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Jesus Christus Statue - Vietnam Jesus Christus Statue - Vietnam  (©Viggo Rognes - stock.adobe.com)

Unser Sonntag: Verherrlichung Gottes

Am letzten Sonntag der Osterzeit hören wir im Evangelium das Hohepriesterliche Gebet Jesu. Es lädt dazu ein, über die „Verherrlichung“ Gottes, die Offenbarung des Vaters und unsere eigene Sendung als Christen in der Welt neu nachzudenken, so Gabriele Rohardt-Bellè.


Gabriele Rohardt-Bellè, Verona

Johannes 17,1-11

Liebe Hörerinnen und Hörer,
der heutige Sonntag ist liturgisch der letzte Sonntag der Osterzeit - nächste Woche werden wir das Pfingstfest feiern, um dann am 31. Mai, mit dem Dreifaltigkeitssonntag, diesen schönen Monat abzuschließen.

Hier zum Nachhören

Aber heute ist nochmal ein ganz besonderer Moment im Leben Jesu, dem wir mit einer gewissen Andacht begegnen sollten, denn das heutige Evangelium führt uns in eine der intimsten und zugleich erhabensten Szenen des Neuen Testaments. Dieses 17. Kapitel von Johannes ist uns als das Hohepriesterliche Gebet überliefert, dass Jesu im Abendmahlsaal gesprochen hat.

Das Hohepriesterliche Gebet

Jesus steht an der Schwelle seines Leidens und richtet seinen Blick nicht mehr primär auf die Welt, sondern auf den Vater. Was hier geschieht, ist mehr als ein Gebet – es ist die Offenlegung der innersten Beziehung zwischen Vater und Sohn und zugleich die Deutung seines gesamten Wirkens.
Benedikt XVI. erklärt den Hintergrund dieses Geschehens folgendermaßen:
„Dieses Gebet Jesu wird in seinem ganzen Reichtum vor allem dann verständlich, wenn wir es vor dem Hintergrund des jüdischen Versöhnungsfestes, des Jom Kippur, betrachten. An diesem Tag bringt der Hohepriester das Sühneopfer dar, erst für sich, dann für den Priesterstand und am Ende für die gesamte Gemeinschaft des Volkes. […] Das Gebet Jesu, das im 17. Kapitel des Johannesevangeliums wiedergegeben wird, greift die Struktur dieses Festes auf. In jener Nacht wendet Jesus sich an den Vater in dem Augenblick, in dem er sich selbst hingibt. Er, Priester und Opfer, betet für sich, für die Apostel und für alle, die an ihn glauben werden, für die Kirche aller Zeiten.“

Die „Verherrlichung“ – ein zentrales Motiv

Im heutigen Evangelium steht der Gedanke der „Verherrlichung“ im Zentrum. Wenn Jesus sagt: „Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche deinen Sohn“, so meint er nicht eine weltliche Erhöhung, sondern paradoxerweise den Weg durch Kreuz und Tod. Die Herrlichkeit Gottes offenbart sich gerade dort, wo menschlich gesehen Scheitern und Erniedrigung sichtbar werden. Das Kreuz wird zum Ort göttlicher Selbstoffenbarung – Liebe bis zur Vollendung.
Papst Franziskus drückt das folgendermaßen aus: „Dort [am Kreuz] offenbart Gott endlich seine Herrlichkeit: Er nimmt den letzten Schleier hinweg und erstaunt uns wie nie zuvor. Denn wir entdecken, dass die Herrlichkeit Gottes nur die Liebe ist: reine, irrsinnige und undenkbare Liebe, die jede Grenze und jedes Maß übersteigt.“

Ein schwieriger Begriff für heute

Ja, der Herr ist verrückt vor Liebe – heute würde man zu so einer Person sagen: er hat völlig den Verstand verloren!
Und bleiben wir kurz beim „Heute“ und fragen wir uns, ob dieser Evangelientext in unserer Zeit überhaupt noch zu verstehen ist? Die Schwierigkeiten fangen schon mit dem Wort „verherrlichen" an – ein Ausdruck, der mindestens fünfmal in der heutigen Lesung vorkommt. Was bedeutet das? Wenn wir sagen „heute ist herrliches Wetter“, dann wissen alle, wovon wir sprechen; wenn wir aber eine Person „verherrlichen“ sollen, dann wird es schon schwieriger.


