Suche

Das Kloster EInsiedeln in der Zentralschweiz Das Kloster EInsiedeln in der Zentralschweiz  (ANSA)

Schweiz: Bischöfe berieten über Missbrauchsprävention und Migration

Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz sind in der Abtei von Einsiedeln zu ihrer jüngsten ordentlichen Versammlung zusammengekommen. Es ging um ein breites Themenspektrum, das von gesellschaftlicher Verantwortung der katholischen Kirche bis zu tiefgreifenden innerkirchlichen Reform- und Aufarbeitungsprozessen reichte.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Ein starkes Augenmerk lag dabei auf dem direkten Austausch mit Betroffenen und Fachstellen sowie der Weiterführung des weltweiten Synodalprozesses. Die Versammlung begann mit einem gemeinsamen Gebet in der Krypta der geschichtsträchtigen Abtei, bevor sich die Teilnehmenden unmittelbar einem aktuellen gesellschaftlichen Schwerpunkt widmeten: Ein Besuch im kantonalen Durchgangszentrum Nuolen im Kanton Schwyz diente dazu, das kirchliche und gesellschaftliche Engagement im Bereich der Migration zu beleuchten. Die Bischöfe verstanden diesen Besuch als ein bewusstes Zeichen der Nähe gegenüber Menschen, die nach belastenden Erfahrungen auf der Suche nach Schutz und Perspektiven sind. Damit sollte neben der politischen und organisatorischen Verantwortung insbesondere die menschliche Dimension der Flucht sichtbar gemacht werden. Die Mitglieder der Konferenz drückten den in Nuolen engagierten Personen ihren Dank für deren Hingabe und die erfahrene Gastfreundschaft aus.

Konsequente Aufarbeitung und Stärkung der Prävention

Einen zentralen Schwerpunkt der Konferenz bildete die intensive Auseinandersetzung mit der Missbrauchsthematik, die auf nationaler Ebene weiterhin eine Priorität darstellt. Im Rahmen einer Begegnung mit einer Delegation der Dienststelle Missbrauch im kirchlichen Kontext wurden offene Fragen erörtert. An den Gesprächen nahmen der Leiter der Dienststelle, Stefan Loppacher, sowie Mari Carmen Avila, Präventionsbeauftragte für die Diözese Lausanne, Genf und Fribourg sowie Fachmitarbeiterin für die französischsprachige Schweiz, teil. Gegenstand der Beratungen war insbesondere die überarbeitete Fassung der Richtlinien bezüglich sexueller Übergriffe im kirchlichen Kontext. Diese Richtlinien werden unter Mitwirkung der drei Betroffenenorganisationen erarbeitet. Das erklärte Ziel bleibt, die Prävention weiter zu stärken und die von Missbrauch betroffenen Personen konsequent in das Zentrum aller Überlegungen und Maßnahmen zu stellen.

Gebetstag for Opfer sexueller Gewalt im November 

In Anlehnung an eine Initiative des verstorbenen Papstes Franziskus, der die Bischofskonferenzen weltweit zur Durchführung eines Tages des Gebets und der Buße für die Betroffenen von sexuellem Missbrauch ermutigt hatte, sprach das Gremium eine konkrete Empfehlung aus. Im Einklang mit anderen europäischen Ländern soll dieser Gebetstag in der Schweiz künftig um den 18. November begangen werden. Dieses Datum fällt mit dem „Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ zusammen. Es wird angeregt, dieses Anliegen vor Ort in geeigneter Form aufzunehmen und nach Möglichkeit im direkten Austausch mit Betroffenen zu gestalten. Die liturgischen Institute der Schweiz wurden beauftragt, entsprechende Fürbitten zu erarbeiten.

Synodale Prozesse und der Umgang mit Petitionen

Auch die innerkirchliche Strukturreform stand auf der Tagesordnung. Ein Treffen mit dem Präsidenten Detlef Hecking und dem geschäftsführenden Sekretär der Synodalitätskommission, Arnd Bünker, diente der Vorbereitung des nationalen Synodalitätstages, der für den 23. September 2026 angesetzt ist. Mit Blick auf den weltweiten Synodalprozess steht in den Diözesen vor allem die praktische Umsetzung im Vordergrund. Gemäß den Vorgaben des Generalsekretariats der Synode in Rom sind in der aktuellen Phase verschiedene Schwerpunkte zu setzen. Dazu gehören die Förderung der synodalen Spiritualität, die Praxis der kirchlichen Unterscheidung, die Erneuerung der Mitwirkunggremien, die Aufwertung von Diensten und Charismen sowie die Bereiche Transparenz, Rechenschaft und missionarische Erneuerung. Das Gremium betonte, dass Zeit und eine geistliche Vertiefung für diese komplexe Thematik notwendig seien.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel für diesen synodalen Weg zeigt sich im Umgang mit der Petition „Privat ist Privat“, welche von der Allianz Gleichwürdig Katholisch eingereicht wurde. Nach eingehender Prüfung schlägt die Schweizer Bischofskonferenz die Durchführung eines sogenannten Gesprächs im Geist vor. Um einen qualitativ hochwertigen, vertieften und verantwortungsvollen Dialog zu gewährleisten, wird das Treffen in einem begrenzten Kreis stattfinden. Vorgesehen ist eine Delegation von rund fünf repräsentativen Personen aus dem kirchlichen Umfeld sowie drei Vertretern der Bischofskonferenz.

Ökumene, Schöpfungsbericht und internationale Kontakte

Im Bereich der Ökumene wurde vereinbart, die Rezeption der revidierten Charta Oecumenica in der Schweiz zu koordinieren. Die Unterzeichnung des Dokuments durch die Konferenz Europäischer Kirchen und den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen in Rom bildet hierfür den Ausgangspunkt. Die feierliche Entgegennahme der revidierten Charta durch die Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz soll am 21. November 2026 stattfinden, eingebettet in die Feierlichkeiten zum 750. Weihetag der Collégiale von Neuenburg. Die Vorbereitung erfolgt durch eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Pfarrer Florian Schubert. Die Bischofskonferenz wird in Neuenburg durch den zuständigen Sektorverantwortlichen, Bischof Felix Gmür, vertreten sein.

Hinsichtlich des Weltgebetstages für die Bewahrung der Schöpfung, der in der römisch-katholischen Kirche in der Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober verortet ist, wurden die Pfarreien eingeladen, diesen Rahmen aktiv zu nutzen. Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag biete hierfür eine passende Gelegenheit, um das Anliegen ökumenisch aufzunehmen. Abgerundet wurde die Versammlung durch den Besuch des Apostolischen Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Martin Krebs, mit dem ein Austausch über die erste Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. stattfand, sowie durch die traditionelle Begegnung mit den emeritierten Schweizer Bischöfen Pierre Farine, Markus Büchel und Martin Gächter.

(pm)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

05. Juni 2026, 11:49