Bischof Wilmer: Mit einem Bibelvers ins neue Amt
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade: Mit diesen Worten aus dem Gebet des Gloria beginnt die Kirche ihren Lobpreis.“ Das sagte der Hildesheimer Bischof bei seiner Pressekonferenz kurz nach der Wahl. Diese Formel werde für ihn im neuen Amt der Kompass sein. „Diese Verse aus dem Lukasevangelium tragen eine doppelte Bewegung in sich: den Blick zu Gott und den Blick auf die Menschen. Gott im Zentrum, und der Friede für die Welt und die Gerechtigkeit als Aufgabe.“
Nach diesem geistlichen Einstieg dankte Bischof Wilmer seinen Mitbrüdern im bischöflichen Dienst für ihr Vertrauen. Er ging auf die Katholiken in Deutschland ein, von denen viele um eine gute Wahl gebetet hätten, und wandte sich auch an seinen Amtsvorgänger an der Spitze der Bischofskonferenz, Georg Bätzing: „Du, lieber Georg, hast unsere Konferenz geleitet in schwerer Zeit. Dir gebührt mein Respekt und meine ganze Dankbarkeit!“
Vor allem aber sprach Wilmer die Gläubigen in Deutschland direkt an. „Sie sind das lebendige Gesicht der Kirche! In Gemeinden, Verbänden, Caritas, Schulen, in Familien, im stillen Gebet tragen Sie den Glauben. Unser Glaube ist eine Quelle von Kraft und Weite. Er schenkt Halt, er verbindet Generationen, er öffnet Räume der Hoffnung. Und diese Hoffnung, dass Gott uns trägt, leben wir in ökumenischer Verbundenheit mit allen evangelischen und orthodoxen Schwestern und Brüdern sowie mit unseren jüdischen und muslimischen Geschwistern.“
Der Hildesheimer Bischof bekannte sich zur Freude am Evangelium und zum weltweiten synodalen Prozess der katholischen Kirche. Dabei sei das gemeinsame Hören entscheidend. „Synodalität bleibt eine geistliche Haltung: Miteinander unterwegs sein, Verantwortung teilen. Entscheidungen gemeinsam tragen. Christus steht im Zentrum; aus dieser Mitte wächst Vertrauen, und Vertrauen schafft Zukunft. Es wird darum gehen, das Evangelium zu verkünden – mit aller Kraft, notfalls auch mit Worten.“
An Missbrauchsopfer: Ihre Stimmen haben Gewicht
Ein besonderes Wort richtete Bischof Wilmer an Menschen, die in der Kirche sexualisierte Gewalt erfahren haben: „Ihre Stimmen haben Gewicht. Jeder Schritt der Aufarbeitung gewinnt Tiefe und Wahrheit durch Ihr Zeugnis. Zuhören und Verlässlichkeit prägen diesen Weg. So entsteht ein Raum, in dem Würde geschützt ist und Vertrauen neu wachsen kann.“
Außerdem erinnerte er an den vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine. „Vier Jahre voller Leid, voller Zerstörung, voller Tränen. Städte in Trümmern, Familien getrennt, Kinder im Schutzraum, Mütter auf der Flucht, Väter an der Front. Wie viel Unrecht, wie viel Gewalt, wie viele Wunden in den Herzen der Menschen! Im Namen Gottes: Dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt! Frieden ist kein ferner Traum, Frieden ist eine Aufgabe.“
Zur Lage der katholischen Kirche in Deutschland bemerkte Wilmer, sie habe „eine schwere Zeit hinter sich“.
„Wir haben viel gerungen, doch es geht nach vorn! Ich bin in vielen Gemeinden unterwegs, mit Jugendlichen im Gespräch, und ich bin immer wieder positiv überrascht. Wir haben Probleme und Herausforderungen, ja. Aber die Gläubigen vor Ort sind gut drauf! Davon lasse ich mich als Bischof anstecken. Kirche ist für viele ein wichtiger Anker. Mit unserem sozialen Engagement sind wir eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre ist eine prophetische Stimme für alle Menschen. Diese Stimme gilt es stärker werden zu lassen. Die Katholikinnen und Katholiken in Deutschland wollen die Kirche selbstbewusst und auch demütig in eine neue Zeit tragen. Dabei gibt es eine große Vielfalt, aus dem Evangelium heraus zu leben – aber gemeinsam folgen wir Jesus Christus nach.“
Wilmer nannte die katholische Kirche „attraktiv“: „Unsere christliche Botschaft ist, dass es eine Hoffnung gibt, die größer ist als naiver Optimismus. Die christliche Hoffnung ist frei von Defätismus und Untergangssehnsucht. Unsere Gesellschaft leidet daran, dass der Nachbar zum Feind wird und jedes Gegenüber zum potenziellen Gegner werden kann. Die Kraft des Evangeliums ist es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein. Das gilt auch für politische Auseinandersetzungen. Die katholische Kirche in Deutschland will Botschafterin eines höheren und gerechten Friedens sein, nach innen und nach außen.“
Besorgt zeigte sich der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz über „den inneren Unfrieden in Deutschland“. „Unsere Demokratie in Deutschland ist ein Weg, den wir mitgehen wollen, auf dem wir auch selbst uns einüben müssen.“
(vatican news)
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