Annäherung an „Verherrlichung“

Man könnte diesen Ausdruck eventuell mit „die Ehre erweisen" umschreiben, aber sehr weit kommen wir hier nicht, denn das Wort „Ehre“ ist auch mittlerweile zu einer Worthülse geworden. Es bringt uns trotzdem näher an die Idee einer immerwährenden Würde und Liebe. Jesus und sein Vater sind gleich an Würde und sich zugetan in der Liebe. (vgl. Dr. Pascal Schmitt, Katholisches Bibelwerk Österreich). Damit können wir vielleicht schon ein bisschen mehr anfangen.
Dabei wird deutlich, dass diese ‚Verherrlichung‘ – die Würde, die Liebe also – nicht Selbstzweck ist. Der Sohn wird verherrlicht, „damit der Sohn dich verherrliche“ – so der Evangelientext. Dabei sollten wir uns vergegenwärtigen, dass im Wort „verherrlichen“ das Wort „Herr“ enthalten ist.

Unsere Antwort: Gott verherrlichen

Und wir? Was können wir tun? Die Antwort gibt uns wieder Franziskus: “Wir verherrlichen den Herrn also, wenn wir all das leben, was wir mit Liebe tun, wenn wir alles von Herzen tun, gleichsam für ihn.”
Es geht um eine wechselseitige Beziehung, ein vollkommenes Ineinander von Geben und Empfangen. Diese Einheit verweist auf das Wesen Gottes selbst: Beziehung, Hingabe, Liebe. Das ist eigentlich das, was sich jeder Mensch von ganzem Herzen wünscht.
Diese Würde kommt auch den Glaubenden zu, also uns, die in die Liebe mithineingenommen sind. Wer das erkennt, der hat schon in gewissem Sinne das ewige Leben!

Ewiges Leben – schon jetzt

So lesen wir in Vers 3: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“ 
Erkenntnis meint hier kein bloß intellektuelles Wissen, sondern ein existenzielles Ergriffen-Sein, ein Hineingenommenwerden in die Gemeinschaft mit Gott. Ewiges Leben beginnt somit nicht erst nach dem Tod, sondern schon im Hier und Jetzt, im Glauben.
Jesus hat den Namen des Vaters offenbart und das ihm übertragene Werk vollendet. Im Text heißt es wörtlich: Ich habe […] das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Moment mal - könnte jetzt einer sagen - das Werk ist doch noch gar nicht vollendet, es fehlt doch noch das dramatische Finale. Erinnern wir uns kurz: Jesus ist noch im Abendmahlsaal, sein Kreuzestod steht ihm noch bevor, aber sein eigentlicher Auftrag in dieser Welt ist erfüllt: Er hat den Menschen den Vater offenbart. Den unsichtbaren Gott, den Gott, der zu seinem Volk auf dem Berg Sinai gesprochen hatte, den aber keiner sehen durfte. Er hat Gott sichtbar und erfahrbar gemacht in Wort und Tat. In Jesus wird Gott nicht nur erklärt, sondern verkörpert; der Tod am Kreuz ist dann noch die Unterschrift der Wahrhaftigkeit.

Die Jünger und ihre Sendung

Im heutigen Evangelium richtet sich der Blick schließlich auch auf die Menschen, auf die Jünger. Sie sind die Frucht seines Wirkens und zugleich Träger der zukünftigen Sendung. „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“ – „Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.“
Bemerkenswert ist dabei, dass Jesus für sie betet, nicht für die Welt im Allgemeinen. Das sollten wir nicht als Abwertung der Welt interpretieren, sondern als eine besondere Verantwortung: Die Jünger – und somit auch wir - stehen nun an der Schnittstelle zwischen Gott und Welt. Sie und wir sind „in der Welt“, gehören aber nicht mehr ganz zu ihr, weil wir eine neue Identität in Gott empfangen haben.

Christsein zwischen Welt und Gott

Hier wird die Spannung deutlich, die das ganze christliche Leben prägt: die Zugehörigkeit zu Gott und das Bleiben in der Welt.
Wir als Christen des 21. Jahrhunderts dürfen nicht meinen, dass uns das alles nichts mehr angeht. Ganz im Gegenteil: mehr denn je sollten wir das Hineingenommenwerden in die Gemeinschaft Gottes – wovon ich schon gesprochen habe – als Einladung zum Hinausgehen in die Welt verstehen.
Erinnern wir uns kurz an den Missionsbefehl am Ende des Markusevangeliums: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ (Mk 16,15). „Die ganze Welt“, „die ganze Schöpfung“ – das heißt so viel wie „überall“ und „jeder“ - niemand ist da ausgeschlossen.
Christlicher Glaube ist im Kern Beziehungsgeschehen: zwischen Vater und Sohn, zwischen Gott und Mensch, zwischen dir und mir.


Mit Maria auf dem Weg

Beenden wir unsere heutige Betrachtung wie immer mit einem liebevollen Blick auf die heilige Maria, die uns als Helferin der Christen auf unserem Weg durch diese Welt begleitet.

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)


 

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16. Mai 2026, 09:17