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Holocaust-Gedenktag in Tschechien Holocaust-Gedenktag in Tschechien  (ANSA)

Tschechien: Versöhnung einer gespaltenen Gesellschaft

Das Jahr 2026 wurde von Erzbischof Stanislav Přibyl, Apostolischer Administrator von Litoměřice, zum „Jahr der Versöhnung“ ausgerufen. Bei einem ökumenischen Treffen am 9. Mai im ehemaligen NS-Konzentrationslager Theresienstadt erinnerte er daran, dass es Versöhnung auch dort geben müsse, „wo sie nicht angebracht erscheint.“

Das ökumenische Treffen am 9. Mai war die fünfte Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums der Versöhnung, das die noch offenen Wunden des Zweiten Weltkriegs heilen soll. Das Treffen fand in der Auferstehungskirche des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt statt.  

Keine Ausnahmen bei der Versöhnung

„Das Jahr der Versöhnung hat sich als Zeichen der Zeit erwiesen. Schauen Sie sich an, was in der Politik geschieht“, sagte Stanislav. Der ehemalige Bischof des Bistums Litoměřice und heutige Erzbischof betont: „Wenn wir dunkle Zeiten durchleben, greifen wir zu Drohungen, zählen Menschen als Zahlen in einer Statistik und schaffen unsere eigene Gerechtigkeit“. Laut ihm dürften Tragödien des Hasses nicht auf bloße Statistiken reduziert werden. Es gehe nicht darum zu messen, „wie viele Menschen während und nach dem Krieg gestorben sind“. Denn, „wenn ein Mensch stirbt, stirbt die ganze Welt.“

Er erinnerte daran, wie wichtig es sei, Vergebung und Versöhnung „immer wieder zu verkünden“. Und zwar auch „unabhängig von verschiedenen Umständen oder ob es in den Augen anderer angebracht erscheint oder nicht“. Der tschechische Erzbischof hob hervor: „Jesus möchte nicht, dass wir Ausnahmen bei der Versöhnung machen. Etwa wenn wir sagen: ‚Ich vergebe dir, aber nur bis zu diesem einem Punkt‘“.

Bei dem Treffen in Theresienstadt waren Vertreter verschiedener Konfessionen vor Ort. Im Anschluss an die Predigt wurde auf Tschechisch und Deutsch das Vaterunser gebetet. Die Priester der unterschiedlichen Konfessionen beteten auch für die Harmonie zwischen den Nationen, für die vom Krieg betroffenen Gebiete, die Versöhnung einer gespaltenen Gesellschaft durch Demut und für alle, die in Theresienstadt gelitten haben. Zum Abschluss wurde das Te Deum gesungen.

Offene Veranstaltungen

Am 8. Mai wird in der Tschechischen Republik ein Nationalfeiertag begangen, um die Befreiung von der NS-Besatzung zu feiern. Jeden Monat im Jahr 2026 findet eine offene Veranstaltung für alle statt, etwa ein Gebet, eine Messe oder eine Wallfahrt. Bei diesen Ereignissen stehen die ausgewählten Orte in Verbindung mit den Gräueltaten und der Gewalt während und nach dem Krieg.

Die erste Veranstaltung zum Auftakt des Heiligen Jahrs des Bistums Litoměřice fand am 13. Januar statt. Dort wurde der wundersamen Heilung der Waise Magdalena Kade nach einer angeblichen Marienerscheinung im Jahre 1866 gedacht. Ebenfalls hervorgehoben wurde die Gründung der Ackermann-Gemeinde im Jahr 1946, einer katholischen Versöhnungsgruppe, die von vertriebenen Deutschen gegründet wurde.

Die nächste Veranstaltung, eine Wallfahrt von Postoloprty nach Žatec, ist für den 3. Juni geplant.

Das Konzentrationslager Theresienstadt

1941 wurde das Ghetto Theresienstadt (Terezín) errichtet. In diesem Durchgangslager starben während der NS-Besatzung bis zu 35.000 Menschen aufgrund von entsetzlichen Lebensbedingungen. Etwa 140.000 Juden wurden auf dem Weg in andere Konzentrationslager dorthin deportiert. Heute erinnert in der heutigen Tschechischen Republik ein Museum an diese Gräueltaten.

Innerhalb der Festungsmauern befand sich von 1945 bis 1948 auch ein Internierungslager für Deutsche. Einige wurden in andere Lager oder Gefängnisse verlegt, doch mehr als 500 starben dort. 1938 annektierte Nazi-Deutschland das Sudetenland, die mehrheitlich deutschstämmige Region der Tschechoslowakei. Dort wurde das Protektorat Böhmen und Mähren errichtet. Nach der deutschen Niederlage wies die Tschechoslowakei zwischen 1945 und 1946 etwa drei Millionen Deutsche aus, die vorwiegend aus dem Sudetenland kamen. Diese Region gehört heute zum Bistum Litoměřice.

Aktuell gibt es heftige politische Diskussionen in dieser Region. Die Regierungkoalition fordert eine Absage des geplanten Kongresses der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Brünn. Die Veranstalter halten allerdings an dem erstmals in Tschechien stattfindenden Treffen fest.

(fides – nm)

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18. Mai 2026, 11:03