D: Bischof Kohlgraf fordert Neuausrichtung in der Debatte um Aufrüstung
Bischof Kohlgraf bezeichnete die historischen Abwürfe als menschliche Katastrophe und wies auf die Verrohung hin, die durch Krieg und Gewalt begünstigt werde. Die nachfolgende Phase des Wettrüstens zeige, dass das Streben nach Waffenbesitz eine Eigendynamik erzeuge, die bis in die Gegenwart nachwirke. Angesichts der Vergabe des Friedensnobelpreises 2024 an eine japanische Organisation von Überlebenden hob er die Notwendigkeit hervor, die Betroffenen nuklearer Gewalt in den Mittelpunkt der Debatten zu rücken.
Auf die Frage nach der Realisierbarkeit nuklearer Abrüstung betonte der Bischof den spezifischen Auftrag kirchlicher Vertreter. Aufgabe der Kirche sei es nicht, tagespolitische Realpolitik zu betreiben, sondern Alternativen zur rein angstgetriebenen Abschreckungslogik aufzuzeigen. Sowohl Papst Leo als auch frühere kirchliche Lehren und Enzykliken wiesen darauf hin, dass Vertrauen, Diplomatie und internationale Verträge als Fundamente des Friedens gestärkt werden müssten, anstatt Verhandlungen als wirkungslos darzustellen.
Hinsichtlich der politischen Handlungsfähigkeit der Kirche verwies Kohlgraf auf den Charakter der Gemeinschaft als weltweites Netzwerk. Auch ohne direkte politische Machtmittel könnten moralische Appelle und Dialogkanäle zu Entscheidungsträgern Debatten anstoßen. Bezüglich aktueller Konflikte wie dem Krieg in der Ukraine bestätigte er das ethische Recht auf Selbstverteidigung, betonte jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit, die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu wahren und den Blick für weitere weltweite Konfliktherde nicht zu verlieren.
(radio horeb - mg)
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