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"Seht, das Lamm Gottes!" "Seht, das Lamm Gottes!" 

Unser Sonntag: Der Sendung treu

In dieser Betrachtung verweist Alexandra Linder auf die Treue des Johannes, der als Prophet einfach lebte. Nach heutigen Maßstäben ein total langweiliges Leben, kein Konsum, keine Abenteuer. Aber wohl ein deutlich erfüllteres Leben als das Leben vieler unserer Zeitgenossen. Sie fordert dazu auf, sich an ihm, Jesus, Maria und Elisabeth ein Beispiel zu nehmen.

Johannes legt sofort los, kaum, dass er Jesus getauft hat. Das ist ja seine Aufgabe: Zeugnis geben, den Messias verkünden. Offensichtlich macht er sich keine Gedanken über mögliche Folgen für ihn: Gott wird es schon richten. Gelassen im Glauben, mutig, ein großes Vorbild.

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Wie viele Menschen zögern, zaudern, fürchten sich, schweigen lieber, vermeiden die Beschäftigung mit dem Sinn ihres Lebens. Man könnte sagen: Ja, da haben sie wohl gut daran getan. Denn am Ende wird Johannes natürlich verhaftet und getötet. Das immerhin haben sie sich durch ihre Zurückhaltung erspart. Verhaftet aber wird Johannes ironischerweise wohl nicht, weil er tauft und den Messias verkündet, sondern, so findet man es in der Historie, weil er die zweite Ehe des Herodes Antipas als unrechtmäßig anprangert.

Das Ende des Johannes und seine Geschichten

Auch sein Ende ist besonders perfid, man kann es auf zahlreichen Gemälden berühmter Meister, wie Caravaggio oder Rubens, ausführlich betrachten: Er wird angeblich als Festspaß enthauptet, sein Kopf wird einer Tochter von Herodes Frau namens Salome auf einem Tablett überreicht. Vor allem die Kopten, die äthiopisch-orthodoxen und die syrisch-orthodoxen Christen haben aus dieser Geschichte noch mehr herausgeholt: Dort gibt es Gedenktage für die Auffindung seines Kopfes (am 24. Februar), die Auffindung seiner Gebeine (am 13. September) und bei den Äthiopiern noch ein Gedenken an den Tag, an dem die Seele des Johannes nach 17 Jahren den Kopf verließ, der an einen anderen Ort geschleudert worden war (am 10. April). Wahrscheinlicher ist seine Enthauptung aus ganz anderen Gründen: Johannes war eine Gefahr für die etablierten Eliten, sowohl römischer wie pharisäischer Art. Viel schöner ist sein Geburtstag, der auch sein Gedenktag ist, ungewöhnlich für Heilige: Am 24. Juni. Die Johannisbeeren, österreichisch Ribisl, sollten an dem Tag reif sein, Johanniskraut mit seinen Heilwirkungen kann dann ebenfalls verarbeitet werden. Spargel sollte man vor diesem Tag genossen haben, denn am 24. Juni sticht man ihn zum letzten Mal.

Johannes blieb in seiner Rolle

Johannes war schon vor Jesus da, als ein Prophet, der Jesus ankündigt und Menschen darauf vorbereitet. Er war ein halbes Jahr älter, hatte eine Sonderrolle: Er taufte die Menschen – es war eine Bußtaufe, um das kommende Weltgericht zu überstehen – und wies immer darauf hin, dass ein Größerer als er kommen würde. Trotz dieser Sonderrolle fiel er also nicht aus selbiger, sondern blieb ganz in dieser Rolle, er erfüllte ausschließlich seine Sendung und das in voller Demut. Auch dafür gibt es ein sichtbares Zeichen, das er immer betont: Er taufe mit Wasser, Jesus aber werde mit dem Heiligen Geist taufen. Johannes hat gewusst, dass er diese einmalige Sonderrolle hatte.

