Deutsche Bischöfe: Reformfragen und klare Distanz zur AfD
von Birgit Pottler - Vatikanstadt
Mit Nachdruck warnten die deutschen Bischöfe zudem vor einer Regierungsbeteiligung der AfD.
Synodalkonferenz und Anträge in Rom
Das Gremium nahm während der Vollversammlung unter anderem die Satzung der geplanten Synodalkonferenz zur Verstetigung des Synodalen Weges an. Neben „Chancen und Herausforderungen, die mit Auftrag und Zusammensetzung der Synodalkonferenz verbunden sind“, wurde festgehalten, dass mit ihr ein Format entwickelt worden sei, das die Anliegen der Weltsynode ernst nehme und im eigenen Kulturkreis umsetze – darunter Impulse zu mehr Transparenz, Rechenschaft und Evaluation, heißt es im Pressebericht. „In einem nächsten Schritt werde ich die Recognitio (Anerkennung) für die Satzung der Synodalkonferenz in Rom beantragen“, erläuterte Wilmer das weitere Vorgehen.
Predigt in Messfeiern für Frauen und nicht geweihte Männer
Ebenfalls in Rom wollen die deutschen Bischöfe eine Predigterlaubnis für Frauen und nichtgeweihte Männer in Eucharistiefeiern beantragen. Die Konferenz folge damit einem Beschluss der Synodalversammlung von 2023. Qualifizierte Männer und Frauen sollen für diesen besonderen Predigtdienst vom jeweiligen Bischof beauftragt werden. Dafür wolle man in Rom um Zustimmung bitten: „Wir haben vereinbart, dass ich dies bei meinem nächsten Besuch in Rom mitnehmen, vor Ort im Gespräch erläutern und dafür werben werde“, so Wilmer. Derzeit sind Predigten durch Nichtgeweihte in anderen Gottesdienstformen möglich, etwa in Wortgottesdiensten.
Die Verbindung mit Rom zeigt sich auch in einer weiteren Zusage: Am Katholikentag in Würzburg im Mai 2026 wird der Generalsekretär des vatikanischen Synodensekretariats, Kardinal Mario Grech, teilnehmen. Wilmer sprach von einem „starken Zeichen“, „wie Synodalität sich auf der Weltebene mit der Ortsebene verbindet“.
Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs
Die Frage nach Aufklärung und Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sei der Ursprung des Synodalen Weges gewesen, erinnerte der neue Vorsitzende. Erneut hob er die besondere Rolle der Betroffenen hervor: „Ihre Stimmen haben Gewicht. Jeder Schritt der Aufarbeitung gewinnt Tiefe und Wahrheit durch ihr Zeugnis“, so Wilmer.
Zugleich sprach er sich für den Fortbestand des Fonds Sexueller Missbrauch aus und erinnerte daran, dass sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag zu dessen Erhalt verpflichtet habe. Der Fonds war 2013 eingerichtet worden. Betroffene können darüber Hilfen beantragen, die über Leistungen der Kranken- oder Pflegekassen oder andere Unterstützungen hinausgehen. Für viele stelle der Fonds „die einzige Möglichkeit dar, eine Form der staatlichen Anerkennung und Unterstützung zu erhalten“, sagte Wilmer. Im Bundeshaushalt sind für das laufende Jahr keine Mittel mehr für den Fonds eingeplant.
Mit Blick auf die Aufarbeitung in den Bistümern erklärte der Hildesheimer Bischof, inzwischen gebe es in allen 27 deutschen Diözesen unabhängige Aufarbeitungskommissionen sowie zwei interdiözesane Kommissionen. Vor diesem Hintergrund sprach Wilmer von einer Pionierleistung: „Es ist bundesweit das erste umfassende Aufarbeitungsprojekt einer ganzen Institution. Dass es in einem solchen Prozess zu Reibungen kommen und Fragen entstehen können, zu denen nicht sofort Lösungen vorliegen, ist Teil der Entwicklung.“ Gemeinsam mit der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, arbeite die Deutsche Bischofskonferenz „kontinuierlich und lösungsorientiert an praktischen Herausforderungen“.
Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Weitere Themen der Vollversammlung waren der gesellschaftliche Zusammenhalt sowie die aktuelle Lage der christlichen Minderheiten im Nahen Osten und in der Ukraine.
Angesichts vielfältiger Bedrohungen appellierten die katholischen Bischöfe an die Europäische Union, Rückgrat und Selbstbewusstsein zu zeigen. „Wir Bischöfe sind der Meinung, dass die EU ihren Platz in der Welt behaupten muss. Dazu gehören eine regelbasierte internationale Ordnung und der Multilateralismus. Damit ist die europäische Integration nicht nur ein Friedensprojekt für diesen Kontinent, sondern ein unverzichtbares Element des Weltfriedens.“
Zugleich übte Wilmer Kritik an der US-Regierung. Die freiheitliche Demokratie sei akut gefährdet, „wenn die USA eine angeblich eingeschränkte Meinungsfreiheit oder eine vermeintlich defekte Demokratie in der EU beklagen und mit politischen Kräften wie der AfD kooperieren“.
Nein zur AfD
Mit Nachdruck warnten die deutschen Bischöfe zudem vor einer Regierungsbeteiligung der AfD. Vor den anstehenden Landtagswahlen riefen sie erneut zum Schutz der Demokratie in Deutschland auf. „Wir appellieren an die Menschen in unserem Land, genau hinzuschauen und sich nicht von den vordergründig attraktiv gemeinten Klängen der AfD verführen zu lassen“, heißt es im Abschlussbericht des neu gewählten Vorsitzenden. „Von Würzburg aus sage ich deutlich: Wehret den Anfängen. Schützen wir unsere Demokratie.“
Kennzeichen der Demokratie sei es, unterschiedliche Meinungen „in gerechter und friedvoller Weise“ ins Gespräch zu bringen. Deshalb müssten Räume für Austausch und Dialog geschaffen werden. Die Kirche wolle dazu ihren Beitrag leisten. Mit Blick auf das Verhältnis der AfD zur Kirche sagte Wilmer, völkischer Nationalismus und menschenverachtende Parolen hätten in der katholischen Kirche keinen Platz. Die AfD wolle die Kirche diskreditieren: „Wir verwahren uns dagegen, dass unsere Themen gleichsam billig kopiert und in nationalistisches Denken und Handeln umgewandelt werden.“
Zu einem möglichen Verbotsverfahren gegen die AfD äußerte sich der Vorsitzende auf Nachfrage nicht. Es sei Sache der Politik und des Rechtsstaats, darüber zu entscheiden, ob ein Parteienverbot angestrebt werde.
(vatican news/kna/kap/dbk)
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