Der scheidende Ministerpräsident Kretschmann Der scheidende Ministerpräsident Kretschmann 

D: „Säkulare Gesellschaft braucht die Kirchen“

Nach Einschätzung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) wächst gerade in der heutigen Zeit die Bedeutung der Kirchen.

„Gerade weil die Gesellschaft säkularer wird, braucht sie engagierte Christen“, sagte Kretschmann (77) am Samstag in Stuttgart. „Wir brauchen Kirchen, die die Gesellschaft in unseren Zeiten des Umbruchs begleiten, mit tiefgründigen Impulsen“, forderte er. Die Kirchen müssten einen klaren Wertekompass mit Lebensklugheit und konstruktiver Kritik verbinden.

„Nicht so wichtig nehmen“ sollten Christen hingegen ihre Differenzen mit anderen Christen. Reformen und Wandel gehörten zwar zum Wesenskern von Kirche. „Aber was wir jetzt nicht brauchen könnten, das wären Kirchen, die hadern, sich zerstreiten und im Klein-Klein verharren“, sagte der Katholik in einem Grußwort vor der neugewählten Synode der württembergischen evangelischen Landeskirche.


„Kirchen müssen auf Höhe der Zeit sein“

Die Kirchen erführen immer dann große Wertschätzung, wenn sie „auf der Höhe der Zeit“ seien und die Lebenswirklichkeit der Menschen genau kennen würden. Nur wenn die Kirchen die jeweilige Zeit „deuten können“, würden sie als sinnstiftend erfahren.

In kurzer Zeit habe sich in der Gesellschaft ein „gewaltiger Säkularisierungsschub“ vollzogen, sagte Kretschmann. Allein in den vergangenen rund 15 Jahren seiner Amtszeit als Ministerpräsident sei der Anteil der Christen in Baden-Württemberg von 70 auf 50 Prozent zurückgegangen.


„Wesentliches droht verloren zu gehen“

„Immer weniger Menschen ist bewusst, dass wir entscheidende gemeinsame Werte und Haltungen dem christlichen Glauben zu verdanken haben“, bilanzierte Kretschmann. Der Gesellschaft drohe damit Wesentliches verloren zu gehen. „Wir werden alle spüren, wenn in unserer Gesellschaft die Imprägnierung durch den christlichen Glauben und Geist nachlässt: Der Ton wird rauer werden, der Umgang härter, die Sichtweise enger.“ Das spüre man schon jetzt: „Meinungsunterschiede werden ruppiger ausgetragen, mit Beschimpfung, Diffamierung, manchmal sogar mit Gewalt.“

Kretschmann betonte: „Der christliche Glaube verleiht unserer ganzen Gesellschaft grundsätzliche Dimensionen: Kultur, Humanität, Transzendenz und besonders Vertrauen“. Die Kirchen müssten daher „mit ihrer anwaltlichen Stimme für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit, für Rechte, für Toleranz und Frieden“ eintreten. Dazu gehöre es, eine Haltung des Respekts nicht nur in anderen zu prägen, sondern auch selber zu leben.

(kna – sk)

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28. Februar 2026, 14:27