Leo XIV. fordert „missionarische Umgestaltung“ der Kurie
Mario Galgano - Vatikanstadt
In der feierlichen Atmosphäre der Benediktionshalle im Vatikan kam Papst Leo XIV. an diesem Montagvormittag mit den Kardinälen und Leitern der vatikanischen Behörden zum traditionellen Weihnachtsaustausch zusammen. In einer programmatischen Rede legte der Papst dar, wie er sich die Zukunft der kirchlichen Zentralverwaltung vorstellt: weniger bürokratisch, dafür missionarischer und menschlicher.
Würdigung von Papst Franziskus
Zu Beginn seiner Ansprache erinnerte der Papst sichtlich bewegt an seinen im Jahr 2025 verstorbenen Vorgänger. Die prophetische Stimme von Papst Franziskus habe die Kirche gelehrt, die Barmherzigkeit und die Sorge um die Armen wieder in das Zentrum zu rücken. Darauf aufbauend forderte Leo XIV. eine „missionarische Umgestaltung“ der Strukturen. Die Kurie dürfe nicht nur der „laufenden Verwaltung“ dienen, sondern müsse eine Antwort auf die sozialen und pastoralen Herausforderungen der heutigen Zeit sein.
„Können wir in der Kurie Freunde sein?“
Besonders persönlich wurde der Papst, als er die internen Beziehungen innerhalb des Vatikans ansprach. Mit Bezug auf den heiligen Augustinus fragte er kritisch: „Können wir in der Römischen Kurie Freunde sein?“ Er beklagte, dass auch im Umfeld der Kirche Dynamiken wie Machtstreben, das Streben nach Vorrang und die Pflege eigener Interessen nur schwer zu überwinden seien.
„Es ist schön, wenn Masken und Heimlichtuereien abfallen, wenn Menschen nicht ausgenutzt und übergangen werden, wenn man den Wert und die Kompetenz jedes Einzelnen anerkennt“, betonte das katholische Kirchenoberhaupt.
Eine synodale Kirche brauche keine Dokumente, sondern „konkrete Gesten“ der Solidarität im Arbeitsalltag.
Kardinaldekan zieht positive Bilanz des ersten Amtsjahres
Zuvor hatte Kardinaldekan Giovanni Battista Re im Namen des Kardinalskollegiums das Wort ergriffen. Er dankte Papst Leo XIV. für die „Begeisterung und Wärme“, mit der er seit seiner Wahl die Herzen der Menschen weltweit erobert habe. Re hob insbesondere die unermüdliche Hingabe des Papstes hervor, der sich bei Begegnungen außergewöhnlich viel Zeit für den Einzelnen nehme.
Der Kardinal erinnerte an die Höhepunkte des zu Ende gehenden Jahres: das Heilige Jahr mit dem Weltjugendtag, an dem über eine Million Jugendliche teilnahmen, sowie die historische Reise in die Türkei und den Libanon zum 1.700. Jahrestag des Konzils von Nizäa. Besonders würdigte Re den Appell des Papstes für einen „unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“, den dieser bereits unmittelbar nach seiner Wahl vom Balkon des Petersdoms aus verkündet hatte.
Ein Zeichen gegen Zwietracht
Abschließend weitete der Papst den Blick auf die Weltlage. In einem Umfeld, das von „Zwietracht, Gewalt und Konflikten“ verwundet sei, müsse die Kurie ein prophetisches Zeichen sein. Christen seien keine „kleinen Gärtner, die sich nur um den eigenen Garten kümmern“, sondern Sauerteig für eine universale Geschwisterlichkeit. Mit Segenswünschen für ein friedvolles Weihnachtsfest schloss das katholische Kirchenoberhaupt die Audienz.
Papst schenkt Buch an die Kurienmitarbeiter
Am Ende der traditionellen Audienz für die römische Kurie zu Weihnachten schenkte Papst Leo XIV. den Anwesenden das Buch „La pratica della presenza di Dio” (Die Praxis der Gegenwart Gottes) von Bruder Lorenz von der Auferstehung , herausgegeben von Maria Rosaria Del Genio, das vergangene Woche vom vatikanischen Verlag Libreria Editrice Vaticana veröffentlicht wurde. Dieses Werk hat die Spiritualität von Papst Prevost geprägt, der es zur Lektüre empfohlen hat, um diese Art von Spiritualität besser kennenzulernen.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
