Kirche im digitalen Wandel: Kardinal Czerny fordert mutigen Dialog
Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Kardinal drückte darin sein Bedauern aus, aufgrund dringender Verpflichtungen im Vatikan nicht persönlich anwesend sein zu können. Diese Termine stünden im direkten Zusammenhang mit den Arbeiten der neu eingerichteten Vatikan-Kommission für Künstliche Intelligenz sowie der Nachbereitung der jüngst veröffentlichten päpstlichen Enzyklika „Magnifica humanitas“.
Er dankte dem Vorsitzenden der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Charles Morerod, für dessen freundliche Worte bezüglich der Ernennung durch den Papst des von Czerny geleiteten Dikasteriums für die künftige Koordination der Arbeiten von verschiedenen Abteilungen zum Thema der Künstlichen Intelligenz. Diese Aufgabe stelle einen völlig neuen Dienst innerhalb der Römischen Kurie dar. Als eine der zentralen Fragen bezeichnete es der Kardinal, wie diese Kommission in einen fruchtbaren Dialog mit den Ortskirchen treten und diese bei den Herausforderungen der technologischen Entwicklung unterstützen könne.
Keine Angst vor der Realität haben
Unter Verweis auf eine Richtlinie von Papst Franziskus mahnte der Kardinal, keine Angst vor der Realität zu haben. Es bestehe in der Kirche oft die Versuchung, sich vor der Wirklichkeit zu schützen oder sich von ihr zu distanzieren. Die neue Enzyklika basiere auf den Grundsätzen der katholischen Soziallehre und solle dabei helfen, gesellschaftliche Herausforderungen und Hindernisse für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu erkennen und zu bewältigen. Die Veröffentlichung des Lehrschreibens in der vergangenen Woche verstehe sich als Aufruf zu einer nach außen gerichteten Synodalität.
Es gehe nicht um eine Beschäftigung mit rein innerkirchlichen Fragen, sondern um ein gemeinsames Voranschreiten, ohne den Blick vor den besorgniserregenden Realitäten der Gegenwart und Zukunft zu verschließen. Der Text des Lehrschreibens sei inklusiv gestaltet, da niemand die Last der weltweiten Herausforderungen allein tragen könne, aber auch niemand zu schwach sei, um seinen Teil beizutragen. In diesem Kontext verwies der Kardinal auf die direkte Demokratie in der Schweiz, die den Bürgern umfassende Mitbestimmung erlaube, und fragte, ob die Kirche hier nicht einen spezifischen Beitrag zur guten Regierungsführung des Landes leisten könne.
In der Tradition von „Rerum novarum“
Das päpstliche Dokument greife in seiner Zielsetzung weit über die reine Thematik der Künstlichen Intelligenz hinaus und stehe in der Tradition der vor genau 135 Jahren von Papst Leo XIII. veröffentlichten Enzyklika „Rerum novarum“. Es beleuchte soziale Verfehlungen, die das menschliche Zusammenleben beeinträchtigen. Laut dem Kardinal verdeutlicht bereits der Einleitungssatz die Tragweite, wonach die Menschheit vor der Entscheidung stehe, entweder einen neuen Turm von Babel zu errichten oder eine Gemeinschaft aufzubauen, in der Gott und die Menschen zusammenwohnen. Umfassender betrachtet gehe es um den Schutz der menschlichen Person im gesamten digitalen Zeitalter. Daraus ergebe sich ein dringender Bedarf an Evangelisierung, pastoraler Begleitung und Versöhnung in allen traditionellen Formen des kirchlichen Lebens.
Abschließend zitierte die Botschaft den Papst mit dem Aufruf zur Ausbildung für einen humanen Umgang mit der digitalen Welt als Teil der Glaubenserziehung. Der digitale Raum müsse als ein neuer Kontinent begriffen werden, der von reifen Missionaren evangelisiert werden müsse. Für die Verantwortlichen in der Seelsorge bedeute dies auch eine Aufforderung zur Gewissenserforschung. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz bestehe die Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und die Würde des Menschen zu bewahren, da keine Maschine diese Pracht jemals ersetzen könne. Die Kirche müsse sich daher auch kritisch mit den eigenen Strukturen und institutionellen Logiken auseinandersetzen, um sicherzustellen, dass ihr Handeln dem Vorbild Christi entspricht und eine glaubwürdige Botschaft für die heutigen und kommenden Generationen darstellt.
(vatican news)
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