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D: Neue Rahmenordnung für Priesterausbildung

Die deutschen Bischöfe haben mit der neuen „Ratio nationalis“ die Priesterausbildung in Deutschland reformiert. Pastoraltheologe Matthias Sellmann würdigt im Interview mit katholisch.de die Ansätze der Rahmenordnung, sieht jedoch weiterhin Verbesserungsbedarf.

Vor wenigen Wochen haben die deutschen Bischöfe die neue Rahmenordnung für die Priesterausbildung, die „Ratio nationalis“, veröffentlicht. In dieser Ordnung wurden unter anderem eine größere Flexibilität, mehr Beteiligung von Frauen in der Ausbildung und einen stärkeren Fokus auf persönliche Reifungsprozesse festgehalten.

Im Interview mit dem Portal katholisch.de würdigt Pastoraltheologe Matthias Sellmann diese wichtigen Punkte. Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hat er mit Hilfe seines Teams im Jahr 2024, eine Studie über Herkunft und Motivationslage junger Priester in Deutschland angefertigt. Aus seiner Sicht sieht er bei der neuen „Ratio nationalis“ Fortschritte besonders im Bereich der Sensibilisierung für die Machtposition des Priesters, für die Missbrauchsproblematik und für gemeinsame Ausbildungswege.

„Der Priester als Beruf“

Der Pastoraltheologe äußert jedoch auch Kritik an der neuen Rahmenordnung. Ihm fehle besonders ein eigenes Kapitel zu „Der Priester als Beruf“. Die jetzigen Priesterkandidaten werden große pastorale Räume leiten müssen, diese Seite bleibe jedoch unterbelichtet. „Sie werden quasi die Verantwortung für ein mittelständiges Unternehmen übernehmen.“ Es gebe Teams zu führen, Gremien zu moderieren, Gebäude und Finanzen zu verantworten und komplexe Organisationsprozesse zu steuern, so Sellmann. Er wünsche sich eine Beschreibung, „was organisatorisch, kommunikativ und strukturell tatsächlich von Priestern erwartet wird.“

Die neue Rahmenordnung sei in großen Teilen auf die Persönlichkeitsreifung ausgerichtet. Sellmann nennt dazu den Vergleich mit anderen Berufen, wie einer Chefärztin: „Die tragen auch viel Verantwortung und müssen über ihre Person wirken. Aber man würde doch sehr staunen, wenn es in der Ausbildung zur Ärztin über lange Passagen hieße, sie soll später vor allem eine reife Persönlichkeit sein. In einer Ausbildungsordnung muss es doch eher um Kompetenzen, Rollen und professionelle Anforderungen gehen.“

Mehr Berufsrealität

Sellmann wünscht sich mehr Berufsrealität wie Projektmanagement, Gremienleitung, Begleitung von mentalen Wachstumsprozessen oder Gesprächsführung. Somit könne auch das Priesterbild verändert werden. „Priester sind eben nicht nur ideale Menschen, sondern auch funktionierenden Rollenträger“. Weiter führt er aus: „Ich kenne einfach zu viele hoch idealistische Priester, die mit großer spiritueller und liturgischer Motivation gestartet sind – und nach wenigen Jahren völlig desillusioniert waren“. Eine Profilierung der Ausbildungsordnung in Hinsicht auf Leitung, Kompetenzen, Ressourcen und Teamverantwortung würde davon profitieren. „Dann gäbe es bestimmt einige junge Menschen, die diese Passagen sehr interessiert lesen würden“.

Sakramentales Priesteramt

Das Priesteramt ist eine zentrale Rolle in der katholischen Kirche. Die Sicherung der sakramentalen Zukunft solle, laut Sellmann, größer sein als die bisherigen Zugangsbeschränkungen zum Priesteramt. Er zeigt sich überzeugt: „Wir brauchen mehr persönlich und geistlich reife Menschen, Männer und Frauen, die gut ausgebildet zur Weihe zugelassen werden. Warum nicht auch im Nebenamt, warum nicht auch verheiratet, warum nicht auch in pastoralen Berufen?“ Gerade gebe es mehr Organisation um den Priestermangel herum. Wortgottesdienste, Beerdigungen oder Taufen - alles ohne einen Priester. Auf viele Kandidaten wirke es so, „als würde die Kirche faktisch lernen, ohne Priester auszukommen. Und das würde mich als Priesterkandidat viel mehr irritieren“, so der Pastoraltheologe.

(katholisch.de – nm)

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03. Juni 2026, 11:29