D: Schweizer Jesuit Christian Rutishauser in Köln geehrt
Pater Rutishauser gilt als einer der profiliertesten katholischen Vertreter im christlich-jüdischen Dialog weltweit. Die Auszeichnung, die jährlich an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen wird, die sich um die jüdisch-christliche Verständigung verdient gemacht haben, unterstreicht seine Rolle als führender Vordenker in Europa und im Heiligen Land.
Ein Lebensthema zwischen Liturgie und Realpolitik
Für Rutishauser beginnt der Dialog bereits am Sonntagmorgen in der Kirche. „Jeden Sonntag begegnen die Gläubigen in den liturgischen Texten Pharisäern, Schriftgelehrten und Juden“, erklärt der Jesuit. Er fordert daher leidenschaftlich die Arbeit an einem „positiven Verständnis des biblischen Judentums“.
Dass seine Verbindung zum Heiligen Land weit über das Akademische hinausgeht, bewies er unter anderem durch eine außergewöhnliche Pilgerreise: In sieben Monaten wanderte er zu Fuß von der Schweiz nach Jerusalem. Seit mehr als drei Jahrzehnten reist er regelmäßig in die Region, um den direkten Kontakt zu pflegen.
Dialog als Mittel gegen Antisemitismus
Die Nachricht von der Auszeichnung erreichte Rutishauser überraschend, wie er betont: „Ich freue mich darüber, weil es eine Anerkennung für meine Arbeit ist.“ Doch die Freude ist in diesen Zeiten von Ernsthaftigkeit überschattet. Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 sieht der Jesuit seinen Einsatz verstärkt als notwendigen „Beitrag zur Überwindung von Gewalt“.
Zentrale Aufgabe des jüdisch-christlichen Dialogs sei es heute mehr denn je, dem erstarkenden Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Dabei nimmt er auch die eigene Glaubensgemeinschaft in die Pflicht.
Identität ohne Abgrenzung
Rutishauser stellt eine für die Kirche unbequeme, aber notwendige Frage: „Wie kann sich das Christentum positiv formulieren und Identität herausbilden, ohne das auf Kosten des Judentums zu tun – anders als es durch viele Jahrhunderte hindurch geschehen ist?“
Für ihn ist die Verbundenheit zum Judentum immanenter Bestandteil des christlichen Selbstverständnisses. „Aus christlicher Perspektive darf das Judentum kein ‚Nice to have‘ sein“, stellt er klar. Wer den Bund Gottes mit dem jüdischen Volk ernst nehme, sei verpflichtet, diese Beziehung als unauflöslich zu betrachten.
Zur Person: Pater Christian Rutishauser SJ
Der Jesuit Christian Rutishauser hat den Dialog auf höchster Ebene geprägt. Seit 2004 ist er Mitglied der Gesprächskommissionen der Schweizerischen und seit 2012 auch der Deutschen Bischofskonferenz. Als ständiger Berater des Heiligen Stuhls bringt er seine Expertise seit über zehn Jahren in die vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum ein. Seit Sommer 2024 lehrt er zudem als Professor für Judaistik und Theologie an der Universität Luzern.
(pm - mg)
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