WEF in Davos: Oxfam prangert „Gesetz der Reichsten“ an
Stefano Leszczynski und Mario Galgano - Vatikanstadt
Die Organisation warnt: Ohne radikales Umsteuern wird das Ziel, die extreme Armut bis 2030 zu besiegen, kläglich scheitern. Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Die Zahl der Milliardäre ist inzwischen auf über 3.000 gestiegen. Ihr Gesamtvermögen beläuft sich auf die astronomische Summe von 18.300 Milliarden US-Dollar – ein realer Zuwachs von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum verläuft dreimal schneller als der Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Die Superreichen werden immer reicher
„Der Bericht zeigt einmal mehr, wer die Gewinner und Verlierer der globalen Wirtschaft sind“, erklärt Misha Maslennikov, Analyst bei Oxfam. Das seit 2020 angehäufte Vermögen der Superreichen entspricht etwa dem Achtfachen des Bruttoinlandsprodukts eines Landes wie Italien. Laut Oxfam würde dieser Reichtum ausreichen, um die extreme Armut weltweit rechnerisch 26 Mal zu beseitigen.
Doch die Realität sieht anders aus: „Die Rate der Armutsreduzierung stagniert seit sechs Jahren“, beobachtet Maslennikov. Wenn das Wirtschaftswachstum nicht inklusiver gestaltet wird, könnten im Jahr 2050 noch immer drei Milliarden Menschen – ein Drittel der Weltbevölkerung – in Armut leben.
Die Macht des Geldes bedroht die Demokratie
Die extreme Konzentration von Reichtum ist laut Oxfam kein neutrales Phänomen, sondern gefährdet die demokratischen Grundfesten. „Die reichsten Individuen nutzen ihre wirtschaftliche Macht, um die öffentliche Politik zu ihrem eigenen Vorteil zu beeinflussen, statt im Sinne des Gemeinwohls“, so Maslennikov.
Diese Dynamik führe zu einer Erosion des sozialen Zusammenhalts. In vielen Ländern verstärke sich eine Kluft zwischen „Orten, die zählen“ und abgehängten Gebieten, was den Nährboden für populistische und extremistische Strömungen bereite.
Medienkontrolle und Schuldenlast
Ein weiteres Warnsignal betrifft die Informationsfreiheit. Sieben der weltweit größten Medienkonzerne werden heute von Milliardären kontrolliert. Dies trage dazu bei, alternative, egalitäre Gesellschaftsmodelle zu diskreditieren und Ungleichheit moralisch zu legitimieren.
Gleichzeitig erdrückt die Schuldenlast die ärmsten Länder. Viele Staaten geben heute mehr Geld für den Schuldendienst aus als für Gesundheit und Bildung ihrer Bürger. Dies entziehe den notwendigen Investitionen in das Gemeinwohl den finanziellen Spielraum.
Die Forderungen: Ein Paradigmenwechsel
Angesichts dieses Szenarios fordert Oxfam einen grundlegenden Kurswechsel und zwar einen Schuldenerlass durch umfassende Umstrukturierung oder Streichung der Schulden für die ärmsten Länder; Steuergerechtigkeit durch die Einführung internationaler Standards zur Besteuerung extremer Vermögen; Internationale Kooperation anhand einer Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens sowie Wissenschaftliche Kontrolle mit der Einrichtung eines internationalen Panels für Ungleichheit, um die Auswirkungen politischer Entscheidungen objektiv zu bewerten.
„Der Ausweg aus dem Abgrund der Ungleichheit existiert“, schließt Oxfam. Er erfordere jedoch den politischen Willen, Rechte und Demokratie wieder in das Zentrum globaler Wirtschaftsentscheidungen zu rücken.
(vatican news)
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