Die deutsche männliche Fußball-Nationalmannschaft Die deutsche männliche Fußball-Nationalmannschaft  (AFP or licensors)

Gebet als Glückbringer: Stadionseelsorger über Glaube im Fußball

Beten, Rituale, Glücksbringer: Das gehört im Sport dazu. Für den Berliner Stadionseelsorger Gregor Bellin ist Beten ein starkes Zeichen des Glaubens – allerdings kein Rezept für sportlichen Erfolg. Im Interview mit Domradio erklärt er, warum Gebet und Aberglaube im Fußball nicht verwechselt werden sollten.

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer hat auf der ganzen Welt wieder Sportbegeisterte in ihren Bann gezogen. Die letzten Vorrundenspiele laufen noch, doch es sind nicht nur die sportlichen Szenen, die danach Aufmerksamkeit erregen. Es gibt auch Bilder von christlichen Nationalspieler, die vor der Partie zusammen beten. Für den Berliner Stadionseelsorger Gregor Bellin sind solche Momente Ausdruck gelebten Glaubens – nicht aber ein Mittel, um Siege zu erzwingen.

„Der liebe Gott mag sicherlich Fußball, aber für einen Sieg zu beten, ist nicht das, worum es geht“, sagte der katholische Diakon im Gespräch mit Domradio. Gebet könne Kraft schenken, den Blick auf das Wesentliche lenken und Gemeinschaft stiften. Über den Ausgang eines Spiels entscheide es jedoch nicht.

Glaube und sportliche Rituale

Bellin begleitet seit vielen Jahren den Fußball im Berliner Olympiastadion. Dabei erlebt er immer wieder, wie eng Glaube und sportliche Rituale miteinander verbunden werden. Ein Spieler habe ihn einst vor seinem ersten Einsatz um den Segen gebeten. Nach einem erfolgreichen Debüt und einer späteren Verletzung, als der Segen ausgeblieben war, sei der Spieler vor jedem Spiel wieder zu ihm gekommen. Für Bellin zeigt diese Geschichte, wie fließend die Grenze zwischen Glauben und Aberglauben sein kann.

„Das Beten hilft an der Stelle allein nicht, ich muss für einen Sieg trainieren“

Rituale seien im Sport nichts Ungewöhnliches. Sie könnten Sicherheit vermitteln und helfen, sich zu konzentrieren. Doch objektiv spielentscheidend seien sie nicht. Er vergleicht es mit einem Glücksbringer in der Schule: Der Gegenstand selbst hat nicht geholfen, aber „es hat geholfen, wenn ich mich vorher hingesetzt und gelernt habe. Und so ist das im Fußball auch. Das Beten hilft an der Stelle allein nicht, ich muss für einen Sieg trainieren", sagte Bellin.

Glücksbringer und Mythen

Als Beispiele nennt der Stadionseelsorger bekannte Fußballgeschichten: den berühmten blauen Pullover des damaligen Bundestrainers Joachim Löw während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Solche Gewohnheiten könnten zwar subjektiv Halt geben, dürften aber nicht mit der eigentlichen Leistung verwechselt werden.

Auch historische Episoden hätten immer wieder Mythen entstehen lassen. So besuchten vor dem WM-Finale 2006 zahlreiche italienische Spieler eine Kapelle, während kaum französische Nationalspieler dort erschienen. Nach dem italienischen Titelgewinn entstand der Mythos, wenn die Franzosen in die Kapelle gekommen wären, dann wären sie auch Weltmeister geworden.

„Es ist mit Sicherheit aber nicht objektiv hilfreich“

Für den Diakon bleibt entscheidend, den Glauben nicht auf eine Art religiösen Glücksbringer zu reduzieren. „Wenn die deutsche Nationalelf jetzt sagt, die Reihenfolge der Energy-Drinks sei entscheidend, dann denke ich, dass das Training vorher wichtiger war und alles andere eine nette Sache ist“, sagt Bellin. „Es ist mit Sicherheit aber nicht objektiv hilfreich“. Wer bete, suche nicht in erster Linie den sportlichen Erfolg, sondern Gottes Nähe, Orientierung und Vertrauen – unabhängig davon, wie das Spiel am Ende ausgeht.

(domradio – nm)

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26. Juni 2026, 14:30