Augustiner-Bräu bei Leo XIV.: „Quasi: Wir sind Papst“
Christine Seuss - Vatikanstadt
Als sie – als einzige Frau in der Delegation – dem Papst den überdimensionalen Augustiner-Krug überreichen durfte, den sie als Mitbringsel dabei hatten, habe sie die Gelegenheit genutzt, ihm dafür zu danken, dass er „sich so stark für den Frieden in der Welt einsetzt“, erzählt uns nach der Audienz Catherine Demeter vom Vorstand der Edith-Haberland-Stiftung. „Und er hat mich so verblüfft angeschaut mit dem großen Fünf-Liter Krug“, freut sich Demeter, deren erklärter Herzenswunsch es war, den Papst auch persönlich treffen zu können. Doch mit diesem Wunsch war sie in der Brauerei definitiv nicht die einzige, bestätigt ihr Vorstands-Kollege Martin Liebhäuser:
„Ich kannte ihren Wunsch natürlich. Der größere Auslöser für das Treffen war aber eigentlich, dass praktisch alle Augustinermitarbeiter uns mit der Papstwahl sofort geschrieben und Fotos geschickt haben. Quasi: Wir Augustiner sind Papst. Also, ein Papst, der aus dem Augustinerorden kommt - und alle haben sich sofort damit identifiziert. Da haben wir gesagt: Das müssen wir probieren.“
Dankbar für Unterstützung durch Kardinal Marx
Große Unterstützung bei der Realisierung des Unterfangens erhielten die Münchner „Augustiner“ von Kardinal Marx, der dem Thema gegenüber „sehr aufgeschlossen“ war, berichtet Liebhäuser dankbar:
„Und dadurch, dass die Mitarbeiter sich mit einem Schlag so verbunden gefühlt haben, wäre das eine wunderschöne Sache, wenn es hier zu einer Begegnung kommen könnte, nicht mehr, nicht weniger“ - das habe man auch dem Erzbischof von München kommuniziert.
„Dann hat das eine schöne Dynamik bekommen. Wie gesagt, ohne die Unterstützung von Kardinal Marx wäre es nicht gegangen. Er hat auch Feuer gefangen und das immer mehr als schöne Idee empfunden. Und dann kam es zu dem glücklichen Moment...“
Die lang erwartete persönliche Begegnung fand dann am Samstag im Apostolischen Palast statt – eingeläutet durch einen aufsehenerregenden Einzug mit Pferdegespann und Bierwagen über die Via della Conciliazione Richtung Vatikan. Auch Freibier wurde an verblüffte Passanten ausgeschenkt. Sie habe dem Treffen jedenfalls schon lange entgegengefiebert, erzählt Catherine Demeter weiter:
„Weil man ihn ja schon immer mit großem Interesse beobachtet hat, gerade in letzter Zeit war ja auch noch einmal ganz besonders viel in den Medien von ihm zu sehen, aber ihm persönlich gegenüberzustehen und seine Aura wahrzunehmen, die unglaubliche Liebenswürdigkeit, und ihm in die Augen zu sehen - er strahlt so eine Güte aus und er ist so nahbar und so ein so unglaublich gewinnender Mensch. Das war schon extrem berührend, muss ich sagen.“
Großes Erstaunen hatte auch die überlegte Wortwahl des Papstes ausgelöst, ebenso wie die Tatsache, dass er sich viel Zeit genommen und die anwesenden Kinder eigens gesegnet habe, berichtet die Brauerei-Vertreterin von der Audienz.
„Besonders schön war auch, wie die Mitarbeiter berührt waren, die wirklich so dankbar waren, auch im Nachhinein. Wir haben noch nie so eine Dankbarkeit, Freude und Rührung erlebt.“
Nachhaltig agieren
„Sein größtes Anliegen bei seiner Ansprache war, dass wir mit unseren Ressourcen überlegt umgehen sollen und dass wir bei unserem Tun auch im Blick behalten, was wir der Nachwelt hinterlassen. Das war sein Hauptanliegen“, ergänzt Martin Liebhäuser.
Vor den Brauerei-Vertretern hatte Papst Leo XIV. mit Bezug auf den heiligen Augustinus bemerkt, „dass wir alle von Gott gegebene Gaben und Talente haben, und dass unser Sinn, unsere Erfüllung und unsere Freude darin bestehen, sie im liebevollen Dienen an Gott und an unserem Nächsten zurückzuschenken“.
„Dass man seine Talente nutzen soll… das gefiel mir so gut, weil ich auch denke, dass man seine Talente auch wirklich für den Dienst an der Gemeinschaft und seine Mitmenschen einsetzen sollte. Ich fand das eine sehr schöne Botschaft, weil ich oft das Gefühl habe, dass manche Menschen sich das gar nicht zutrauen. Es war also extrem mutmachend, an sich zu glauben, seine Talente zu nutzen und diese Talente auch bewusst einzusetzen“, wirft Demeter ein.
Talente für die anderen einsetzen
Die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung ist Mehrheitseigentümerin der traditionellen Augustiner-Brauerei. Die älteste Brauerei Münchens – und die letzte in Familienbesitz - hat ihren Ursprung in einem Kloster des Augustiner-Eremiten-Ordens im Jahr 1328. Die Gewinne aus dem Unternehmen fließen über die Stiftung, die eine Nachfahrin der Brauerei-Gründer eingerichtet hat, nicht nur in den Erhalt der Brauerei, sondern auch in zahlreiche gemeinnützige Initiativen verschiedenster Art, darunter unter anderem der Umbau einer Schule für mehrfach schwerstbehinderte Kinder in Neuaubing, oder die Unterstützung für eine Einrichtung für psychisch Kranke.
„Die schönsten Projekte waren die, wo wir den Menschen direkt erreichen können. Und das war so berührend, diese Dankbarkeit zu sehen, vor allem der Leute, die diese Einrichtungen betreiben, da wirklich ihre ganze Energie reinstecken und dem ihr Leben widmen. Wir haben eigentlich sozusagen nur Geld beigesteuert, aber das wirkliche Engagement lag bei den Projektverantwortlichen“, zeigen sich die beiden Stiftungsvertreter begeistert darüber, was für wertvolle Initiativen mittlerweile unterstützt werden konnten. Oft brauche es dabei eigentlich gar nicht allzu viel Geld, berichtet Catherine Demeter noch mit Blick auf ein Projekt, bei dem während der Covid-Zeit Blasmusiker vor Altenheimen aufgezogen sind und traditionelle Weisen für die Bewohner vorspielten:
„Das heißt, die Künstler, die kein Geld hatten, haben ein Gehalt bekommen. Und die alten Leute haben sich nicht allein gefühlt, allein in ihren Zimmern, und gespürt: Man denkt an sie. Und das fand ich so ein schönes Projekt, weil wir doppelt geholfen haben.“
(vatican news)
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