„Johannes hat den Messias ja schon als vorgeburtliches Kind im Alter von etwa sechs Monaten erkannt und sich gefreut“

Offenbar hat Gott ihm gesagt, woran Johannes erkennen würde, wer der Messias ist, nämlich eben an diesen Geschehnissen bei dessen Taufe. Dabei war das ganz unnötig, Johannes hat den Messias ja schon als vorgeburtliches Kind im Alter von etwa sechs Monaten erkannt und sich gefreut, ihn kennenzulernen. Neben den Schmähungen wurde Johannes von vielen Menschen auch sehr bewundert, vielleicht wegen seiner Nähe zu Jesus und zu Gott auch sehr beneidet.

Neid, Missgunst, Eitelkeit

Zwei Todsünden, mit denen er sich ständig zu beschäftigen hatte: Auf der einen Seite der Neid und die Missgunst anderer Menschen, auf der anderen Seite die Gefahr für ihn selbst, in Eitelkeit zu verfallen. Diese Gefahr ist präsenter, als man denkt. In einem Interview fragte ich einmal den kürzlich verstorbenen Altabt Henkel-Donnersmarck von Heiligenkreuz, ob man nicht Probleme mit der Demut bekomme, wenn der Papst selbst zu Besuch kommt, um seine Einrichtung zu einer Päpstlichen Hochschule zu erheben. Seine lachende Antwort: Definitiv!

Vorbilder: Helene und Albert Schweitzer

Es gab immer beeindruckende Menschen, die diese Nachfolge demütig angegangen sind: Als Helene Schweitzer-Bresslau, die Frau von Albert Schweitzer, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Lambarene in Gabun mitwirken konnte – dort hatten sie ein Krankenhaus im Urwald eröffnet – verlangte sie nicht von ihrem Mann, das ganze jetzt aufzugeben und mit ihr nach Europa zurückzukehren. Vielmehr nahm sie eine neue Herausforderung an und kümmerte sich in Europa um Unterstützung und Spenden für die Arbeit ihres Mannes und brachte sie gemeinsam mit ihm voran. Obwohl sie wussten, dass sie wieder einmal lange Zeit voneinander getrennt sein würden. Dieses Ehepaar ist ohnehin ein unglaubliches Vorbild für Jesu Nachfolge: Sie wurden jahrelang interniert, waren mehrfach schwerkrank, oft hoffnungslos und auch mittellos. Doch sie machten immer weiter.

„Vielleicht nehmen wir uns alle ein wenig ein Beispiel an Menschen wie Johannes. Oder Maria. Oder Elisabeth. Die ohne Jammern und Klagen, mit Demut und Annahme ihres Schicksals das beste daraus gemacht und ein sinnerfülltes Leben geführt haben.“

Auch hier ist Johannes also ein großes Vorbild: Er ist einer der wichtigsten Anfangszeugen des Messias, er hat eine vorbereitende, große, einzigartige Aufgabe. Aber an keiner Stelle ist auch nur der leiseste Hinweis zu finden, dass er diese Aufgabe nicht in tiefster Demut und Bescheidenheit verrichtete und mit seinem Schicksal haderte. Vor dieser Zeit weiß man über sein Leben nichts, Johannes ist ein Prophet, über den die ersten etwa 30 Jahre seines Lebens nichts bekannt ist, ähnlich wie bei Jesus. Soweit schriftlich festgehalten, predigte er in seinem öffentlichen Leben ständig Buße und Umkehr, lebte selbst vor allem von Heuschrecken, also in absolut einfacher Weise, und verkündete das Kommen des Gottesreichs. Nach heutigen Maßstäben ein total langweiliges Leben, kein Konsum, keine Abenteuer, keine Flugreisen, keine Partys. Aber wohl ein deutlich erfüllteres Leben als das Leben vieler von uns. Vielleicht nehmen wir uns alle ein wenig ein Beispiel an Menschen wie Johannes. Oder Maria. Oder Elisabeth. Die ohne Jammern und Klagen, mit Demut und Annahme ihres Schicksals das beste daraus gemacht und ein sinnerfülltes Leben geführt haben.

(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)

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17. Januar 2026, 11:08