Studenten in der Schweiz Studenten in der Schweiz  (ANSA)

Schweiz: Caritas fordert Kurswechsel bei Reichtum und Armut

Während die Schweiz international oft als Sinnbild für Wohlstand gilt, schlägt die Caritas Schweiz Alarm: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. In einer aktuellen Stellungnahme fordert das Hilfswerk, Armut und Reichtum nicht länger getrennt zu betrachten.

Die nackten Zahlen verdeutlichen eine massive Umverteilung von unten nach oben. Zwischen 1982 und 2021 haben die obersten 0,1 Prozent der Steuerzahler ihr Einkommen vervierfacht. Das oberste Prozent konnte seine Bezüge knapp verdreifachen. Im gleichen Zeitraum blieben die unteren 20 Prozent der Einkommen weit zurück – sie legten lediglich um das 2,5-fache zu.

Spitzenreiter bei der Ungleichheit

Noch gravierender zeigt sich die Situation bei den Vermögen. Hier gehört die Schweiz zur internationalen Spitze – allerdings im negativen Sinne für den sozialen Zusammenhalt: Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt 45 Prozent des gesamten Vermögens. Zum Vergleich: Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Wert bei lediglich 18 Prozent.

„Diese Konzentration nimmt weiter zu, während gleichzeitig die Hälfte der Erwachsenen kaum über Ersparnisse verfügt oder sogar verschuldet ist“, warnt das katholische Hilfswerk. Während oben Milliarden angehäuft werden, kämpft ein beachtlicher Teil der Bevölkerung am Existenzminimum.

Politische Weichenstellungen unter der Lupe

Die Caritas sieht in dieser Entwicklung eine klare politische Handschrift. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Vermögens- und Erbschaftssteuern sukzessive gesenkt. Diese Steuersenkungen führten oft zu Sparpaketen bei öffentlichen Ausgaben, die in der Regel die Ärmsten der Gesellschaft am härtesten treffen. „Armutsbekämpfung und eine zu starke Privilegierung von Reichtum sind nicht gleichzeitig möglich“, stellt das Hilfswerk klar.

Existenzsicherung statt privater Anhäufung

Ein Kernelement der Caritas-Forderung ist die Stärkung des Service Public. Wenn Grundbedürfnisse wie bezahlbarer Wohnraum, qualitativ hochwertige Bildung und eine erschwingliche Gesundheitsversorgung gesichert sind, sinkt der Zwang zur privaten Anhäufung riesiger Summen für Notfälle oder das Alter. Dies würde armutsgefährdeten Menschen helfen, gar nicht erst in die „Armutsfalle“ zu geraten.

Die Gesellschaft müsse eine Grundsatzdebatte führen, die über die reine Hilfe für Bedürftige hinausgeht. Es reiche nicht, nur über das „Zuwenig“ zu sprechen. „Wir müssen als Gesellschaft darüber sprechen, ob es neben einem ‚Zuwenig‘ auch ein ‚Zuviel‘ gibt“, bilanziert die Caritas. Nur wenn beide Seiten der Medaille beleuchtet werden, könne die Armut in der Schweiz nachhaltig bekämpft werden.

(caritas schweiz - mg)

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13. Februar 2026, 12:03