D: „Es geht um die große Frage des Zusammenhalts“
Das ZdK richtet den 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz aus. Frings spricht von einem „konstruktiven Grundrauschen“; die übergeordnete Frage sei aus seiner Sicht, wie politisch die Kirche sein dürfe. „Und allen ist bewusst, auch denen, die möglicherweise nicht mehr kirchennahe sind, dass es hier um die große Frage des Zusammenhalts geht.“
Interview
Wie sieht die Halbzeitbilanz des Katholikentags aus Ihrer Sicht aus?
„Die ist total positiv! Ich freue mich natürlich nach zweieinhalb Jahren Vorbereitung, dass es am Mittwoch losgegangen ist und dass wir jetzt im diskursiven Teil des Katholikentages angekommen sind. Jetzt laufen unsere 900 Veranstaltungen für die Bereiche Kultur, Politik, Gesellschaft, Spiritualität, und mein Eindruck ist: Das läuft alles total gut. Vor allem nehme ich wahr, dass es ein sehr konstruktives Grundrauschen gibt. Die Leute sind in der Diskussion, in der Debatte. Ich finde, dass es die übergeordnete Frage gibt: Wie politisch darf Kirche sein? Das ist etwas, das uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat, auch aufgrund unserer Tätigkeiten im politischen Berlin (sowohl als Zentralkomitee wie als Deutsche Bischofskonferenz). Insofern habe ich das Gefühl, es läuft sehr gut. Und allen ist bewusst, auch denen, die möglicherweise nicht mehr kirchennahe sind, dass es hier um die große Frage des Zusammenhalts geht.“
So schwer sich das bei der Fülle der Veranstaltungen sagen lässt – gibt es Highlights?
„Ja, was sozusagen empirisch zu beobachten ist – wenn ich es auf dieser Ebene fassen darf –, ist unser spirituelles Angebot. Wir haben 60 Gottesdienste, 150 Angebote für Glauben, für Inspiration, für Spiritualität. Das sind genau die Formate, die immer schon – wir sehen das in der App, wir können das nachvollziehen – am frühesten geteilt werden von den Leuten. Daraus leite ich ab: Die, die zum Katholikentag kommen, wollen sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen. Sie wollen sich dem stellen, sie wollen neue Anregungen haben.
Zweitens sehe ich ganz klar das Thema unserer Demokratie: Kirche als Ort, wo wir mit sehr praktischen Workshops die Leute ertüchtigen wollen, Angebote machen wollen, wie man für Zusammenhalt werben kann. Wie kann man gegen rassistische Klischees vorgehen? Wie kann man selber über kreative Methoden Zusammenhalt organisieren? In Theatergruppen, in der Kneipe, wo auch immer?
Und drittens, würde ich sagen, gibt es natürlich die Podien als die Orte, wo einfach auf hoher Flughöhe die großen Linien nachverfolgt werden. Im Bereich der Nachhaltigkeit, im Bereich der Wirtschaft, aber eben auch im Bereich der politischen Verantwortung für die Zukunftsfragen dieser Welt.“
Und was ist inhaltlich eine Botschaft nach der Halbzeit? Was bleibt hängen?
„Für mich ist grundsätzlich dieser Katholikentag auch noch mal eine Standortfrage. Wir kommen ja, wenn Sie sich erinnern, aus Erfurt, wo wir 2024 den Katholikentag in der Diaspora gefeiert haben, wo wir aber deutlich machen konnten (und ich finde, das ist eine Botschaft, die hängengeblieben ist): dass wir auch dort, wo Kirche nicht mehr gesamtgesellschaftlich oder vermutlich nie wirklich gesamtgesellschaftlich verankert war, Öffentlichkeit erzeugen können, in der wir sichtbar werden und klare, auch politische Botschaften aussenden können.
Jetzt sind wir hier in Würzburg; und was ich in der Vorbereitungszeit immer wieder deutlich erlebt habe, ist: Hier gibt es weiterhin den gelebten Katholizismus in den Verbänden, in den Gemeinden, auf der Diözesanebene. Und deswegen muss man hier ganz klar die Botschaft ausgeben, dass wir diesen Katholizismus nicht nur als nostalgischen Rückblick verwenden dürfen, sondern eben hier markieren müssen, dass das die Gegenwart ist und dass uns das die Energie gibt, um auch zukünftig Kirche und Politik mitzugestalten.“
Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Wie sieht die Halbzeitbilanz in Zahlen ausgedrückt aus? Besucher, Tickets…
„Die wichtigste Zahl ist 100 Prozent Energie! Also, alle haben hier wahnsinnig große Freude, dabei zu sein. Ich merke, dass die Stimmung grundsätzlich gut ist, aber ich will der Frage nicht ausweichen. Wir haben als Ziel ausgegeben, dass wir auf 30.000 verkaufte Tickets kommen und genauso viele Menschen erreichen wollen mit unserem kostenlosen Angebot. Die Kirchenmeile ist für jeden kostenlos erreichbar, genauso unsere Gottesdienste und das Outdoor-Programm. Doch die Gesamtbilanz können wir tatsächlich erst am Sonntag ziehen – auch weil es einen dezentralen Ticketverkauf gibt, und da müssen uns erst einmal die Zahlen gemeldet werden.“
Was wünschen Sie sich, am Sonntagmittag um 12:00 sagen zu können?
„Der Punkt, der für mich als Organisator am wichtigsten ist: Es war ein sicherer Katholikentag, bei dem nichts passiert ist. Das würde ich mir am ehesten wünschen. Und ich wünsche mir, dass aus unserem jetzigen Leitwort, der ein Zweiklang ist, ein Dreiklang wird. ‚Hab Mut, steh auf‘ – und ziehe los! Denn ab Montag müssen wir mit dieser Energie, die wir hier aktiviert haben, zurück in unseren Alltag, und dort muss man genau diesen Mut aufbringen, den wir hier aktivieren wollen, um wieder die Familie, das Berufsumfeld, aber auch den größeren Kontext mitzugestalten.
Mit Marc Frings (ZdK) sprach Birgit Pottler.
(vatican news)
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