Österreichs Bischöfe: 2026 mit Hoffnung und Gemeinsinn begehen
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, rief bei der traditionellen Jahresschlussandacht im Salzburger Dom erneut zum Gebet für Frieden in der Ukraine auf. „Der Krieg ist der Vater der Armut. Es muss uns zuinnerst treffen, wenn so nah bei uns Menschen stets mit der Angst zu Bett gehen, dass ihnen Bomben nicht nur den Schlaf rauben, sondern auch das Leben", mahnte er.
Zuvor beklagte Lackner in seiner Silvesterpredigt unter anderem die „Fragmentierung der Gesellschaft, in der Gemeinsames immer weniger eine Rolle spielt". Überall zeichne sich ein Hang zum Individualismus ab, bei Vereinen und Gemeinschaften, der Politik, aber auch im religiösen Bereich. So werde der weiterhin vorhandene Bezug zu etwas Transzendentem heute in stark individualisierter Form über Ersatzpraktiken befriedigt.
Für die Kirche tue die Erinnerung Not, „dass unser Glaube nicht allein ein Ich-Glaube ist", erinnerte der Salzburger Erzbischof. Schon beim Konzil von Nicäa vor 1.700 Jahren sei formuliert worden „Wir glauben"; und in der Tat, so Lackner, „kommt diesem 'wir' in der Kirche größte Bedeutung zu, es trägt uns als Gemeinschaft durch alle Herausforderungen".
Erinnerung an Pontifikatswechsel und Heiliges Jahr
Glaube und Werke gehörten untrennbar zusammen, betonte er. Heilig sei das Jahr daher auch durch das viele Gute gewesen, das in der Kirche für Arme, Kranken und heimatlos Bedrängten getan worden sei. „Unsere Gemeinschaft, mögen manche einwenden, ist in diesem Jahr erneut kleiner geworden - doch sie verliert dadurch nicht an Wichtigkeit. Wir haben in der Kirche wirklich heiligmäßige Mitarbeitende, die Not sehen und bereit sind zu helfen. Ihr vielen Helfenden, ich danke euch aufrichtig!", so Lackner.
Grünwidl: Menschen der Hoffnung sein
Im Wiener Stephansdom feierte Josef Grünwidl am Mittwochabend erstmals als ernannter Erzbischof die Vesper zum Jahresschluss. In seiner Silvesterpredigt rief er dazu auf, 2026 „nicht als Unheilspropheten und Schwarzseher unterwegs zu sein, sondern als Menschen der Hoffnung, als Menschen guten Willens, die bereit sind, sich zu beteiligen und einen Beitrag für das Miteinander für Versöhnung und Frieden zu leisten".
Seine Vision für Österreich sei das Miteinander statt eines Gegeneinanders der Menschen, betonte Grünwidl. „Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren", wandte sich der künftige Erzbischof von Wien gegen ein Ausspielen von Jung und Alt, Österreichern und Ausländern, Reichen und Armen, Christen und Andersgläubigen. „Ein Miteinander in Solidarität und Frieden können wir nur gemeinsam umsetzen. Die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit können nur bewältigt werden, wenn jede und jeder Einzelne erkennt, auf mich, auf uns kommt es an. Nicht als Zuschauer, die von außen alles kritisieren und besser wissen, sondern als Beteiligte, die sich engagieren."
In allen verständlichen Sorgen und Zukunftsängste angesichts von Krisen, Probleme und Herausforderungen der Zeit gelte es, bewusst das Gute im Leben wahrzunehmen, sich darüber zu freuen und dafür zu danken, forderte Grünwidl auf. „Ich bin überzeugt, da fällt uns allen vieles ein. Liebe Menschen, Beziehungen, die uns Halt geben und tragen, Begegnungen, Erlebnisse, unsere Erfolge im vergangenen Jahr, positive Überraschungen. Es gibt so vieles, das gut ist und gut geht und von uns oft gar nicht mehr wahrgenommen wird."
(kap - sst)
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