Berlinale: Kardinal Marx fordert mehr Mut zum politischen Film
Im Zentrum der Gespräche stand der im vergangenen Jahr erschienene Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand“, der die Situation an den europäischen Außengrenzen und die oft prekäre Asylpolitik beleuchtet. Kardinal Marx betonte die Notwendigkeit solcher Produktionen: „Für uns ist es nicht möglich, eine solche Situation selbst zu erleben“, erklärte er. Daher sei es entscheidend, dass Filme und Dokumentationen „neue Horizonte für die Zuschauer aufreißen“.
Kritik an der „Nachahmung der Rechtsradikalen“
Marx nutzte die Bühne des Filmfestivals auch für eine scharfe politische Analyse. Er kritisierte eine zunehmende Anpassung an rechtspopulistische Diskurse in der Migrationsdebatte: „Dieses Nachahmen der Rechtsradikalen ist furchtbar“, so der Kardinal. Die Kirche sehe es als ihre Aufgabe, daran zu erinnern, dass niemand in Länder zurückgeschickt werden dürfe, in denen Folter, Verfolgung oder gar der Tod drohen.
In Bezug auf die humanitäre Katastrophe auf See forderte Marx ein Umdenken: „Das Mittelmeer darf nie wieder zu einer Todesfalle werden.“ Der Film könne hier eine Brücke schlagen, indem er nicht nur Unterhaltung biete, sondern „starke Bilder zu wichtigen Themen“ liefere, die die Menschen aufrütteln. Man müsse sich als Gesellschaft die Frage stellen: „Wollen wir, dass den Menschen so etwas passiert?“
30 Jahre Ökumenische Jury
Während des Empfangs wurde auch die diesjährige Ökumenische Jury der evangelischen und katholischen Kirche vorgestellt. Seit mehr als drei Jahrzehnten zeichnet dieses Gremium bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin Werke aus, die spirituelle, menschliche oder soziale Werte vermitteln oder deren Themen mit der Botschaft des Evangeliums im Einklang stehen.
Für Marx ist das Engagement der Kirchen beim Filmfest mehr als reine Tradition. Es gehe darum, Geschichten zu unterstützen, die auf Schicksale aufmerksam machen, die sonst im politischen Alltag oft unsichtbar bleiben.
(kna/filmdienst - mg)
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