Bischof Emmanuel von Christoupolis ist griechisch-orthodoxer Geistlicher und Beauftragter der Orthodoxen Bischofskonferenz bei der deutschen Bundesregierung Bischof Emmanuel von Christoupolis ist griechisch-orthodoxer Geistlicher und Beauftragter der Orthodoxen Bischofskonferenz bei der deutschen Bundesregierung 

D: Orthodoxe Bischofskonferenz – Konflikte und Zusammenhalt

In Deutschland leben viele byzantinisch-orthodoxe Christen. Wie viele es genau sind, ist umstritten. Die Angaben schwanken zwischen einer und mehreren Millionen Gläubigen. Sie gehören der russischen, der griechischen, der serbischen, der bulgarischen, der rumänischen und der georgischen orthodoxen Kirche an. Diese verschiedenen autokephalen orthodoxen Kirchen haben sich in der Orthodoxen Bischofskonferenz (kurz OBKD) zusammengeschlossen.

Michael C. Hermann, Berlin

Die Organisation mit Sitz in Dortmund hat es seit Beginn des Ukraine-Krieges schwer, und dennoch wird der Zusammenhalt und die Zusammengehörigkeit von den Akteuren der OBKD beschworen. Michael Hermann hat sich mit Bischof Emmanuel von Christoupolis unterhalten. Der griechisch-orthodoxe Geistliche ist Vertreter der OBKD bei der deutschen Bundesregierung.

Dass man von den orthodoxen Kirchen, also im Plural, spricht, gefällt Bischof Emmanuel von Christoupolis überhaupt nicht. Es sei eine Kirche, mit einer Theologie, mit einem Ritus und einem Kirchenrecht. Der Singular sei also richtig. Es sei schmerzlich, dass der Konflikt um die Ukraine auch in die Orthodoxe Bischofskonferenz, also in die eine orthodoxe Kirche, hineingetragen wurde, sagt Bischof Emmanuel, der als Ioannis Sfiatkos in Duisburg geboren wurde. Die aktuelle Situation beschreibt er so: „Wie in jeder Familie gibt es viele, viele Mitglieder. Es gibt auch das eine oder andere Problem, die eine oder andere Hürde, die wir nehmen müssen. Aber wir sehen uns als eine Kirche, wir sind eine Gemeinschaft, vielfältig und doch eins.“

„Wie in jeder Familie gibt es viele, viele Mitglieder - es gibt auch das eine oder andere Problem...“

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Die russisch-orthodoxe Kirche ist in der Orthodoxen Bischofskonferenz nicht mehr vertreten, berichteten Medien, nachdem der Krieg in der Ukraine ausbrach. Das sei so nicht richtig, sagt Bischof Emmanuel: „Die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche hat den Bischöfen die Teilnahme untersagt, aber sie sind durch Beobachter vertreten, die ihre Meinung kundtun dürfen. Ich denke, das ist eine gute Lösung, ein guter Kompromiss, damit ihre Stimme weiterhin gehört wird.“

Die russisch-orthodoxe Kirche sei in den verschiedenen Gremien der OBKD also nach wie vor vertreten, aber nicht mehr durch deren Leitungen. Man lasse sich nicht auseinanderdividieren. Forderungen, dass sich die anderen orthodoxen Kirchen von der russisch-orthodoxen Kirche stärker distanzieren oder gar auf eine Mitwirkung ganz verzichten sollten, erteilt Emmanuel eine klare Absage und geht doch auf Distanz zu dem, was aus dem Moskauer Patriarchat verlautbart wird: „Wir sind der Meinung – und wenn ich „wir“ sage, dann meine ich die gesamte Orthodoxe Bischofskonferenz –, dass der Dialog nicht ab- oder unterbrochen werden darf. Es sind Meinungen geäußert worden, die über das hinausgehen, was wir als orthodoxe Tradition verstehen und sehen. Gleichwohl dürfen wir nicht unsere Hoffnung verlieren und unseren Glauben an Gott, der diese Probleme lösen kann, und wir Menschen dienen auch in diesem Rahmen. Deshalb ist der Dialog wichtig.“

„Nicht überall wird wahrgenommen, wie sehr sich die orthodoxe Kirche in dieses Land integriert hat“

Für nicht wenige russisch-orthodoxe Gemeinden und deren Gläubige in Deutschland sei die Situation sehr belastend geworden, sie seien Anfeindungen ausgesetzt. Bischof Emmanuel wirbt für Verständigung, Frieden und Solidarität: „Was ich aber tun kann, ist, mit Hoffnung an diesem Dienst zu wirken. Das tue ich.“

Der Vertreter der Orthodoxen bei der Bundesregierung fordert auch, dass die deutsche Politik die Orthodoxen besser hören solle: „Wir haben immer noch den Eindruck, dass an manchen Stellen nicht wahrgenommen wird, wie sehr sich die orthodoxe Kirche in dieses Land integriert hat und wie sie sich auch aktiv beteiligt an der Schaffung alldessen, was Gemeinwohl bedeutet. Es ist an der Zeit, dies anzuerkennen. Es ist eine Frage des Respekts Aber manchmal gibt es auch den Eindruck, dass wir ein Beiwerk sind, ein Schmuck, damit man vielleicht noch einen exotischen Akzent bei der ganzen Sache hat. “

(vatican news)


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25. Februar 2026, 11:05