Leo XIV. in der Christmette: Verkünden wir die Freude der Weihnacht
„Buonasera, benvenuti tutti" („Schönen Abend, herzlich willkommen alle!“): Mit diesen einleitenden Worten grüßte Papst Leo die Anwesenden auf dem Platz, bevor er auch auf Spanisch und Englisch fortfuhr und sein Bedauern darüber ausdrückte, dass der Petersdom zwar großräumig, aber nicht groß genug für alle Menschen war, die gerne an dieser Christmette teilnehmen wollten - und dafür auch dem Regen trotzten, der in diesen Tagen Rom hartnäckig in seinem Griff hält. „Jesus Christus ist geboren für uns, er bringt uns den Frieden, er bringe uns die Liebe Gottes“, so die abschließenden Worte des Papstes auf dem Platz, bevor er die Gläubigen segnete und sich in die Sakristei zurückzog, um sich auf den Gottesdienst am Vorabend des Weihnachtstages vorzubereiten.
Dieser begann etwas später als in den Vorjahren unter Papst Franziskus wieder um 22 Uhr; 6.000 Menschen hatten sich in der Basilika versammelt, weitere 5.000 verfolgten die Messe über die Großbildschirme auf dem Petersplatz. Während der Feier, wie auch in den Folgetagen vorgesehen, war eine in Salerno in Süditalien besonders verehrte Statue der Madonna der Hoffnung neben dem Hauptaltar aufgestellt, welche für die Weihnachtszeit in den Petersdom überführt worden war. Papst Leo trug eine Kasel, die der heilige Johannes Paul II. an Weihnachten mehrfach getragen hat, ebenso wie Benedikt XVI. - den sein Nachfolger Leo auch zitierte.
Die Menschen suchten am falschen Ort
In seiner Predigt erinnerte der Papst daran, dass die Völker jahrtausendelang nach der Wahrheit gesucht hätten, welche „unten in ihren Häusern“ fehlte, während sie ihren Blick stets zum Himmel erhoben, in der Meinung, sie unter den Sternen zu finden. Am Ende, so der Papst, tasteten sie im Dunkel ihrer eigenen Orakel umher. Um den Retter zu finden, gelte es jedoch, nicht nach oben, sondern nach unten zu blicken, so Leo:
„Die Allmacht Gottes strahlt in der Wehrlosigkeit eines Neugeborenen auf; die Beredtheit des ewigen Wortes erklingt im ersten Schrei eines Säuglings; die Heiligkeit des Geistes erstrahlt in diesem kleinen, gerade gewaschenen und in Windeln gewickelten Körperchen.“
Gerade das Bedürfnis nach Fürsorge und Wärme, das der Sohn des Vaters in der Geschichte „mit all seinen Brüdern und Schwestern gemeinsam" habe, sei „göttlich“, fuhr der Papst fort:
„Das göttliche Licht, das von diesem Kind ausstrahlt, hilft uns, in jedem beginnenden Leben den Menschen zu sehen“, unterstrich er weiter, mit einem deutlichen Verweis auf die Wertigkeit eines jeden Lebens, von der Geburt an bis hin zu seinem natürlichen Ende.
Wo Platz für den Menschen ist, ist Platz für Gott
„Um unsere Blindheit zu erhellen, wollte sich der Herr als Mensch dem Menschen, seinem wahren Abbild, offenbaren“, zitierte Leo daraufhin aus der Weihnachtspredigt Benedikts XVI. in der Heiligen Nacht 2012:
„Diese so aktuellen Worte von Papst Benedikt XVI. erinnern uns daran, dass es auf Erden keinen Platz für Gott gibt, wenn es keinen Platz für den Menschen gibt: Den einen nicht aufzunehmen bedeutet, den anderen nicht aufzunehmen. Wo hingegen Platz für den Menschen ist, ist auch Platz für Gott: Dann kann ein Stall heiliger werden als ein Tempel, und der Schoß der Jungfrau Maria ist die Lade des neuen Bundes.“
Verkehrte Wirtschaft verleitet dazu, Menschen als Ware zu behandeln
Weihnachten bedeute letztlich das Unvorhersehbare, ein Durcheinanderwirbeln der Pläne, wie sie der menschliche Geist entwerfen könnte, erläuterte Leo, der in diesem Zusammenhang dazu einlud, die „Weisheit von Weihnachten“ zu betrachten: „Im Jesuskind schenkt Gott der Welt neues Leben: sein Leben, für alle. Nicht eine Idee für die Lösung jedes Problems, sondern eine Geschichte der Liebe, die uns miteinbezieht“, so der Pontifex, der angesichts des scheinbaren Paradoxons von Weihnachten, der Rettung der Welt durch das schwache Jesuskind, wieder den heiligen Augustinus zitierte: „Der menschliche Stolz hat dich so sehr niedergedrückt, dass nur die göttliche Demut dich wiederaufrichten konnte“.
