„250 Jahre Frieden“ steht auf der Außenwand einer Kirche der Freien Evangelischen Gemeinde in Davos, die in diesem Jahr das Gasthaus der US-Delegation ist. „250 Jahre Frieden“ steht auf der Außenwand einer Kirche der Freien Evangelischen Gemeinde in Davos, die in diesem Jahr das Gasthaus der US-Delegation ist. 

WEF: Kirchen in Davos öffnen ihre Räume und hoffen auf Dialog

Auf dem Schweizer Bergdorf Davos ruhen an diesem Mittwoch die Augen der Welt. Während US-Präsident Donald Trump am Nachmittag seine mit Spannung erwartete Rede angekündigt hat, formiert sich abseits der großen Konferenzsäle ein geistlicher Gegenpol. Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) versucht die Kirche, den „Geist des Dialogs“ zu beschwören – auch wenn die Vorzeichen schwierig sind.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In Davos stehen an diesem Mittwoch Innovation, globales Wachstum und KI auf der Agenda. Doch das beherrschende Thema ist die Präsenz von US-Präsident Donald Trump. Trotz einer kleinen Verzögerung durch eine Flugzeugpanne gilt sein Auftritt vor dem Hintergrund drohender US-Zölle und internationaler Spannungen als bestimmender Moment des Gipfels.

Zum Nachhören - was Pfarrer Susak in Davos zum WEF sagt

Das „USA House“ in der Kirche

Für besonderes Aufsehen sorgt in diesem Jahr die Wahl des US-Hauptquartiers: Die amerikanische Delegation hat sich in einer Kirche der Freien Evangelischen Gemeinde eingemietet. Das nun als „USA House“ fungierende Gotteshaus ist mit Bannern wie „250 Jahre Frieden“ geschmückt, in offensichtlicher Anspielung auf 250 Jahre USA, die nächsten Juli gefeiert werden.

Kurt Susak, katholischer Priester und Dekan in Davos, beobachtet diese Entwicklung mit einer Mischung aus Realismus und religiöser Distanz. „Wir als Katholiken würden von unserem religiösen Empfinden her nie ein Gottesdienstgebäude für so einen Anlass vermieten“, erklärt Susak im Interview mit DOMRADIO.DE. Er verweist jedoch auf die andere Feierkultur freikirchlicher Gemeinden. Die mediale Fokussierung auf die Kirche als „USA House“ sei dem „Spezialgast Donald Trump“ geschuldet, der dem Forum eine besondere Gewichtung verleihe.

Der Vatikan in Davos: Dialog statt offizieller Botschaft

Interessante Akzente setzt in diesem Jahr der Vatikan. Anders als sein Vorgänger hat Papst Leo XIV. keine offizielle Botschaft an das WEF geschickt. Dennoch ist eine hochrangige Delegation unter der Leitung von Kardinal Peter Turkson vor Ort. „Papst Leo hat keine offizielle Botschaft an das WEF geschickt, aber Kardinal Turkson entsendet, um dem Thema 'Dialog mit der Kirche' gerecht zu werden“, so Dekan Susak.

Die Kirche bietet während des Gipfels zahlreiche Zusatzgottesdienste an, darunter das „ökumenische Schweigen und Beten“. Besonders beliebt sind die Frühmessen für WEF-Teilnehmer, an denen regelmäßig 40 bis 50 „hohe Tiere“ teilnehmen, um beim anschließenden Frühstück in den Austausch zu kommen. Sogar das katholische Pfarrzentrum ist eingebunden: Jeden Tag essen dort 600 WEF-Mitarbeiter.

Kritik an fehlender Veränderungskraft

Trotz des Dialogangebots bleibt Susak skeptisch, was die reale Wirkung auf das Weltwirtschaftssystem betrifft. Angesichts des aktuellen Oxfam-Berichts, der eine Rekordzahl von 3.000 Milliardären ausweist, fehle es oft an „ernsthaften Mut“, die soziale Schere zu schließen.

„Da die politische Lage aber momentan – auch durch Donald Trump – sehr stark in Richtung Eigeninteressen kippt, ist der Wille zur Veränderung wenig im Mittelpunkt“, beklagt der Dekan. Er mahnt eine Rückbesinnung an: „Eine Weltwirtschaft muss dem Wohl des Menschen dienen und nicht der Mensch einer Wirtschaft, bei der die Armen ärmer und die Reichen immer reicher werden.“

An diesem Mittwochabend wird in Davos weiter gebetet – für Gerechtigkeit, Frieden und dafür, dass der Geist des Dialogs vielleicht doch noch die Herzen der Verantwortlichen berührt.

(vatican news/domradio)

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21. Januar 2026, 11:08