Einsatzkräfte am Tatort in Leipzig Einsatzkräfte am Tatort in Leipzig  (ANSA)

Amokfahrt in Leipzig: Im Gebet bei den Betroffenen

Nach der Amokfahrt eines Autofahrers in der Leipziger Innenstadt hat der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, seine Nähe zu den Betroffenen ausgedrückt. Er sei „in Gedanken und im Gebet bei den Opfern und allen, die dieses Geschehen miterleben mussten”, so der Bischof auf der Webseite des Bistums. Am frühen Abend gedachten in der Nikolaikirche zahlreiche Menschen der Opfer und Angehörigen bei einem Gottesdienst.

Zeitweise war die Opferzahl unklar. Medienberichten zufolge gebe es neben den Todesopfern allerdings weitere Schwerverletzte.

Er stehe mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort in Leipzig in Kontakt, so der Bischof von Dresden-Meißen, zu dessen Diözese Leipzig gehört. „In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken und im Gebet bei den Toten, den Verletzten und allen, die dieses Geschehen miterleben mussten“, erklärte Timmerevers auf der Bistumswebseite und über die sozialen Medien:

„Den Angehörigen und Freunden der Opfer wünsche ich Trost und Beistand. Allen Einsatzkräften sowie den Helferinnen und Helfern in den Kliniken danke ich für ihren Dienst und bitte für sie um Kraft.“

Abschließend versicherte der Bischof die Betroffenen seines Gebets:

„Ich bete: Gott sei Du allen nahe, die trauern, bangen und helfen.“

Bischof Timmerevers zeigt Nähe und betet für Opfer und Angehörige

Entsetzen in der Politik - wohl Einzeltäter*

Nachdem der Tathergang und die Opferzahl zunächst unklar waren, sprechen Behördenvertreter mittlerweile von einer „Amokfahrt“. Am frühen Montagabend war ein 33-jähriger Mann mit einem Auto vom Augustusplatz mehrere Hundert Meter durch die Fußgängerzone bis zum Thomaskirchhof gerast. Dabei starben eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann. Unter den sechs Verletzten sind laut Polizei zwei Schwerverletzte. Mehr als 80 weitere Menschen seien aufgrund der Eindrücke des Erlebten betreut worden. Den Fahrer konnten die Einsatzkräfte unmittelbar nach der Tat festnehmen. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Mordes und versuchten Mordes. Angaben vom Dienstag zufolge handelt es sich wohl um einen Einzeltäter mit deutscher Staatsbürgerschaft. Nach bisherigen Erkenntnissen gehen die Behörden nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus. Der Tatverdächtige habe keine Vorstrafen, sei aber dieses Jahr polizeilich wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld in Erscheinung getreten. Im Zuge dessen sei er am 17. April in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus aufgenommen und dort bis zum 29. April behandelt worden.

Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte am Montagabend bei einer kurzen Pressekonferenz über die vorläufigen Erkenntnisse informiert. Drei Menschen seien schwer verletzt worden. Zudem gebe „viele weitere“ Verletzte. Der Vorfall hatte sich in der Fußgängerzone in der Innenstadt ereignet. Das Auto sei mit hoher Geschwindigkeit durch die Grimmaische Straße in der Nähe der Universität sowie der Leipziger Nikolaikirche gefahren, so Medienberichte unter Berufung auf Augenzeugen.

Einsatzkräfte in Leipzig
Einsatzkräfte in Leipzig   (AFP or licensors)

Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme betroffen: „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung. So eine Tat macht uns sprachlos - und sie macht uns entschlossen“, so der Politiker, der eine rasche und vollständige Aufklärung des Vorfalls versprach: „Der Rechtsstaat wird mit aller Konsequenz handeln.“ Jetzt werde es darum gehen, füreinander da zu sein.

Leipzigs Oberbürgermeister Jung war eigener Aussage nach fassungslos. Es fehlten ihm „die richtigen Worte“ zu dem Geschehen. Ausdrücklich dankten sowohl der Oberbürgermeister als auch Innenminister Schuster denjenigen, die vor Ort schnell und umsichtig geholfen hätten.

Nach Polizeiangaben wurde im Leipziger Gewandhaus eine Betreuungsstelle eingerichtet. Sie stehe für Betroffene ebenso wie für Zeugen zur Verfügung. Die Leipziger Nikolaikirche, die sich in unmittelbarer Nähe zum Tatort befindet, war für Gebete und Gespräche geöffnet.

Gedenkgottesdienst in der evangelischen Nikolaikirche*

Am Dienstag um 17 Uhr gab es einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der evangelischen Nikolaikirche. Dort konnten Trauer und Mitgefühl geteilt und gemeinsam gebetet werden.  Zu Beginn sprach der Leipziger Superintendent Sebastian Feydt zu den Versammelten, unter ihnen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Innenminister Armin Schuster (CDU). Feydt zufolge zeichnet es Leipzig aus, dass man zueinander halte. Der weltberühmte Thomanerchor untermalte das Gedenken musikalisch.

Drei Augenzeugen der mutmaßlichen Amokfahrt berichteten bewegt im Gottesdienst von ihren Eindrücken des Vorabends und beteten für Zusammenhalt. Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz und der katholische Bischof Heinrich-Timmerevers sowie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigten sich betroffen.

Hunderte Menschen beim Gedenken

Bereits am Dienstagmittag hatte eine Gedenkandacht in der Universitätskirche am Augustusplatz mit hunderten Teilnehmenden stattgefunden. Die Innenstadtkirchen bieten seit gestern Abend Raum zum Trauern, für Gespräche und um Kerzen anzuzünden.

*Ergänzt/aktualisiert am 5.5. um 17 Uhr

(pm/mdr/kap/kna/vatican news - cs/sst)

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04. Mai 2026, 21:08