Österreich: Berufsbegleitend zum Priesteramt
Die Regentenkonferenz der österreichischen Priesterseminare gab an diesem Montag bekannt, einen neuen, individuell zugeschnittenen Ausbildungsweg für Männer in der Mitte des Lebens zu etablieren.
Zielgruppe sind Quereinsteiger, die fest im Berufsleben stehen und ihre „vielfältigen Lebenserfahrungen“ in den Dienst der Kirche stellen wollen. Das Modell bricht mit bisherigen Konventionen und setzt auf Flexibilität.
Individuelles Programm statt Einheitsmodell
Das neue Konzept sieht vor, dass die akademische und spirituelle Formung stärker an die jeweilige Lebenssituation der Kandidaten angepasst wird. Während das klassische Modell ein gemeinsames Leben im Priesterseminar und ein Präsenzstudium vorschreibt, erlaubt der neue Weg ein theologisches Studium auf Bachelor-Niveau, das auch per Fernstudium absolviert werden kann.
Die praktische Ausbildung erfolgt weiterhin in den Seminaren, jedoch werden die Termine einzeln vereinbart, um bestehende berufliche Verpflichtungen zu berücksichtigen. Die Kirche betont, dass man explizit nach gereiften Persönlichkeiten suche, die ihre beruflichen Kompetenzen als „Bereicherung für die Gemeinde“ einbringen.
Den Job behalten: Ein Novum mit Grenzen
Eine der spektakulärsten Neuerungen betrifft die Zeit nach der Weihe: „In Ausnahmefällen“ ist es Kandidaten gestattet, ihren ursprünglichen Zivilberuf auch als Priester in einem „adäquaten Umfang“ weiter auszuüben. Die Entscheidung darüber liegt bei der jeweiligen Diözese. Zwingend vorgeschrieben ist jedoch die Niederlegung politischer Ämter; zudem muss der Beruf mit dem priesterlichen Ethos vereinbar sein.
Vergleich mit Deutschland
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass das Konzept der Spätberufenen-Ausbildung nicht gänzlich neu ist. In Deutschland bietet das Studienhaus Sankt Lambert in Rheinland-Pfalz seit rund fünfzig Jahren einen Weg für Männer ohne Abitur an.
Das österreichische Modell geht jedoch einen Schritt weiter: Während die Studenten in Sankt Lambert ihren Beruf für die Zeit der Ausbildung aufgeben und in einer Hausgemeinschaft leben, setzt Österreich auf die Integration des Priesterwerdens in den bestehenden Alltag der Bewerber. Damit folgt die Kirche den Leitlinien des Vatikans, der in dem Grundlagendokument „Ratio Fundamentalis“ ausdrücklich dazu ermutigt, die „entwickelte Persönlichkeit“ älterer Bewerber als Chance zu begreifen.
(kap/kna - mg)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.