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Muslime, Christen und Juden Muslime, Christen und Juden  (ANSA)

„Es gibt kein Christentum ohne das Judentum“

Anlässlich des „Tags des Judentums“, den viele christliche Kirchen an diesem Samstag (17. Januar) begehen, erinnerte die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) an die tiefen gemeinsamen Wurzeln und rief zu einer neuen Offenheit im Umgang mit biblischen Texten auf.

In einer Aussendung am Freitag unterstrich Katharina Renner, Vizepräsidentin der Katholischen Aktion und Mitglied im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die fundamentale Bedeutung dieser Beziehung. „Es gibt kein Christentum ohne das Judentum“, hielt die Theologin fest. Sie erinnerte zudem daran, dass auch der Islam eine enge gemeinsame Geschichte mit dem Judentum teile.

Die „Warum-Frage“ neu erlernen

Ein zentraler Kritikpunkt Renners betrifft den Umgang mit der Heiligen Schrift. Während das Judentum einen kritischen und offenen Blick auf Texte lehre, habe das Christentum die Kultur des Hinterfragens weitgehend verlernt. „Wir nehmen biblische Texte als gegeben hin und vermeiden das Nach-Spüren und kritische Nachbohren“, analysierte Renner.

Christen könnten ihre eigenen Traditionen und die Bibel in ihrer Fülle gar nicht verstehen, wenn sie nicht erfahren hätten, wie Juden mit Texten umgehen. Ein intensiver Dialog mit der jüdischen Exegese führe demnach zu einem tieferen Erleben des eigenen christlichen Glaubens.

Sensibilisierung gegen Antisemitismus

Historisch sei die Kirchengeschichte durch eine starke Abgrenzung vom Judentum geprägt gewesen – eine „Abwehr“, die heute den Zugang zur spirituellen Tiefe der Bibel behindere. Renner mahnte, dass die Bemühungen um eine Sensibilisierung gegen Antijudaismus und Antisemitismus nicht nachlassen dürften. Dies sei „gerade jetzt, wo zunehmender Antisemitismus das Leben von Jüdinnen und Juden weltweit bedroht“, von existenzieller Bedeutung.

Gemeinsamer Einsatz für den Frieden

Abschließend appellierte das Präsidial-Team der Katholischen Aktion – bestehend aus Ferdinand Kaineder, Katharina Renner und Thomas Immervoll – an alle Religionsgemeinschaften, sich gemeinsam für den Weltfrieden einzusetzen. Die Anerkennung der gemeinsamen Geschichte und der Schutz jüdischen Lebens seien dabei unverzichtbare Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander.

(kap - mg)

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17. Januar 2026, 14:08