Berg Tabor, Heiliges Land Berg Tabor, Heiliges Land  (@ Sr. Amata J. Nowaszewska CSFN)

Unser Sonntag: Der Altar als Berg Tabor und als Berg Golgotha

In der Betrachtung zum 2. Fastensonntag von Dr. Markus Hofmann geht es um die überraschende und stärkende Erfahrung der Nähe Gottes – aber auch die Verbindung zu Kreuz und Leiden. Wenn wir bereit sind aus Liebe zu leiden, dann gewinnt auch jedes unserer kleinen und großen Opfer durch die Verbindung mit dem Liebesleiden Jesu Ewigkeitswert.

Dr. Markus Hofmann

2. Fastensonntag A 

Mt 17, 1–9

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der erste Satz des heutigen Evangeliums klingt weniger bedeutsam, als er ist:
„Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.“
Jesus nimmt diese drei Apostel also heraus aus der Gruppe der 12 und nimmt sie mit auf einen hohen Berg, dessen Namen in den Evangelien nicht genannt wird.

Hier zum Nachhören

In der kirchlichen Tradition ist dieser Berg der 588 m hohe Tabor, der sich in Galiläa majestätisch mitten aus einer weiten Ebene erhebt und auf seiner Spitze ein großes Plateau bietet, auf dem heute eine Kirche steht.Dass der Berg in den Evangelien und auch im 2. Petrusbrief, wo der Apostel die Verklärung ebenfalls erwähnt, keinen Namen hat, weist darauf hin, dass für ihn gilt, was auch für andere Berge der Hl. Schrift zutrifft:

Gott teilt sich immer wieder auf einem Berg mit

Immer wieder wird im Alten wie im Neuen Testament berichtet, dass Gott sich auf einem Berg in besonderer Weise mitgeteilt hat:
Wir kennen den Berg Morija, auf den Abraham der Weisung Gottes gemäß seinen Sohn Isaak führt – und dann doch nicht opfern muss. – Später baute König Salomo genau dort den Tempel von Jerusalem, den König Herodes erweiterte und in dem Jesus gepredigt hat. Heute steht dort der Felsendom mit der goldenen Kuppel. Mose begegnet auf dem Gottesberg Horeb, der auch Sinai genannt wird, im brennenden Dornbusch Gott, dem Herrn.

„Auf den Berg der Verklärung führt Jesus bewusst jene drei Apostel, die ihm am Fuße des Ölbergs im Garten Getsemani in der Stunde seines Leidens am nächsten sein werden.“

Bei dieser Begegnung erhält Mose den Auftrag, das Volk Israel im Namen Gottes aus der Knechtschaft in Ägypten zu befreien.
Später gibt Gott dem Mose auf diesem Berg die zehn Gebote und schließt seinen Bund mit dem Volk Israel – das nach der Anbetung des Goldenen Kalbes Buße getan hat. Der Prophet Elija darf später an eben diesem Horeb die Nähe Gottes in einer Weise erfahren, die ihm die nötige Kraft zur Vollendung seiner Mission für das Volk Israel gibt. Auf den Berg der Verklärung führt Jesus bewusst jene drei Apostel, die ihm am Fuße des Ölbergs im Garten Getsemani in der Stunde seines Leidens am nächsten sein werden.
Auf dem Gipfel des Ölbergs wird dann der Auferstandene vor den Augen der Apostel - ähnlich wie bei der Verklärung – von einer Wolke umhüllt und in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.

Nähe Gottes - Kreuz und Leiden

Zwei Aspekte finden wir immer wieder in diesen Ereignissen:
Die überraschende und stärkende Erfahrung der Nähe Gottes –
aber auch die Verbindung zu Kreuz und Leiden: Unmittelbar vor der Verklärung kündigt Jesus den Aposteln sein bevorstehendes Leiden und seinen Tod in Jerusalem an. Petrus will das nicht wahrhaben – und muss die überaus harten Worte hören: „Weiche von mir Satan! – Denn du denkst Gedanken der Menschen, nicht Gedanken Gottes!“

Vorbereitung auf die Erniedrigung

Auf dem Berg der Verklärung sind genau jene drei Apostel, die Jesus am Beginn seines Leidens besonders eng einbezieht. Sie werden bei der Verklärung Zeugen der göttlichen Herrlichkeit Jesu, um so gestärkt und vorbereitet zu sein auf die unfassbare Erniedrigung und das grausame Leiden Jesu.
Jesus spricht mit Mose und Elija – bei Lukas wird auch der Inhalt dieses Gesprächs gennant: wörtlich heißt es dort: sie sprachen über den Exodus – über den Weg Jesu aus dieser Welt hinaus – über seinen Übergang aus diesem Leben durch den Tod in das ewige Leben.
Bald nach der Verklärung beginnt für Jesus der Weg nach Jerusalem. Der Weg zum Ort seines Todes – auf dem Berg Golgotha, der Schädelhöhe.
Beim Hinuntergehen vom Berg der Verklärung spricht Jesus auch von dem, was die Apostel damals noch gar nicht verstehen konnten: von seiner Auferstehung.

