Schweiz: Bischöfe fördern psychologische Tests und Strafgericht
Mario Galgano - Vatikanstadt
Inmitten einer politisch angespannten Weltlage drückten die Bischöfe ihre tiefe Besorgnis über den Krieg im Iran aus. In einem feierlichen Gebet in der Basilika der Abtei Saint-Maurice schlossen sie sich dem Appell von Papst Leo XIV. an. Dieser mahnte, die moralische Verantwortung zu übernehmen, um die „Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwindbaren Abgrund wird“. Die SBK forderte die Einhaltung völkerrechtlicher Standards und eine Rückkehr zu ernsthaften diplomatischen Bemühungen.
Meilenstein in der Missbrauchsprävention
Ein zentraler Punkt der Versammlung war die Weiterführung und rechtliche Verankerung präventiver Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch. Die im Frühjahr 2025 eingeführten psychologischen Eignungstests (Assessments) für angehende Seelsorgende haben sich laut SBK bewährt. Einstimmig wurden nun die detaillierten Ausführungsbestimmungen verabschiedet.
Diese regeln unter anderem die Zuständigkeiten. Das heißt, die Bischöfe bleiben für die Ausbildung verantwortlich, verpflichten sich aber, den Kirchgemeinden (als Arbeitgebern) relevante Informationen über den Erfolg des Assessments zukommen zu lassen. Ebenso soll ein zentrales Register erstellt werden. Konkret soll das Generalsekretariat der SBK künftig ein schweizweites Verzeichnis aller Personen führen, die ein Assessment absolviert haben, um die Transparenz bei Stellenwechseln zwischen Diözesen und Orden zu erhöhen.
Nationales Strafgericht vor dem Start
Ein weiterer struktureller Durchbruch wurde beim Thema Kirchenrecht erzielt: Die Statuten für das künftige nationale Strafgericht wurden von den Bischöfen unterzeichnet. Das Dokument liegt nun zur endgültigen Genehmigung bei der Apostolischen Signatur in Rom. Ziel ist es, dass das Gericht noch vor Ende des Jahres 2026 arbeitsfähig ist, um kirchliche Strafverfahren effizienter und transparenter zu gestalten.
Blick über die Grenzen: Kolumbien und klösterliche Produktion
Neben der Diskussion über nationale Themen empfing die SBK auch Gäste der „Fastenaktion“ aus Kolumbien. Yolima Salazar Higuera und Angela Gonzalez berichteten eindrücklich von der prekären Lage in ihrer Heimat, wo ein Prozent der Bevölkerung über ein Drittel des Nationalreichtums besitzt. Die Bischöfe sicherten Unterstützung für Projekte zu, die auf Ernährungssouveränität und den Erhalt traditionellen Saatguts setzen.
Auch ein praktisches Thema der Liturgie fand Eingang in die Beratungen: Die Bischöfe sprachen sich dezidiert für den Bezug von Hostien aus nationaler Produktion aus. Um die wirtschaftlich unter Druck stehenden Schweizer Frauengemeinschaften zu unterstützen, wird bis zum 1. April eine aktualisierte Übersicht der klösterlichen Hostienbäckereien veröffentlicht.
Dialog auf allen Ebenen
Die Versammlung war geprägt von zahlreichen Begegnungen, unter anderem mit dem Apostolischen Nuntius Martin Krebs sowie den Spitzenvertretern der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ). Auch die diözesanen Kommunikationsverantwortlichen waren geladen, um die Abstimmung zwischen der nationalen Ebene und den Regionen zu verbessern. Es wurde deutlich, dass die Kirche in der Schweiz verstärkt auf Vernetzung und eine einheitliche Sprache setzt, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen.
(pm)
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