Bischof Gerhard Feige Magdeburg Bischof Gerhard Feige Magdeburg 

Bischof Feige: „Demokratie setzt auch Demokraten voraus“

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat einen direkten Kontakt zu AfD-Vertretern in Sachsen-Anhalt ausgeschlossen. Im Gespräch mit Radio Vatikan beim Deutschen Katholikentag zeigte sich Feige besorgt über Kräfte in der deutschen Gesellschaft, „die Demokratie destabilisieren wollen“.

Anne Preckel / Christine Seuss – Vatikanstadt / Würzburg

Eine absolute Mehrheit für die AfD bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt Anfang September kann laut aktuellen Umfragen nicht ausgeschlossen werden. Bereits jetzt kündigte die Partei durchgreifende Maßnahmen im Falle eines Wahlsieges an.

Bischof Gerhard Feige warnt schon lange vor der Wahl der Partei, die er als Gefahr für freiheitliche Demokratie, für Pluralismus, Toleranz und auch „die Religionsfreiheit, wie wir sie kennen“, sieht. Beim Würzburger Katholikentag begründet er, warum er den Dialog mit der Partei als schwierig sieht.

Zersetzende Kräfte

„Eine Demokratie setzt auch Demokraten voraus. Es gibt Leute, die demokratisch gewählt worden sind in einer demokratischen Wahl, aber nicht demokratisch denken und handeln. Die Demokratie hat ein Selbstzerstörungspotenzial in sich - und das kann genutzt werden. Das ist die große Sorge, dass es Kräfte gibt in unserer Gesellschaft, die sie destabilisieren wollen. Da ist es sehr schwierig, das Gespräch mit Vertretern einer Partei zu suchen, die dezidiert kirchenfeindlich sich verhält und agiert. So jedenfalls in Sachsen-Anhalt - die uns diffamiert, die uns lächerlich macht als Kirchen.“

Bischof Feige versichert, er suche das Gespräch mit der Bevölkerung. Ein direkter Austausch mit AfD-Vertretern sei aber nicht möglich.

„Wir werden versuchen, das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen, auch mit Leuten, die sie (die AfD, Anm. d. Red.) eventuell wählen. Aber einen direkten Kontakt zu Vertretern dieser Partei werden wir in Sachsen-Anhalt nicht haben. Wir müssen sehen, wie die Wahlen ausgehen, in welcher Situation wir uns als Kirchen positionieren und mit welchen Problemen wir zu rechnen haben. Jedenfalls ist das AfD-Regierungsprogramm, das auch beschlossen ist, eine klare Ansage, die Kirchen zu bekämpfen.“

Bischof Feige über die AfD im Audio

Geprägt von Diktatur-Erfahrung

Auch vor Hintergrund seiner eigenen autobiografischen Erfahrungen hat Bischof Feige eine klare Position, was die AfD angeht. Der gebürtige Hallenser wuchs in der DDR auf und empfing dort auch seine Priesterweihe.

„Ich habe die Erfahrung, 40 Jahre in einem System gelebt zu haben, das quasi eine Diktatur war, kirchenfeindlich, religionsfeindlich. Und von daher - ich hätte nie damit gerechnet, dass so etwas mal wieder auf uns zukommt. Aber ich hoffe noch, wenn sich zwar die politischen Verhältnisse in unserem Bundesland ändern, wir leben ja immerhin noch in der großen Bundesrepublik Deutschland - dass das irgendwie ausgeglichen werden kann und eventuell also doch für uns noch relativ gut ausgehen kann.“

Bischof Feige (rechts) beim Katholikentag. Interview: Christine Seuss
Bischof Feige (rechts) beim Katholikentag. Interview: Christine Seuss

Im Interview mit Radio Vatikan äußerte sich der Bischof in Würzburg auch zu Fragen der Ökumene. Nachzuhören in unserem Podcast. Die Fragen stelle Christine Seuss, derzeit in Würzburg.

Hier das ganze Interview mit Bischof Feige (Fragen: Seuss, Radio Vatikan)

(vatican news – pr)

 

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15. Mai 2026, 12:51