Ende einer Etappe: Synodaler Weg verabschiedet Reform-Botschaft
Mario Galgano - Vatikanstadt
Kurz nach 11 Uhr stellte die Präsidiums-Gruppe der Versammlung das Dokument vor, das den programmatischen Titel trägt: „Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht.“ Der Text, der in einer Nachtsitzung von beratenden Theologen noch einmal grundlegend überarbeitet worden war, versteht sich als Bilanz und Selbstverpflichtung zugleich.
„Nichts mehr verschleiern“: Bilanz mit Licht und Schatten
In der Erklärung hält die Versammlung fest, dass der Synodale Weg von einer „Grundhaltung der Hoffnung“ getragen gewesen sei. Man blicke auf eine Kirche, die „nichts mehr verschleiert und sich erneuert“, um wirksamer für die Welt eintreten zu können. Dabei sparten die Synodalen nicht mit Selbstkritik: Es sei notwendig gewesen, missbrauchsbegünstigende Strukturen und eigene Schuldverstrickungen offenzulegen.
Schwester Katharina Kluitmann betonte bei der Vorstellung des Textes, dass man nichts „schönreden“ wolle: „Es gab Spannungen, Pannen und Krisen auf diesem Weg, Bemühungen wurden zunichte gemacht, Menschen verletzt.“ Dennoch stehe am Ende in vielerlei Hinsicht das Gelingen eines neuen Miteinanders und neuer Formen der Transparenz.
Die Entscheidung: Kurze Debatte, klares Votum
Die Verabschiedung des „WegWortes“ verlief nicht ohne letzte Diskussionen. Während einige Teilnehmer, wie Pfarrer Werner Otto, konkrete Verweise auf erreichte Meilensteine – etwa beim Thema Homosexualität – vermissten, mahnte Bischof Stephan Ackermann an, die Kirche dürfe nicht zu stark nach innen gerichtet und kontrollorientiert wirken.
Um den Zeitplan einzuhalten, beantragte das Präsidium nach kurzer Aussprache das Ende der Debatte. Mit 108 Ja-Stimmen gegen 20 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen wurde das „WegWort“ schließlich offiziell angenommen. Die Versammlung quittierte das Ergebnis und den Dank an die Gründerväter des Projekts, Kardinal Reinhard Marx und Thomas Sternberg, mit stehenden Ovationen.
Ausblick: Die Synodalkonferenz als neues Instrument
Der Synodale Weg gilt den Akteuren ausdrücklich als „alles andere als ein abgeschlossenes Projekt“. Das nächste Ziel ist die Einrichtung einer permanenten „Synodalkonferenz“. Dieses neue nationale Beratungs- und Beschlussgremium soll dauerhaft die systemischen Dimensionen von Machtmissbrauch bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit sowie Partizipation sichern.
Die Weichenstellungen dafür erfolgen in den kommenden Wochen. Auf der eine Seite steht die Rom-Reise: Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck reist in Kürze zu abschließenden Klärungsgesprächen in den Vatikan. Er zeigte sich an diesem Samstag zuversichtlich, ein positives Signal für die Satzung des neuen Gremiums zu erhalten. Und andererseits wird das Thema bei der nächsten Vollversammlung der Bischöfe behandelt. Ab dem 23. Februar wird die Deutsche Bischofskonferenz in Würzburg über das Zustandekommen der Synodalkonferenz entscheiden.
Bischof Georg Bätzing dankte zum Abschluss allen Mitwirkenden für ihren Mut. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp betonte das neu gewachsene „Wir“-Gefühl, das trotz aller inhaltlichen Differenzen das Fundament für die Zukunft bilde. Mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Fidelis endete die Versammlung an diesem Samstagmittag und besiegelte damit das Ende einer historischen Etappe der katholischen Kirche in Deutschland.
Die Synodalkonferenz soll, vorbehaltlich der Zustimmung der Bischöfe und aus dem Vatikan, im November an den Start gehen.
(vatican news)
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