Jahrestag: Schönborn mahnt zum Frieden am Gedenktag von Dresden
„Können wir nicht aus der Geschichte lernen? Ja, sehr viel! Wir müssen es uns nur zu eigen machen!“, schreibt Schönborn in seiner aktuellen Freitags-Kolumne für die Tageszeitung „Heute“. Der Kardinal hält sich derzeit in Dresden auf – jener Stadt, die in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 durch einen der verheerendsten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs fast vollständig ausgelöscht wurde.
Biografische Spuren: Drei Wochen alt beim Angriff
Die Verbindung Schönborns zu Dresden ist eine zutiefst persönliche. Sein Geburtsort Leitmeritz (Litoměřice), knapp hinter der heutigen tschechischen Grenze, liegt nur etwa 80 Kilometer entfernt. Als die 773 britischen Bomber ihre tödliche Last aus Spreng- und Brandbomben über der Stadt abwarfen, war der heutige Kardinal gerade einmal drei Wochen alt.
„Meine Mutter erzählte, man habe bis zu uns den feuerroten Himmel über Dresden gesehen“, erinnert sich Schönborn an die Berichte aus seinen ersten Lebenstagen. Damals versank das „Elbflorenz“ in Trümmern; tausende Menschen, darunter unzählige Flüchtlinge, verloren in den Flammen ihr Leben.
Dresden als Mahnmal gegen den „Wahnsinn des Krieges“
Dresden sei vor der Katastrophe eine der schönsten Städte Deutschlands gewesen, betont der Kardinal. Heute beeindruckt ihn der Wiederaufbau, der vielerorts das alte Antlitz der Stadt wiederhergestellt hat. Doch die prachtvolle Fassade dürfe nicht über die schmerzhafte Lektion hinwegtäuschen: „Nach dem Wiederaufbau von Dresden sah alles so aus, als hätten wir die Lehren gelernt, die der Wahnsinn des Krieges die Welt gelehrt hat.“
Für Schönborn fungiert die Stadt heute als universelle Gedenkstätte für alle Kriege der Menschheit. Sein Fazit ist so schlicht wie fordernd: „Nie wieder!“
Ein stilles Zeichen für Demokratie
In Dresden selbst wird der Jahrestag an diesem Freitag mit großer Anteilnahme begangen. Während die Glocken der Innenstadtkirchen läuten, verharren viele Bewohner in Stille an ihren offenen Fenstern. Ein zentrales Element des Gedenkens ist die kilometerlange Menschenkette, die sich um die Innenstadt schließt. Tausende Teilnehmer setzen damit ein Zeichen für Demokratie und gegen Krieg. Ausdrücklich verwehrt sich die Aktion gegen eine politische Instrumentalisierung des Gedenktages durch extremistische Gruppen.
(kap - mg)
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