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David Piepenberg David Piepenberg 

Deutsche CV-Studenten: „Papst warnt uns vor Selbstabgrenzung“

Couleur tragende deutsche Verbindungsstudenten, vereint im Cartellverband, waren an diesem Freitag in Audienz bei Leo XIV. Die Worte des Papstes waren eine Bestärkung für die jungen katholischen Männer, er sprach aber auch die Gefahr einer Selbstabgrenzung an, sagte uns der oberste Repräsentant des Cartellverbandes David Piepenberg im Interview.

 

Der Münchner Germanistikstudent ist der sogenannte „Vorortspräsident“ des Cartellverbandes, dem deutschlandweit etwa 5.000 Studenten und 20.000 Ehemalige angehören. Gudrun Sailer fragte ihn zunächst nach seinen Eindrücken von der Papstaudienz.

Hier zum Hören:

Interview

David Piepenberg: Papst Leo hat sich als ein sehr nahbarer Papst gezeigt. Er hat einen starken Bezug zu uns als deutschen Studenten hergestellt. Er hat einige deutsche Worte verwendet, er hat einige Prinzipien unseres Verbandes angesprochen, die gezeigt haben, dass er sich wirklich die Zeit genommen hat, sich mit uns auseinanderzusetzen, uns angemessen zu empfangen. Das hat uns sehr gefreut und auch berührt.

Der Papst hat Sie unter anderem dazu aufgerufen, christlichen Humanismus in Deutschland und Europa zu leben. Was heißt das für die Angehörigen des Cartellverbandes, ungefähr 5000 in ganz Deutschland, was heißt das für Sie konkret?

Piepenberg: Eines unserer vier Prinzipien ist das Religio-Prinzip, im katholischen Glauben verankert zu sein. Das ist natürlich auch das christliche Menschenbild, das wir in unserem Leben, im Studium, aber eben auch bei uns in den Verbindungen pflegen und verinnerlichen müssen. Ich bin dem Papst sehr dankbar, dass er diese Formulierung gefunden hat und dass er uns dazu animiert hat, das nicht zu vergessen, sondern dass wir das auch immer lebende Beispiele dieses christlichen Humanismus sind.

Papst Leo hat Sie außerdem dazu eingeladen, die Bundestagsrede seines Vorvorgängers Papst Benedikt XVI. von 2011 zu vertiefen, vor allem hinsichtlich einer ganzheitlichen Ökologie des Menschen. Was verbindet Sie denn als Cartellverband mit Papst Benedikt?

Piepenberg: Papst Benedikt spielt bei vielen Verbindungen in unserem Verband eine ganz große Rolle, weil er in einigen Mitglied war. Das führt natürlich zu einem gewissen Stolz, dass er quasi unser Papst, nicht nur im deutschen Sinne, sondern auch ganz klar für unseren Verband. Aber das darf nicht dabei bleiben, dass das nur eine Galionsfigur ist, sondern man muss sich auch immer wieder inhaltlich damit auseinandersetzen, was dieser Papst Benedikt gesagt hat und was er zu uns gesprochen hat. Und ich verstehe Papst Leos Anmerkungen dahingehend, dass das uns wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen, ihn nicht nur als Galionsfigur zu sehen, sondern auch inhaltlich uns mit Papst Benedikt auseinandersetzen müssen.

Leo XIV. hat außerdem betont, dass katholische Gläubige in der Gesellschaft keine Parteifahnen schwenken, sondern für Gemeinwohl eintreten. Wie verbindet sich dieser Aspekt mit dem Selbstverständnis des Cartellverbandes?

Piepenberg: Ich denke, er spricht hier eine gewisse Gefahr an, die man natürlich haben könnte. Als Verbindungsstudenten tragen wir unsere Farben, wir gehen mit Fahnen auf die Straße, unsere Verbindungsfarben zeigen wir nach außen. Aber das darf nicht dazu führen, dass wir uns irgendwie als eine spezielle Gruppe sehen, sondern wir sind Teil der gesamtheitlichen katholischen Kirche. Und jeder Cartellbruder, wie wir sagen, hat auch aus seinem Glauben heraus eine Verantwortung, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Viele haben das schon getan. Unser aktueller Bundeskanzler (Friedrich Merz) ist ja zum Beispiel auch Mitglied bei uns. Und ja, wir dürfen uns in der Hinsicht eben nicht separieren, sondern wir müssen in der Gesellschaft sein, mit Band oder ohne.

Wenn man zum ersten Mal auf eine Gruppe von CV-Studenten stößt, wenn sie unterwegs sind mit Fahnen, mit einer Art von Uniform, mit Band und farbigem Käppchen, fragt man sich, was das ist. Wie fassen Sie in der kürzestmöglichen Form zusammen, wofür der Cartellverband steht? 

Piepenberg: Für mich ist das insbesondere eine starke Traditionsbewusstheit. Also wir führen gewisse akademische Traditionen, die es schon seit Jahrhunderten gibt, fort in diesen besonderen Trachten, nenne ich es, und mit gewissen Ritualen. Es ist eine sehr in der Geschichte, im Traditionsbewusstsein verwurzelte Bewegung. Es ist aber eben auch eine stolze Bewegung, die sich nicht verstecken möchte, sondern die auch nach außen hin zeigen möchte, was sie auszeichnet. Unsere Prinzipien, unser Glaube, das ist etwas, was wir nicht verstecken wollen, sondern was wir nach außen tragen wollen, um damit auch vielleicht auf andere treffen zu können, die sich uns anschließen können.

Was ist genau das, was Sie nach außen tragen möchten?

Piepenberg: Das ist unser katholischer Glaube, das ist das Akademische, dass wir alle Studenten sind, dass wir Wissenschaft betreiben, dass wir an die Wahrheit glauben und auf die Wahrheit gründen wollen. Dann die Lebensfreundschaft und die Lebensfreude, die dazugehört, die wir untereinander pflegen, aber die wir auch natürlich nach draußen tragen. Und es ist auch unsere staatsbürgerliche Verantwortung, für unsere Gesellschaft einzutreten. Das macht den Cartellverband aus.

Bei der Audienz hat Papst Leo auch ein paar Worte Deutsch gesprochen, unter anderem: „Ich bin Ausländer“. Ob er Deutschland besuchen wird, steht noch nicht fest. Was hat er Ihnen eigentlich am Rand der Audienz sonst noch so mitgegeben auf den Weg?

Piepenberg: Er hat uns, glaube ich, alle sehr bestärkt in dem, was wir tun, dass wir als junge Menschen für den Glauben uns einsetzen, dass wir auch sichtbares Zeugnis für unseren Glauben in der Gesellschaft abliefern. Es ist eine große Ehre gewesen, dass er uns diese Audienz gewährt hat. Allein das zeigt uns ja, dass er uns unterstützen und bestärken möchte. Und ich habe es heute bei allen Teilnehmern an der Audienz gesehen: neben der emotionalen Ergriffenheit war da auch ganz klar ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Wir sind hier als Verband und wir haben die Unterstützung des Papstes, und damit wollen wir nach Deutschland zurückkehren und das in unserem Alltag, in unserem Leben weitertragen.

(vatican news – gs)

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05. Juni 2026, 15:45