Auch der Abendmahlssaal liegt auf einem Berg

Beides gehört zusammen: Tod und Auferstehung Jesu - Kreuz und offenes Grab – Die Erscheinungen des Auferstandenen sind ebenfalls mit einem Berg verbunden:
Der Abendmahlssaal liegt auf dem Berg Zion in Jerusalem – er ist das Obergemach – also der hochgelegene Raum des Hauses.
Der Auferstandene führt die Apostel und die ersten Christen auf den Ölberg, um dort von ihnen Abschied zu nehmen.
Hier wird er – von einer Wolke aufgenommen in die himmlische Herrlichkeit des Vaters.

Liebe Schwestern und Brüder,
vielleicht sagt der eine oder andere von uns: ich wäre auch gerne mit dabei gewesen auf dem Berg der Verklärung. Vielleicht denkt mancher auch:
„Ja, wenn ich Jesu göttliche Herrlichkeit so gesehen hätte wie Petrus, Jakobus und Johannes – dann würde es mir wesentlich leichter fallen, an Jesus Christus und seine Göttlichkeit zu glauben!“

„Die Herrlichkeit Gottes ist zu groß und zu überwältigend für unsere irdische Konstitution.“

Vorsicht! – Im Evangelium hörten wir, dass die Apostel vor Furcht und Schrecken zu Boden stürzten, als der Schatten der Wolke auf sie fiel, die die Gegenwart Gottes selbst anzeigte. Die Herrlichkeit Gottes ist zu groß und zu überwältigend für unsere irdische Konstitution.

Das ist der Grund, warum sich Jesus Christus in der demütigen Gestalt der hl. Hostie verhüllt, damit wir keine Angst zu haben brauchen, ihm nahe zu sein. Denn, liebe Schwestern und Brüder, auf dem Altar hier – und überall dort, wo das Kreuzesopfer Christi in der Feier der hl. Eucharistie vergegenwärtigt wird, überall dort sind wir Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen so nahe wie Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung.

Er ist uns in der Eucharistie nahe

Auch uns sagt die Stimme vom Himmel – bei der feierlichen Verkündigung des Evangeliums: „Das ist mein geliebter Sohn – auf ihn sollt ihr hören!“
Derselbe, der damals mit den drei Aposteln auf dem Berg war – Jesus Christus, der menschgewordene Gottessohn – ist hier gegenwärtig mit seiner liebenden Hingabe, mit der am Kreuz bis zum Ende aushielt – und mit seinem Sieg über Sünde, Tod und Teufel, mit dem er am Ostermorgen aus dem Grab auferstand.

Er lehrt uns – wie die Apostel: Kreuz und Auferstehung gehören zusammen.
Kein Sieg ohne vorherigen Kampf. 

„...wenn wir bereit sind aus Liebe zu leiden, dann gewinnt auch jedes unserer kleinen und großen Opfer durch die Verbindung mit dem Liebesleiden Jesu Ewigkeitswert“

Für uns alle gilt:
Wenn wir zur endgültigen Herrlichkeit mit Jesus Christus gelangen wollen, dann können wir das Leiden mit Christus, dann können wir das Kreuz nicht umgehen.
Aber wenn wir durch die hl. Kommunion mit dem Gekreuzigten vereint sind – nicht nur äußerlich, sondern wenn wir auch Anteil an seiner liebenden Hingabe nehmen: wenn wir bereit sind aus Liebe zu leiden, dann gewinnt auch jedes unserer kleinen und großen Opfer durch die Verbindung mit dem Liebesleiden Jesu Ewigkeitswert. – Bitten wir Jesus Christus: Öffne die Augen unseres Herzens und lass uns lernen, wie es in der heutigen Präfation heißt:
Dass wir durch das Leiden mit Dir, Christus, zur Auferstehung gelangen.

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
 

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28. Februar 2026, 09:22