Taufstelle Jesu am Jordan Taufstelle Jesu am Jordan 

Unser Sonntag: Taufe für den besten Start ins Leben

Alexandra Linder hat bei der Betrachtung dieses Evangeliums viele Fragen: Blieb die Taube auf Jesu Kopf, wie sieht ein geöffneter Himmel aus und wie reagierten die Passanten auf das Geschehen? Besonders angetan hat es der Lebensrechtlerin die Begegnung von Johannes und Jesus noch im Mutterleib.

Diese Stelle kenne ich sehr gut. Denn sie ist ein Bestandteil des Lichtreichen Rosenkranzes, den ich trotz einer kleinen, durch meinen leider nur schwer abzustellenden Unruhegeist verursachten Litaneiphobie im Auto mitbeten kann – er ist verhältnismäßig kurz und auch von daher für meine typischen Autofahrerlängen sehr gut geeignet.

Hier zum Nachhören

Vorher und nachher kann man noch dem im Rheinland besonders wichtigen Verkehrsfunk lauschen, um zu wissen, wohin man an dem Tag überhaupt noch kommt. Die CD übrigens, von der ich längst nicht mehr wusste, dass sie existiert, fand ich rein zufällig unter einem großen Stapel, als wir wegen eines Umzugs unsere Arbeitszimmer ausräumten. Erst ein paar Tage vorher hatte ich überlegt, dass es doch nicht schlecht wäre, sich mal so eine CD zuzulegen, weil klar war, dass ich einige Jahre mit häufigen Hin- und Herfahrten zwischen altem und neuem Wohnsitz beschäftigt sein würde.

Die Demut Jesu beeindruckt

Besonders beeindruckend in dieser Lesung finde ich die Demut Jesu, sich selbst taufen zu lassen, obwohl er das nun wirklich nicht nötig hat. Es ist ein Zeichen für uns Menschen, auch ein wichtiges Zeichen der Dreifaltigkeit, die für uns schwer zu verstehen bleibt, wie so vieles in der Bibel. Aber zurück zur Taufszene: Wie hätten wir wohl an dieser Stelle reagiert? Da stehen ein paar Leute am Flussufer, sicher auch ein paar Gaffer, einige lassen sich von Johannes taufen, andere diskutieren darüber, was diese merkwürdigen Menschen da wohl machen.

Blieb die Taube - und wie sieht ein geöffneter Himmel aus?

Und dann öffnet sich auf einmal der Himmel, eine Taube fliegt auf uns herunter und eine Stimme von oben verkündet etwas, womit man als Passant so gar nichts anfangen kann. Was machte die Taube dann? Blieb sie und flatterte munter als Heiliger Geist über den Köpfen herum? Flog sie irgendwann wieder in den Himmel? Wie sieht ein geöffneter Himmel eigentlich aus? Was sieht man dahinter? Manchmal wünscht man sich eine Zeitmaschine, um das sozusagen live zu erleben. Leider spricht die Bibel auch eher selten ausführlich davon, wie die Leute vor Ort in dem Moment reagiert haben.

„Die Texte sind da meistens sehr lakonisch. So nach dem Motto Jesus erweckte mal eben jemanden von den Toten und danach glaubten die Leute an ihn.“

Schockiert? Fasziniert? Die Texte sind da meistens sehr lakonisch. So nach dem Motto Jesus erweckte mal eben jemanden von den Toten und danach glaubten die Leute an ihn. An anderen Stellen dagegen werden ausführliche Dialoge gebracht, in scheinbar deutlich unscheinbareren Szenen und Begegnungen. Zu erzählen hatten sich Jesu Zeitgenossen sicher genug. Wie haben die Leute in Kanaan reagiert, den hervorragenden Wein einfach getrunken, den Jesus herbeigezaubert hat? Einige wussten doch, dass der Wein ausgegangen war. Aber wahrscheinlich war den meisten Menschen gar nicht bewusst, worum es ging, und haben diese bedeutenden Botschaften schlicht nicht begriffen.

Unfassbare Ereignisse

Viele Menschen trauen sich auch nicht, solche eigentlich unfassbaren Ereignisse und Erlebnisse weiterzuerzählen. Oder an etwas oder jemanden zu glauben, der nicht zum Mainstream gehört oder für bestehende Mächte vielleicht sogar zur Gefahr werden könnte, weil die Botschaft vielleicht besser ist. Menschenfreundlicher, gerechter, friedlicher, attraktiver. Man wird ja für verrückt erklärt, für naiv gehalten, zum Psychiater geschickt oder sogar mit dem Tode bedroht, ins Gefängnis gesperrt – wie es auch Johannes dem Täufer, den Aposteln und Jesus selbst passiert ist und Christen allein aufgrund ihres Glaubens in vielen Teilen der Welt heute noch passiert.

„Auch heute ist das Christentum alles andere als Mainstream“

So ein wenig können wir uns die Situation der ersten Nachfolger Christi heute gut vorstellen, zumindest was die Reaktion der Leute betrifft: Auch heute ist das Christentum alles andere als Mainstream, zum ersten Mal seit Jahrhunderten gehört weniger als die Hälfte der Bevölkerung dem Christentum an, und auch die oft nur auf dem Papier. Wer sich zum Glauben bekennt, läuft Gefahr, lächerlich gemacht zu werden. Oder er wird für fundamentalistisch, radikal oder rechtsextremistisch gehalten – alles ziemlich lächerliche Versuche, die auch eine sprachliche Unfähigkeit belegen. Denn natürlich haben Christen ein festes Fundament und eine tiefe Radix, eine Wurzel. Und hierfür sind auch die Schriften, die Traditionen, die Liturgie, die Sakramente immens wichtig.

