Kenia: Ordensfrauen helfen Suchtkranken
von Sr. Michelle Njeri, OSF
Das „Holy Innocents BPSS Centre“ ist ein auf dem Glauben basierendes Rehabilitationszentrum für psychische Erkrankungen, das vom Bischof der Diözese Meru, Salesius Mugambi, und Sr. Veronica Nkirote Rukunga gegründet wurde. Sr. Rukunga ist auch die Gründerin der Ordensgemeinschaft der unschuldigen Kinder, die mit der Leitung des Zentrums betraut ist.
Das 2021 entstandene Zentrum ist eine Antwort auf eine der dringendsten sozialen Krisen Kenias: Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie zunehmende psychische Probleme. In dem Wunsch, die Verwundeten der Gesellschaft mit Liebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl zu heilen, ohne zu verurteilen, haben die Schwestern einen Ort geschaffen, an dem Schmerz auf Sinn trifft und Zerbrochenheit auf Hoffnung.
Eine Mission, die aus Glauben und Mitgefühl hervorgegangen ist
„Die Kongregation der Schwestern der unschuldigen Kinder reagiert auf die Bedürfnisse der verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft. Unser Charisma ist inspiriert von der schmerzensreichen Mutter Gottes, die an der Seite ihres leidenden Sohnes stand - so wie wir als Schwestern jetzt an der Seite derer sind, die mit Sucht und psychischen Erkrankungen kämpfen," beschreibt Sr. Veronica Nkirote Rukunga die Kongregation und die Gründe für die Gründung des Zentrums. „Von Anfang an sind viele Menschen zu uns gekommen, um Hilfe zu erhalten, und konnten wieder in die Gemeinschaft integriert werden. Wir, die Dienerinnen der unschuldigen Kinder, stellen uns dem heutigen Herodes: dem Missbrauch von Alkohol und Drogen“.
Das Zentrum bietet rund um die Uhr eine ganzheitliche Betreuung an, die sich auf folgende vier Säulen stützt: biologisch, psychologisch, sozial und spirituell. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Patienten nicht nur körperlich, sondern ganzheitlich mit Würde und Mitgefühl behandelt werden.
Heilung für Körper, Geist und Seele
Die angebotenen Dienstleistungen sind vielfältig. Wie Sr. Purity Mathenge, die das Zentrum verwaltet, erklärt, „bietet es seit 2021 stationäre und ambulante Rehabilitation, psychiatrische Betreuung, Einzel- und Gruppentherapie, medizinische Entgiftung und geistliche Begleitung an.“ Seitdem konnten die Schwestern miterleben, wie sich das Leben vieler Menschen verändert hat. „Ein Mann, den wir von der Straße geholt haben, hat inzwischen einen festen Job, ein anderer ist heute Teil unseres Teams. Diese Meilensteine motivieren uns, weiterzumachen“, erklärt Sr. Purity. Ihr Team umfasst Psychiater, Krankenschwestern, Psychologen, Berater und Sozialarbeiter. Jeder hat eine bestimmte Rolle. „Und wir beten darum, dass sich uns immer mehr Partner und wohlwollende Menschen anschließen", hofft Sr. Purity.
Wissenschaft, professionelle Betreuung und spirituelle Heilung
Auf klinischer Ebene bietet das Zentrum eine strukturierte und individuelle Betreuung an. Wie Kelvin Mwega, Psychologe und Leiter der klinischen Dienste des Zentrums, erklärte, werden „vor der Aufnahme Labortests für lebenswichtige Organe wie Leber und Nieren durchgeführt. Je nach individuellen Bedürfnissen bieten wir medizinisch unterstützte Entgiftung und Therapien an, die biologische, psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung umfassen.“
Auch Familientherapie und Lebenskompetenztraining sind Teil des Programms. „Nach der Entlassung machen wir Hausbesuche und Nachuntersuchungen, um Rückfälle zu vermeiden“, so Kelvin Mwega weiter. „Was mich antreibt, ist zu sehen, wie Menschen sich erholen: Menschen, die andere bereits abgeschrieben hatten. Das gibt mir Mut und Hoffnung. Kein Fall ist hoffnungslos. Es ist nur eine Frage der Zeit. Rehabilitation funktioniert.“
Eine Gemeinschaft, die sich um andere kümmert
Diese lebensverändernde Arbeit hat viele Menschen außerhalb der Klostermauern dazu inspiriert, sich dieser Mission anzuschließen. Menschen wie Vincent Mutwiri, ein Laienmitglied der Kongregation. „Wir unterstützen die Schwestern der unschuldigen Kinder, weil ihr Charisma einzigartig und dringend notwendig ist“, betont er. „Wir gehen dorthin, wo die Schwestern nicht hingehen können, um Aufklärungsarbeit zu tun, Hilfe zu leisten und die Gemeinden zu unterstützen.“ Die Schwestern werden oft als „Freunde der Trunkenbolde“ bezeichnet. Ein „Titel“, den sie – wie Mutwiri meint – „mit Demut tragen: „Ihre Liebe rettet Leben, und die Gemeinschaft sieht das.“
Sr. Joan: „Du bist nicht allein“
Sr. Joan Nyakato, die als Betreuerin im Zentrum arbeitet, ermutigt Menschen, die mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben, mit anderen über ihre Schwierigkeiten zu reden. „Nimm Kontakt auf, lass uns darüber reden. Wir alle brauchen einen klaren Kopf und ein nüchternes Leben. Es ist nicht das Ende; du bist nicht allein. Wir sind bereit, dir die Hand zu reichen“, sagt sie. „Jeder ist eingeladen, Zeit, Ressourcen und seine Kraft zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam können wir die Lücke schließen und unseren Brüdern und Schwestern helfen, sich von ihrer Sucht zu befreien.“
Ein Aufruf zum Mitgefühl
In einer Welt, in der Suchtprobleme und psychische Erkrankungen oft mit Stigmatisierung und Schweigen einhergehen, zeigen die Schwestern, Mitarbeiter und Laienmitarbeiter Kenia und der Welt, dass jeder erlöst werden kann. Ihr Aufruf ist einfach und dringend: Lasst uns gemeinsam eine nüchterne, geheilte und mitfühlende Gesellschaft aufbauen!“
(vaticannews - skr)
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