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Österreich: Erzbischof und Bischöfin wollen zusammenarbeiten

Der katholische Wiener Erzbischof und die evangelische Bischöfin Österreichs: Beide sind neu im Amt, und beide wollen miteinander christliche „Impulse in der Gesellschaft setzen“. Das haben Josef Grünwidl und Cornelia Richter bei einem Antrittsbesuch vereinbart, den der vor einer Woche geweihte Wiener Erzbischof bei der Bischöfin am Donnerstag absolvierte.

Das Gespräch im evangelischen Oberkirchenrat in Wien verlief in einer außerordentlich herzlichen Atmosphäre, sagten beide im Anschluss gegenüber Kathpress und dem Evangelischen Pressedienst. Die evangelisch-lutherische Bischöfin Cornelia Richter, die seit vergangenem November im Amt ist, sagte, „dass wir beide ein großes Interesse haben an gemeinsamen Projekten, an gemeinsamen Ideen, an gemeinsamen Aktivitäten. Die Kirchen haben für diese Gesellschaft etwas beizutragen im Sinne von Versöhnung, Frieden, Humanitätsansprüchen, Humanität, Geltung, alles, was es da so gibt und das auch im Blick auf verschiedene Bevölkerungsgruppen.“

Hier zum Hören:

Der neue Wiener Erzbischof bekräftigte seinen festen Willen, mit allen Kirchen im Land gute und intensive Kontakte zu pflegen. „Und das heute war für mich ein ganz wichtiger Schritt, denn meine Schwester ist neue Bischöfin in Österreich, ich bin neuer Erzbischof in Wien - dass wir uns heute hier einmal persönlich begegnen und kennenlernen und auch Themen ein bisschen abstecken und besprechen können.“

„Noch wichtiger ist, dass die christlichen Kirchen vor allem in Zeiten wie diesen auch gemeinsam auftreten“

Theologisch gebe es in der Ökumene zwischen katholischer und evangelischer Kirche immer noch große offene Fragen etwa im Blick auf das Amtsverständnis oder die Sakramente, und es sei wichtig, diese zu behandeln, sagte Erzbischof Grünwidl. „Aber genauso wichtig oder vielleicht noch wichtiger ist, dass die christlichen Kirchen vor allem in Zeiten wie diesen auch gemeinsam auftreten und gemeinsam zu den großen Fragen, ob das jetzt Frieden ist oder Vereinsamung oder auch Dialogbereitschaft und das Miteinander oder die Perspektive der Hoffnung, dass wir dazu gemeinsam unsere Stimme erheben und auch Impulse in die Gesellschaft senden.“

Josef Grünwidl, ein Seelsorger als neuer Wiener Erzbischof
Josef Grünwidl, ein Seelsorger als neuer Wiener Erzbischof

Bei ihrer ersten Begegnung haben der Erzbischof und die Bischöfin auch einige konkrete gemeinsame Projekte angesprochen, etwa für Jugendliche oder alte und kranke Menschen. Schon jetzt gebe es viele gute ökumenische Initiativen. „Wir würden gerne das, was bereits relativ vielversprechend vor einigen Jahren begonnen wurde, einfach auch fortsetzen und Neues dazu setzen“, wie Richter sagte.

Ökumene in Österreich: Schon noch Luft nach oben

Dass in der Ökumene aber noch nicht alles eitel Wonne ist, räumten sowohl die Bischöfin als auch der Erzbischof ein. Es gebe durchaus auch noch innerkatholisch kritische Stimmen, meinte etwa Grünwidl. Und Richter, die erste Bischöfin Österreichs, sagte: „Bauchschmerzen bereiten mir ökumenische Veranstaltungen dann, wenn nicht ganz sicher ist, wie die Rolle der Evangelischen oder auch die Rolle von einer ordinierten Frau wahrgenommen wird. Da ist, glaube ich, noch Luft nach oben."

An dem Austausch im Oberkirchenrat in Wien nahmen neben Bischöfin Richter und Erzbischof Grünwidl auch die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist und Grünwidls Büroleiterin Nina Sevelda-Platzl teil.

(kap – gs)

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30. Januar 2026, 12:06