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Liechtenstein: Bischof Elbs fordert christliche Politik

Mit einem eindringlichen Appell an die moralische Verantwortung von Politikern hat Bischof Benno Elbs am Donnerstag die Eröffnung des liechtensteinischen Landtags begleitet. In der Kathedrale von Vaduz mahnte der Apostolische Administrator der Erzdiözese, dass eine Politik im christlichen Sinne bedeute, „Jesus auf die Finger zu schauen und sein Handeln nachzuahmen“.

An dem traditionellen Heilig-Geist-Amt nahmen neben den frisch gewählten Abgeordneten und Regierungsmitgliedern auch Spitzenvertreter des Fürstentums teil, darunter Erbprinz Alois. Der Feldkircher Bischof Elbs, der seit über zwei Jahren die Erzdiözese Vaduz als Übergangsverwalter führt, nutzte den festlichen Rahmen, um die soziale Dimension politischer Verantwortung ins Zentrum zu rücken.

Den Blick für die Übersehenen schärfen

In seiner Predigt bezog sich Elbs auf das Matthäusevangelium und die Begegnung Jesu mit einem Aussätzigen. Dieses biblische Bild diene als zeitloser Maßstab für jedes verantwortungsvolle Amt in Politik und Gesellschaft. „In der Kirche, aber auch in der Politik müssen wir uns immer fragen: Sehe ich die Aussätzigen unserer Tage: die Ausgegrenzten, Übersehenen, Sprachlosen?“, gab der Bischof den Anwesenden zu bedenken.

Ziel müsse es sein, niemanden zurückzulassen und sich bewusst von den Schicksalen jener berühren zu lassen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Eine christlich geprägte Politik zeichne sich dadurch aus, dass sie dort Verantwortung übernimmt, wo sich Menschen nach Hilfe und Würde sehnen.

Ein Programm der Menschenwürde

Elbs zitierte in seinen Ausführungen zudem Worte von Papst Leo, um die Universalität der Menschenwürde zu unterstreichen. Diese Pflicht gelte gegenüber jedem Einzelnen – „vom ungeborenen Kind bis zu den alten Menschen, vom Kranken bis zum Arbeitslosen, ob Bürger oder Einwanderer“. Niemand sei davon ausgenommen, sich für den Schutz der Schwächsten einzusetzen.

Die feierliche Eröffnung des Landtags in Liechtenstein wird traditionell von diesem Gottesdienst begleitet, der den Beistand des Heiligen Geistes für die kommenden politischen Entscheidungen erbittet. Für Elbs ist klar: Das „Programm Jesu“ bietet dafür die beste Richtschnur. Die gewählten Volksvertreter müssten nun den Mut beweisen, dieses Ideal in die tägliche politische Praxis zu übersetzen.

(kap - mg)

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16. Januar 2026, 12:41