Denn während eine „verkehrte Wirtschaft“ uns dazu verleite, „die Menschen als Ware zu behandeln“, mache sich Gott uns ähnlich und offenbare „die unendliche Würde jedes Menschen“, unterstrich Leo weiter: „Während der Mensch Gott werden will, um über seine Mitmenschen zu herrschen, will Gott Mensch werden, um uns von jeder Knechtschaft zu befreien. Genügt uns diese Liebe, um unsere Geschichte zu verändern?“, so die herausfordernde Frage des Papstes.
Weihnachten Zeit der Dankbarkeit und der Sendung
Vor einem Jahr habe Franziskus in der Christmette seine Überlegungen zur Geburt Jesu tief mit der Hoffnung verknüpft und damit ein Heiliges Jahr eröffnet, erinnerte der Papst am Ende seiner Predigt: „Nun, da das Jubiläum seinem Abschluss entgegengeht, ist Weihnachten für uns eine Zeit der Dankbarkeit und der Sendung“, so die Einladung des Kirchenoberhauptes. Es gelte, die Freude der Weihnacht zu verkünden, die „ein Fest des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung“ sei: „Mit diesen Tugenden im Herzen können wir ohne Furcht vor der Nacht der Morgendämmerung des neuen Tages entgegengehen“, schloss der Papst seine erste Predigt zu den Weihnachtsfeierlichkeiten.
Am Morgen des 1. Weihnachtstags wird mit Leo XIV. erstmals seit den 1990er Jahren wieder ein Papst öffentlich die Weihnachtsmesse im Petersdom feiern, bevor er um 12 Uhr für die Weihnachtsbotschaft und den Segen „Urbi et Orbi“ auf der Loggia des Petersdoms erwartet wird.
Eine reiche Liturgie
Die Eucharistiefeier war durch eine vorbereitende Liturgie mit der Lesung einiger biblischer Texte eingeleitet worden, geprägt besonders vom Gesang der Kalenda, der feierlichen und antiken liturgischen Verkündigung der Geburt des Herrn, wie sie im Römischen Martyrologium überliefert ist. Der Text umfasst alle grundlegenden Ereignisse der Universalgeschichte bis zur Ankunft Christi, dem Höhepunkt der Adventszeit. Der Lektor verkündet darin den Sinn: sich daran zu erinnern, dass Jesus Christus, geboren aus der Jungfrau Maria, das Zentrum der Geschichte und des Kosmos ist. Am Altar konzelebrierten die Kardinäle Re, Sandri, Parolin und Ouellet. Zehn Kinder begleiteten den Papst in Prozession bis zur in der Basilika aufgebauten Krippe, wo Leo XIV. das Jesuskind enthüllte; sie stammten aus Südkorea, Indien, Mosambik, Paraguay, Polen und der Ukraine.
In den Fürbitten, die in mehreren Sprachen, darunter auch Tagalog verlesen wurden, fand sich unter anderem die Bitte, dass die Kirche sich von der Geschichte herausfordern lassen und „Sauerteig der Eintracht für die Welt“ sein möge. Der Fürst des Friedens wurde angerufen, die „Ketten von Hass und Gewalt zu sprengen“ und die „Herzen der Regierenden“ zu verwandeln, damit „allen Völkern die wahre Hoffnung auf das Gute geschenkt werde“.
(vatican news - cs)
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