Christliche Taufe für den besten Start ins Leben

Womit wir wieder bei der Taufe wären, als Beginn des Lebens als Christ. Viele regen sich über die Kindertaufe auf, man würde die Kinder ja geradezu zwingen, Christen zu werden. Ja, das ist wohl Elternrecht. Was die Kinder als Erwachsene daraus machen, weiß man nicht. Aber dass Eltern ihren Kindern den besten Start geben möchten, mit Schutz von ganz oben und der Zugehörigkeit zu einer Religion, in der tatsächlich jeder Mensch von der Zeugung an die gleiche Würde hat, das kann ja eigentlich nicht falsch sein.

„Als Maria aber Elisabeth bei ihrer Ankunft begrüßt, hüpft in Elisabeths Bauch der kleine Johannes vor Freude darüber, dass der noch viel kleinere Jesus in Marias Leib ihn besucht.“

Wo wir gerade bei Kindern sind: Jesus und Johannes kennen sich zu diesem Zeitpunkt, als Jesus sich von ihm taufen lässt, schon lange, länger als die meisten Menschen sich kennen, nämlich aus der Zeit vor ihrer Geburt. Als Lebensrechtlerin gefällt mir diese Stelle natürlich besonders, weil sie das Menschsein vorgeburtlicher Kinder so wunderbar darstellt: Maria erfährt, dass ihre Kusine Elisabeth in hohem Alter doch noch überraschend schwanger geworden ist, und geht sofort hin, um ihr zu helfen. Gerade hat sie selbst durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass sie mit Jesus schwanger ist. Auch so eine verrückte Geschichte. Das kann noch niemand wissen, weil Maria es außer Josef vermutlich niemandem gesagt hat. Sie wäre ja verrückt und war schon verrückt genug, Ja zu sagen, als der Engel erschienen war. Als Maria aber Elisabeth bei ihrer Ankunft begrüßt, hüpft in Elisabeths Bauch der kleine Johannes vor Freude darüber, dass der noch viel kleinere Jesus in Marias Leib ihn besucht.

Elisabeth konnte von der Schwangerschaft nichts wissen

„Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“, sagt Elisabeth zur Begrüßung. Auch sie kann eigentlich weder wissen, dass Maria schwanger ist, noch, dass sie den Messias gebären wird. Vermutlich lächelte der winzige Jesus bei der Begrüßung durch den hüpfenden Johannes. Jede Mutter kennt hüpfende, strampelnde, sich streckende, tretende und boxende Kinder in ihrem Bauch. Der Charakter dieser von manchen so abschätzig bezeichneten Zellhaufen zeigt sich schon lange vor der Geburt.

Vorgeburtlicher Charakter der Kinder

Mir zum Beispiel war schon während der Schwangerschaften völlig klar, dass das erste Kind absolut hyperaktiv sein würde, das zweite eher ein gemütlicher Genießer und das dritte ein mamasüchtiges Kuschelbaby. Jede neue Erkenntnis aus der Embryologie weist nach, dass vorgeburtliche Kinder Personen sind, jedes einzigartig. Kinder lösen in der Regel ihre Geburt aus, sie senden die Signale für ihre Einnistung in die Gebärmutter – die Mutter weiß noch gar nichts von der Schwangerschaft. Die ersten Herzzellen eines Menschen pulsieren nach 21 Lebenstagen. Und noch etwas ist an diesen Berichten vorbildhaft: Für Elisabeth ist die Schwangerschaft aufgrund ihres Alters sicherlich sehr belastend. In diesem Alter das erste Kind zu bekommen, ist gefährlich, anstrengend.

„... wenn alle Männer so zu ihren Frauen halten und sie unterstützen würden, wären überraschende Schwangerschaften für viele Frauen nicht bedrohlich, sondern eine Zukunfts-Herausforderung.“

Und dann all die schlaflosen Nächte, die Versorgung und Erziehung – auch viel anstrengender, als wenn man jung ist. Doch sie nimmt dieses Kind, das sie sich Jahrzehnte gewünscht hat, trotz der erschwerten Bedingungen einfach an und macht offenbar das beste daraus. Genau wie Maria. Noch nicht verheiratet, mit einem zu Recht misstrauischen Verlobten, blutjung und mit der Verkündigung, eine wohl einzigartige Rolle in der Menschheit zu spielen, nimmt auch sie diese Berufung an. Und obwohl Maria bestimmt gerade selbst genug Sorgen hat, bricht sie sofort auf, um ihrer Kusine zu helfen. Wenn alle Frauen diese Stärke, diese Zuversicht und Zukunftshoffnung haben könnten, wenn alle Männer und Familien so zu ihren Frauen halten und sie unterstützen würden, wären überraschende Schwangerschaften für viele Frauen nicht bedrohlich, sondern eine Zukunfts-Herausforderung. Mit Höhen und Tiefen, mit lebenslanger Verantwortung, aber auch mit Freude und vor allem mit Liebe.


(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
 

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10. Januar 2026, 11:09