildung, psychische Gesundheit und soziales Vertrauen", machte der Papst in seiner Rede die ernste Lage deutlich.

Leo XIV. ging zudem auf zahlreiche Formen von Einsamkeit ein, die ebenfalls nicht vergessen werden dürften: 

„Psychische Störungen, Depressionen, kulturelle und spirituelle Armut, soziale Ausgrenzung. Dies sind Zeichen dafür, wie sehr Hoffnung gebraucht wird. Um diese Hoffnung wirksam zu bezeugen, ist die Politik aufgefordert, authentische menschliche Beziehungen zwischen den Bürgern zu knüpfen und den sozialen Frieden zu fördern", rief der Papst die rund 200 Audienzteilnehmer des Verbands ANCI auf,  der die Interessen von rund 7.000 italienischen Kommunen vertritt. 

Zum Hören: Papst Leo XIV. prangert zunehmende Glücksspielsucht und Einsamkeit in Italien an (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

„Ernstes Problem in Bezug auf Bildung, psychische Gesundheit und soziales Vertrauen“

Bei der Audienz
Bei der Audienz   (@Vatican Media)

„Politik aufgefordert, authentische menschliche Beziehungen zwischen den Bürgern zu knüpfen und sozialen Frieden zu fördern“

Kommunalpolitiker kennen die Probleme

Mit der Hoffnung erinnerte Papst Leo an das Motto des Heiligen Jahrs 2025, das „Pilger der Hoffnung" lautet und das die katholische Kirche noch bis 6. Januar 2026 begeht. Auch auf Weihnachten ging der Papst bei der Audienz ein und nutzte die Gelegenheit, die italienischen Kommunalpolitiker an ihren Dienst und ihre Verantwortung für die Gesellschaft zu erinnen:

„Wir treffen uns in der Weihnachtszeit und am Ende eines heiligen Jahres: Die Gnade dieser Tage erhellt sicherlich auch Ihren Dienst und Ihre Verantwortung.(...). Insbesondere in Ihrem öffentlichen Engagement sind Sie sich bewusst, wie wichtig das Zuhören als soziale Dynamik ist (...). Es geht darum, auf die Bedürfnisse der Familien und Menschen zu achten und sich insbesondere um die Schwächsten zu kümmern, zum Wohl aller. Die demografische Krise und die Probleme von Familien und Jugendlichen, die Einsamkeit älterer Menschen und der stille Schrei der Armen, die Umweltverschmutzung und soziale Konflikte sind Realitäten, die Sie nicht gleichgültig lassen. Während Sie nach Antworten suchen, wissen Sie sehr wohl, dass unsere Städte keine anonymen Orte sind, sondern Gesichter und Geschichten, die wie kostbare Schätze gehütet werden müssen."

  (@VATICAN MEDIA)

„Es geht darum, auf die Bedürfnisse der Familien und Menschen zu achten und sich insbesondere um die Schwächsten zu kümmern, zum Wohl aller“

Soziales Bündnis für die Hoffnung

Bürgermeister sein bedeute, jeden Tag zu versuchen, gerechter und vertrauenswürdiger zu werden, betonte Papst Leo. Als Vorbild empfahl er hier allen den ehemaligen katholischen Bürgermeister von Florenz und italienischen Friedenspolitiker Giorgio La Pira (1904-1977). Dieser hatte gesagt, wenn es auch nur einen gebe, der leide, sei es seine Aufgabe, alles ihm mögliche zu tun, gemäß dem was die Liebe und die Gesetze gebieten, um das Leid zu verringern und zu lindern. Papst Leo legte den italienischen Kommunalpolitikern zudem besonders das Zuhören ans Herz: 

„Sozialer Zusammenhalt und Harmonie in der Gesellschaft erfordern in erster Linie, dass man den Kleinsten und Ärmsten zuhört: Ohne dieses Engagement ,verkümmert die Demokratie, wird sie zum Nominalismus, zur Formalität, verliert sie ihre Repräsentativität, wird sie entleiblicht, weil sie das Volk außen vor lässt in seinem Kampf um die Würde, beim Aufbau seines Schicksals. (Franziskus, Ansprache, 5. November 2016). Sowohl angesichts der Probleme als auch in Bezug auf Entwicklungsmöglichkeiten fordere ich Sie auf, Meister der Hingabe an das Gemeinwohl zu werden und ein soziales Bündnis für die Hoffnung zu fördern", rief Leo XIV. die Audienzteilnehmer auf. 

Unter Berufung auf den italienischen Priester und Prediger Don Primo Mazzolari erinnerte der Papst die italienischen Kommunalpolitiker daran, dass eine funktionerende Gemeinde mehr braucht als Kanalisation, Häuser, Straßen, Wasserleitungen und Bürgersteige. Es sei darüber hinaus elementar, auch die Talente der Menschen zu fördern und den Städten kulturelle und spirituelle Tiefe zu geben:

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„Habt also den Mut, den Menschen Hoffnung zu geben, indem ihr gemeinsam die beste Zukunft für eure Gebiete plant, im Sinne einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung“

„Ihr Lieben alle, habt also den Mut, den Menschen Hoffnung zu geben, indem ihr gemeinsam die beste Zukunft für eure Gebiete plant, im Sinne einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung. Ich danke euch für die Bereitschaft, der Gemeinschaft zu dienen, und begleite euch im Gebet, damit ihr mit Gottes Hilfe eure Verantwortung wirksam wahrnehmen könnt, indem ihr auch euren Mitarbeitern und Mitbürgern Teilhabe ermöglicht. Euch und euren Familien erteile ich von Herzen den apostolischen Segen und wünsche alles Gute für das neue Jahr. Danke."

  (@VATICAN MEDIA)

(vatican news - sst) 

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29. Dezember 2025, 12:56