Unser Buchtipp: „Die ignorierten Frauen der Bibel"
Jantzen behandelt in ihrem Buch Frauenfiguren, die in der Leseordnung nicht unbedingt vorkommen. Sie bedauert, dass die Geschichten von Frauen in der Bibel teils eindimensional oder reduziert verarbeitet seien. Frauen erschienen häufig allein als Mütter, ihre eigenen Geschichten träten in den Hintergrund, Ehefrauen und Kinder würden oftmals gar nicht genannt. Sei sieht in diesen Kürzungen eine Verengung und bedauert, dass im Gottesdienst nur etwa ein Drittel der biblischen Texte gelesen werde. Dadurch entstehe ein verfälschtes Bild, das einer Sicht Vorschub leiste, in der Frauen in der Kirche „eine untergeordnete, zweitrangige Rolle“ spielten, so die Autorin.
Identifikation und Trost
In Ihrem Versuch schlägt sie eine andere Sichtweise vor: die Frauengeschichten böten neue Möglichkeiten der Identifikation und des Trostes, argumentiert sie. Themen wie Mutterschaft, Kinderlosigkeit oder zwischenmenschliche Beziehungen besäßen bis heute große Aktualität. So thematisiert Jantzen etwa die Frage, „wie schwer Beziehungen unter Frauen werden, wenn sich ein Beziehungs- oder Kinderwunsch für die eine erfüllt und für die andere nicht“.
Realität der sexuellen Gewalt
Dort, wo Frauen ausführlicher vorkämen in der Bibel, gehe es häufig um Verrat, Unterdrückung oder sexueller Gewalt, merkt Jantzen weiter an. „Die Bibel ist so realistisch zu erzählen, dass diese Gewalt ganz überwiegend von Männern ausgeht“, schreibt Jantzen. Das Ausblenden solcher Texte löse das Problem jedoch nicht. Im Gegenteil: Erst die Einbeziehung mache deutlich, dass solche Erfahrungen Teil der menschlichen Realität sind – damals wie heute, denn sexuelle Gewalt begleite weiterhin Kriege und Fluchtrouten, Biographien und Familienchroniken, erinnert die Autorin.
Weibliche Prophetie
Nach Jantzens Analyse fehlen in der Leseordnung nicht nur weibliche Stimmen, sondern insbesondere weibliche Prophetie. Dabei berichtet die Bibel ausdrücklich von Prophetinnen, etwa von „Debora, Frau, Prophetin“ im Buch der Richter. Frauentexte würden „stiefmütterlich“ behandelt und ihre Stimmen dadurch zum Schweigen gebracht, findet die Autorin. Dies habe spürbare Auswirkungen auf „die Wahrnehmung biblischer Texte und den Stand von Frauen in der katholischen Kirche“.
Zum Mitschreiben
Annette Jantzen: Die ignorierten Frauen der Bibel – was im Gottesdienst nicht gelesen wird.
Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2026. 304 Seiten; ISBN 978-3-451-02546-4
Eine Rezension von Nele Maesmanns.
(vatican news)
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