D: Kardinal Marx warnt vor „Heimat-Ideologie“
In seiner Predigt zum Hochfest der Erscheinung des Herrn warnte Marx am Dienstag vor einer ideologischen Verengung des Heimatgefühls. „Alles soll so bleiben, wie es ist, und niemand Neues soll dazukommen? Das ist nicht Heimat, von der die Bibel spricht“, stellte der Erzbischof von München und Freising klar. Eine solche Einstellung sei vielmehr eine „Ideologie, die sich um sich selbst dreht“ und die Herausforderungen der Realität bewusst ignoriere.
Heimat als Ort der Geborgenheit, nicht der Ausgrenzung
Zwar räumte Marx ein, dass Sehnsucht nach Heimat legitim sei. Sie biete Geborgenheit, Überschaubarkeit und gemeinsame Traditionen. Doch diese Stabilität dürfe nicht zum Stillstand führen: „Heimat ist kein abgeschlossener Ort, der nicht die Kraft hat, auch anderen eine Heimat zu sein.“ Eine lebendige Gemeinschaft müsse laut Marx immer auch „Ausschau halten nach den Möglichkeiten des Lebens“.
Die Kirche als „offene Gemeinschaft“
Der Kardinal betonte, dass die christliche Botschaft untrennbar mit dem „Unterwegs-Sein“ verbunden sei. Der Mensch könne nicht zurück, sondern gehe immer nach vorn – letztlich auf Christus zu. „Ohne Liebe werden wir auf dem Weg unseres Lebens verhungern und verdursten“, so Marx weiter.
Daraus leite sich ein klarer Auftrag für die Kirche ab. Sie dürfe nicht zum Museum werden, das lediglich Vergangenes bewahre. Vielmehr müsse sie ein Ort sein, an dem über die Zukunft nachgedacht wird: „Eine offene Gemeinschaft, die unterwegs und daheim zugleich ist.“ Dies sei das eigentliche „Geheimnis“, das die Kirche den Menschen in einer sich wandelnden Welt anzubieten habe.
Biblische Wurzeln der Gastfreundschaft
Zum Abschluss seiner Predigt zog Marx den Bogen zur Geschichte Israels. Das Volk Gottes sei durch die Wüste gezogen, um am Ende auf dem Berg Zion ein Zeichen für alle Völker zu sein. „Kein abgeschlossenes Land“, erinnerte der Kardinal, sondern ein Ort, der alle Nationen empfängt. Diesen Geist der Weite und der universellen Geschwisterlichkeit mahnte Marx als Kompass für die heutige Zeit an.
(pm - mg)
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