D: Mahnmal zur sexualisierten Gewalt im Erzbistum Paderborn
Das interaktive Kunstwerk mit dem Titel „memory – AUFDECKEN + ERINNERN“ befindet sich in der Brigidenkapelle des Hohen Doms und soll fortan als steter „Reminder“ für die Verantwortung der Kirche fungieren.
Erzbischof Udo Markus Bentz fand bei der Vorstellung deutliche Worte für das Versagen der Institution in der Vergangenheit. Kinder und Jugendliche hätten durch kirchliche Mitarbeiter Gewalt erfahren, „ihnen wurde nicht geglaubt. Verantwortung wurde nicht übernommen, wo sie hätte übernommen werden müssen“, so der Erzbischof. Dass das Mahnmal nun einen zentralen Platz im Dom gefunden habe, sei eine bewusste Entscheidung: „Nicht irgendwo, sondern hier – in der Mitte des Erzbistums.“
Interaktives Gedenken: Die Wahrheit hinter den Feldern
Das vom Münchner Künstler Christoph Brech gestaltete Mahnmal bricht mit der Tradition statischer Denkmäler. Es besteht aus einem Tisch mit 25 quadratischen, drehbaren Feldern – optisch angelehnt an das bekannte Spiel „Memory“. Während die Vorderseiten einheitlich gestaltet sind, verbergen sich auf den Rückseiten individuelle Perspektiven von Betroffenen: Texte, Fotos, Collagen und Bilder.
„Diese Felder sind austauschbar“, erklärte der Künstler Christoph Brech. Da die Aufarbeitung ein andauernder Prozess sei, könne das Mahnmal jederzeit durch neue Erinnerungen ergänzt werden. Es ist ein Werk, das die Betrachter zur aktiven Auseinandersetzung zwingt: Wer die Wahrheit sehen will, muss ein Feld umdrehen und das Schicksal dahinter „aufdecken“.
Die Brigidenkapelle als „Zwischen-Ort“
Dompropst Joachim Göbel hob die Bedeutung des Standortes hervor. Die Brigidenkapelle sei ein „Zwischen-Ort“ zwischen dem öffentlichen Domplatz und dem sakralen Innenraum. Täglich passieren viele Menschen, darunter auch die Mitglieder der Domchöre, diesen Raum. Gerade mit Blick auf die Geschichte des Domchores, der in der Vergangenheit „nicht immer für alle ein sicherer Ort“ gewesen sei, diene das Mahnmal als notwendige Mahnung, Regeln und Schulungen in eine gelebte Haltung des Respekts zu überführen.
Ein Meilenstein der Kooperation
Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung, lobte die Zusammenarbeit bei der Entstehung des Mahnmals. Der Prozess habe bereits mit den Hinweisschildern an den Grablegen der früheren Erzbischöfe Jaeger und Degenhardt in der Krypta begonnen und sei nun „Hand in Hand“ zu Ende geführt worden. Das Mahnmal erfülle den Wunsch der Betroffenen, endlich „Licht ins Dunkel“ zu bringen.
Erzbischof Bentz, der die Aufarbeitung seit seinem Amtsantritt 2024 zur Priorität erklärt hat, sieht in dem Gedenkort keinen Schlusspunkt: „Das Mahnmal erinnert uns als bleibendes Zeichen daran, dass Verantwortung nicht endet, sondern weitergegeben wird. Sie liegt jetzt bei uns.“ Auch Generalvikar Michael Bredeck betonte den gemeinsamen Weg von Bistumsleitung und Betroffenenvertretung während des anderthalbjährigen Entstehungsprozesses.
(pm - mg)
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