Stetter-Karp zum Katholikentag: „Alle sollten sich einbringen können“

Der 104. Katholikentag in Würzburg ist am Sonntag zu Ende gegangen. Die Resonanz auf das Treffen übertraf die Erwartungen, allein 34.000 Tickets wurden für die katholische Großveranstaltung verkauft, rund 40.000 Menschen besuchten die frei zugänglichen Angebote. Wir sprachen mit ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp.

Der Katholikentag geht zu Ende. Wollen Sie ein erstes Resümee mit uns teilen?

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp: „Wir sind überglücklich, dass wir seit Stuttgart eine Steigerung der Teilnehmenden-Zahlen haben. Das zeigt uns: Wir können als Glaubensgemeinschaft Strahlkraft entwickeln. Wir hatten außerordentlich wichtige Gäste hier beim Katholikentag, eben nicht nur den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler, sondern auch mehrere Regierungsmitglieder. Wir hatten ein sehr buntes Programm mit 900 Veranstaltungen, und dieses Mal auch die größte Kirchenmeile, nämlich mit über 300 Organisationen, die sich beteiligt haben, im ganzen Spektrum von ,relativ konservativ' bis ,hin zur anderen Seite'. Das war uns auch wichtig, dass die, die dabei sein wollten, sich mit ihrem Programm und mit ihren Zielen einbringen können.

Und das Wichtigste ist, glaube ich, dass hier trotz des trüben Wetters eine unwahrscheinlich gute Stimmung herrschte. Das konnte ich überall wahrnehmen, ob nun informell, auf den Straßen, in den Gottesdiensten... Es ist einfach eine Stimmung, die sagt: Wir als Christen - erstens sind wir viele, und dann haben wir gemeinsam eine Zeitdiagnose, wir versuchen zu handeln und uns nicht zu verstecken. Wir wollen miteinander feiern, und das tun wir hier. Und das wollen wir mitnehmen, auch als Schwung in unsere Gemeinden, in unsere Arbeit. Dort, wo wir täglich sind. Beispielsweise habe ich hier einen großen Gottesdienst erlebt, den die Malteser gemeinsam mit dem Bonifatiuswerk organisiert haben. Und da merkt man einfach, da ist eine Strahlkraft da und das kann mich nur freuen!“

Das Motto des Katholikentags ist ,Hab Mut, Steh auf!' Was sollte denn jetzt, wenn die vielen Teilnehmenden nach Hause zurückgehen, passieren?

Stetter-Karp: „Ich wünsche mir, dass das, was ich hier erleben konnte, nämlich einen respektvollen Umgang in der Diskussion und in einem Diskurs, das Aushalten von anderen Meinungen, nicht aggressiv werden, sich zuhören, einander zuhören. Das klingt so grundlegend, aber es erfordert natürlich auch Anstrengung. Das habe ich hier allerorten erlebt. Und ich wünsche mir sehr, dass diejenigen, die heimkommen, sagen: Hey, das geht miteinander, lasst uns das ausprobieren. Und miteinander können wir vielleicht auch einen Schritt dort verändern, wo es nötig ist."

Sie haben es angesprochen, viele hochrangige Gäste waren hier. Einer der Gäste war Kardinal Grech aus Rom. Sie hatten auch Gelegenheit, am Samstagmorgen ausgiebig mit ihm zu sprechen. Was ist Ihr Eindruck aus dem Gespräch?

Stetter-Karp: „Es war ein sehr gutes, offenes Gespräch mit wechselseitiger Zuwendung - und ich würde mich sehr freuen, wenn es eine Fortsetzung dieser Gespräche gäbe.“

Der nächste Katholikentag ist ja in Paderborn. Was wünschen Sie sich jetzt schon mit Blick auf die nächsten zwei Jahre, was bis Paderborn geschehen sollte?

Stetter-Karp: „Niemand von uns, auch ich nicht, weiß, was 2028 sein wird. Wir haben die Zukunft nicht in der Hand. Und wir sind in Deutschland durchaus in einer prekären politischen Lage. Wir wissen nicht, ob die Demokratie standfest genug sein wird, ob die notwendigen Reformen auch geleistet werden. Insofern finde ich es sehr schwierig, für Paderborn zu sagen, was sein wird.

Aber ich kann sagen, was wir anstrengen. Wir wünschen uns natürlich, dass wir weiterhin eine große Zahl von Christen mit diesem Format erreichen können, weil wir glauben, wir brauchen eine Bestärkung in unserem Glauben. Und da besteht eine große Gemeinschaft, ein Gemeinschaftserlebnis - Communio sagen wir. Das ist natürlich einfach eine gute Chance.“

Vielen Dank.

Stetter-Karp: „Gerne.“

Die Fragen stellte Christine Seuss

(vatican news - cs)

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17. Mai 2026, 12:47