Von Franziskus zu Leo XIV.: Ein Jahr der Tränen, des Wechsels und der Hoffnung
Mario Galgano - Vatikanstadt
Das Jahr 2025 glich einer Parabel: Es begann mit der tiefen Trauer über den Tod eines Pontifex, der die Kirche über ein Jahrzehnt geprägt hatte, und endet mit der Aufbruchstimmung eines neuen Nachfolgers Petri. Inmitten dieses historischen Wechsels stand das Heilige Jahr, das unter Papst Franziskus begann und nun von Papst Leo XIV. feierlich beschlossen wird.
Der Abschied von Papst Franziskus
Der Beginn des Jahres stand ganz im Zeichen des Heiligen Jahres der Hoffnung, das Franziskus trotz seiner angeschlagenen Gesundheit am 24. Dezember 2024 eröffnet hatte. Doch der 14. Februar markierte eine Zäsur: Der Papst wurde mit einer schweren Infektion in das Gemelli-Krankenhaus eingeliefert. Trotz kurzer Phasen der Besserung und eines letzten, bewegenden Auftritts zum Ostersegen Urbi et Orbi, verstarb Papst Franziskus am 21. April 2025 an den Folgen eines Schlaganfalls.
Über 250.000 Menschen nahmen an der Trauerfeier auf dem Petersplatz teil, bevor Franziskus, seinem Wunsch entsprechend, in der Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt wurde.
Das Konklave und die Wahl von Leo XIV.
Nach einer kurzen Sedisvakanz trat am 7. Mai das Konklave zusammen. Es wurde eines der kürzesten der Geschichte: Bereits am 8. Mai stieg weißer Rauch auf. Gewählt wurde Kardinal Robert Francis Prevost, der den Namen Leo XIV. annahm. Der 69-jährige ehemalige Präfekt des Bischofsdikasteriums ist der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri, gilt jedoch aufgrund seiner jahrzehntelangen Missionstätigkeit in Peru als Mann mit „peruanischer Seele“.
Schon in seiner ersten Ansprache setzte Leo XIV. sein Programm fest: „Frieden“. Er forderte einen „entwaffneten und entwaffnenden Frieden“ angesichts der globalen Spannungen, die er und sein Vorgänger als „dritten Weltkrieg in Stücken“ bezeichneten.
Diplomatische Offensiven und Reformen
In seinen ersten Amtsmonaten bewies Leo XIV. enorme Aktivität. Er suchte das direkte Gespräch mit den Staatschefs von Russland und der Ukraine und bot den Vatikan als Ort für Friedensverhandlungen an. Historisch war auch seine Reise in die Türkei und den Libanon im November/Dezember, wo er am Hafen von Beirut der Opfer der Explosion von 2020 gedachte und in Nicäa das 1700-jährige Jubiläum des ersten ökumenischen Konzils feierte.
Im Inneren setzte er den Reformkurs von Franziskus fort, setzte aber auch eigene Akzente. So reformierte er die vatikanische Finanzverwaltung und kündigte für den 7. und 8. Januar 2026 ein außerordentliches Konsistorium an, um die künftige Leitung der Weltkirche im Geiste der Synodalität zu beraten.
Das Heilige Jahr der Jugend
Trotz des Papstwechsels blieb das Jubiläum der Motor des vatikanischen Lebens. Über 30 Millionen Pilger besuchten Rom. Ein Höhepunkt war das Jubiläum der Jugendlichen im Sommer, bei dem über eine Million junge Menschen in Tor Vergata mit dem Papst feierten. Leo XIV. kanonisierte zudem am 7. September die „Jugend-Heiligen“ Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati – ein Ereignis, das ursprünglich noch unter Franziskus geplant war.
Ausblick auf 2026
Mit der Schließung der Heiligen Pforte am 6. Januar 2026 endet die außergewöhnliche Zeit des Jubiläums. Leo XIV. hinterlässt bereits jetzt deutliche Spuren: Seine erste Enzyklika Dilexi te („Ich habe dich geliebt“) verknüpft die Verehrung des Herzens Jesu untrennbar mit dem Dienst an den Armen und Migranten. Die Kirche des Jahres 2026 präsentiert sich unter seiner Führung als eine Gemeinschaft, die laut seinen Worten „verschwinden will, damit Christus bleibt“.
(vatican news)
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