Katholikentag: Kirche ist präsent - mitten im öffentlichen Raum
Ja, das gelingt tatsächlich sehr gut. Der Katholikentag findet nicht weit verstreut oder in Messehallen statt, sondern wirklich in der ganzen Innenstadt. Das ist alles sehr präsent und fußläufig gut erreichbar. Man kann also von einem Programmpunkt zum nächsten gehen und begegnet unterwegs immer wieder Menschen, Ständen, Musik, Gesprächsangeboten. Auch in den sozialen Medien kann der Katholikentag gut sichtbar werden, auch daran hat man hier gedacht. Der magentafarbene Schriftzug mit dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ ist so vor dem Dom platziert, dass es im Hochkantformat fotografiert werden kann – und alles ins Bild passt die meterhohen Buchstaben und die Spitzen der Domtürme. Perfekt für Insta! Kirche ist hier nicht versteckt, sondern mitten im öffentlichen Raum.
Zur Eröffnung war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Ort. Solche Großveranstaltungen sind traditionell ja auch ein Schaulaufen der Politik. Ist das hier auch so?
Natürlich ist Politik hier sichtbar, zeigen sich Politiker. Der Kanzler, der Ministerpräsident, viele Politikerinnen und Politiker sind zu Gast auf Podien und besuchen Infostände und stoßen umgekehrt auf viel Interesse. Die Hallen sind voll. Die Veranstalter und die Personen, mit denen ich spreche, sagen mir: Es ist echtes Interesse da! Die Situation in der Gesellschaft ist so, dass das Interesse an einer Allianz von Kirche, Politik und Zivilgesellschaft wächst. Auch die DBK-Generalsekretärin hat das bei uns am Stand ja betont. Ich würde es also nicht nur als Schaulaufen beschreiben. Der Katholikentag ist eben auch ein Ort, an dem gesellschaftliche Fragen verhandelt werden: Was hält uns zusammen? Wie gehen wir mit Krieg, Polarisierung, sozialer Ungleichheit oder Zukunftsangst um? Welche Rolle kann Kirche in einer demokratischen Gesellschaft spielen?
"Wir sind nur glaubwürdig, wenn wir als Christen gemeinsam auftreten" – das ist eine Forderung, die immer häufiger von Christen verschiedener Konfessionen ausgesprochen wird. Wie empfindest du das auf dem Katholikentag?
Natürlich ist es ein Katholikentag, katholisch geprägt, katholisch organisiert. Aber die Ökumene ist spürbar: Vertreter anderer Konfessionen nehmen an Veranstaltungen teil und auch die Themen sind ja nicht konfessionell begrenzt: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Menschenwürde, Demokratie, gesellschaftlicher Zusammenhalt. Der heutige Freitag ist der „Ökumenische Tag“ – mit Erfahrungsaustausch und Debatten zu Ökumene im Alltag. Und auf dem Areal der Erlöserschwestern, eines Frauenklosters hinter dem Dom, wurde das so genannte „Ökumenische Kloster“ eingerichtet. Die Deutsche Ordensobernkonferenz und evangelische Partner bieten hier Begegnung, Gebet und Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg. Würzburg ist zwar Bischofsstadt und katholisch geprägt, aber längst keine geschlossene katholische Welt mehr. In der Stadt selbst ist nur noch etwa ein Drittel römisch-katholisch, rund die Hälfte der Bevölkerung macht keine Angabe zur Religion. Gerade deshalb hat es Gewicht, wenn der Katholikentag nicht nur in Kirchenräumen stattfindet, sondern auf Plätzen, Straßen und mitten in der Stadt sichtbar wird.
Und wer ist in Würzburg unterwegs? Wer besucht den Katholikentag?
Das Bild ist gemischter, als man vielleicht denkt. Natürlich sieht man viele Menschen, die sehr kirchennah sind, die solche Veranstaltungen seit Jahren kennen, die aus Gemeinden, Verbänden oder kirchlichen Gruppen kommen. Sie tragen dann auch die Schals, die es jedes Mal, als Sammlung zu Zöpfen geflochten an ihren Rucksäcken. Es ist nicht nur die kleine, fromme Herde. Man sieht auch Familien, junge Menschen, Schulgruppen, Ehrenamtliche, Neugierige. Gerade weil so viel in der Innenstadt stattfindet, kommen auch Menschen dazu, die vielleicht gar nicht den ganzen Katholikentag besuchen, sondern an einem Stand stehen bleiben, eine Veranstaltung mitnehmen oder einfach ins Gespräch kommen. Das ist – Zwischenfazit an Tag 3 – vielleicht eine der Stärken hier in Würzburg: Der Katholikentag ist nicht abgeschottet. Er mischt sich in die Stadt hinein. Und dadurch erreicht er nicht nur diejenigen, die ohnehin gekommen wären, sondern auch Menschen, die zufällig vorbeigehen und merken: Da passiert etwas.
(vatican news - pr)
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