Felix Genn, emeritierter Bischof von Münster Felix Genn, emeritierter Bischof von Münster  (Achim Pohl)

Genn: „Bild einer Einheit – bei aller Pluralität“

Besuch aus Deutschland: Der emeritierte Bischof von Münster Felix Genn ist am Donnerstag von Papst Leo im Vatikan empfangen worden. Im Interview mit Radio Vatikan berichtet Genn über die Begegnung, gibt Einblick in die Arbeit der synodalen Arbeitsgruppe zum Thema Bischöfe und formuliert Hoffnungen für die deutsche Kirche.

Anne Preckel - Vatikanstadt

„Eine sehr schöne Begegnung, natürlich auch die Erfahrung, mit jemandem zusammenzutreffen, den ich nun schon sechs Jahre kennenlernen konnte und durfte, weil wir ja im Dikasterium zusammengearbeitet haben“: So kommentiert der emeritierte Münsteraner Bischof gegenüber Radio Vatikan seine Begegnung am Donnerstag im Vatikan – dieses Mal mit Robert Prevost als Papst. „Und ich habe noch einmal festgestellt, dass sich das, was ich in sechs Jahren erlebt habe, auch jetzt wieder zeigt: Welch ein aufmerksamer Zuhörer Papst Leo ist und wie demütig und bescheiden er diesen Dienst tut.“

Papst setzt auf wirkliche Hirten

Über Reformanfragen der deutschen Kirche habe er mit dem Papst „nicht explizit“ gesprochen, so Genn, „sondern ich sehe ja, wie klug und bescheiden und trotzdem klar er die Dinge beobachtet. Und ich glaube, dass er auch in diesem Punkt seinem Wahlspruch gerecht werden will, ,in jenem einen sind wir eins' (in illo uno unum)“. Ins Verhältnis zwischen der deutschen Kirche und dem Vatikan sei zuletzt „Ruhe reingekommen“, so der emeritierte Bischof.

Bischof Genn ist seit 2013 Mitglied im vatikanischen Bischofs-Dikasterium, das die Ernennung von Bischöfen in den Diözesen der Weltkirche vorbereitet. In dieser Rolle ist er bis heute auch regelmäßig im Vatikan. Robert Prevost war ab 2020 Mitglied der Vatikaneinrichtung (damals noch Kongregation) und dann ab 2023 Präfekt im Dikasterium für die Bischöfe. Genn hat miterlebt, was dem heutigen Papst bei der Auswahl von Bischöfen wichtig ist.

„Was ich feststellen konnte in den Beurteilungen, die er abgegeben hat, solange er Mitglied war, aber auch, als er dann Präfekt wurde, ist, dass es sich (bei den neuen Bischöfen, Anm.) um Leute handelt, Männer, die wirklich Hirten sind. So wie er das selber ja auch in seiner Tätigkeit in den Anden gelebt hat.“

Bischofswahl-Kriterien: Bericht kommt bald

Im Interview mit Radio Vatikan gibt Genn auch Einblick in die synodale Studiengruppe zum Thema Bischöfe, die unter seiner Leitung steht. Papst Leos Vorgänger Franziskus hatte mehrere Themenfelder, darunter auch den Bereich Bischöfe, aus den Beratungen der Weltsynode ausgelagert und sie Studiengruppen anvertraut. Neben dem Thema Bischöfe geht es in diesen Arbeitsgruppen etwa um die Bereiche Digitale Mission, die Rolle der Frauen, Ökumene, Polygamie und Priesterausbildung.

In der Bischofs-Gruppe würden die Aufgabenfelder Bischofswahl, Ad limina-Besuche und Aus- und Weiterbildung von Bischöfen behandelt, berichtet Bischof Genn: „Das erste Feld ist, wie ist die Beteiligung des Gottesvolkes an der Auswahl der Hirten und was sind die Kriterien. Dieser Text ist fertig, kann Papst Leo vorgelegt werden und wird demnächst auch in die Öffentlichkeit gegeben. Und dazu eine Synthese, sodass man auf drei Seiten die Zusammenfassung hat und nicht den ganzen Text unmittelbar lesen muss.“

Bei der Bischofssynode im Oktober 2024
Bei der Bischofssynode im Oktober 2024   (VATICAN MEDIA Divisione Foto)

Das zweite Arbeitsfeld, eine Evaluation der Ad limina-Besuche beim Papst, wolle die Gruppe „genauso sorgfältig und synodal“ bearbeiten, so Bischof Genn. „Wir haben in der Weltkirche alle Bischofskonferenzen angeschrieben und befragt. Und jetzt sind wir dabei, einen guten Text zu machen, der auch realistisch diese Besuche ansieht. Realistisch heißt: Es gibt viele Erwartungen, die können aber von beiden Seiten nicht alle erfüllt werden. Wie kommt man auf einen realistischen Level, der zeigt, worum es bei den Ad limina-Besuchen geht und was wichtig wäre auf jeden Fall.“

Bischöfe, die einer synodalen Kirche gerecht werden

„Was nützt eine synodale Kirche, wenn wir Bischöfe haben, die keinen synodalen Stil pflegen?“

Mit dem dritten Feld, Bildung der Bischöfe, habe die Gruppe noch nicht beginnen können. Das Thema sei allerdings wichtig, urteilt Genn, der bereits vor seinen Aufgaben in Rom 15 Jahre lang bei der Deutschen Bischofskonferenz die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste leitete. „Was nützt eine synodale Kirche, wenn wir Bischöfe haben, die keinen synodalen Stil pflegen? Das muss ja auch angeübt und gelernt werden, und zwar nicht nur am Anfang, wenn Bischöfe ernannt und geweiht sind, durch einen Kurs, bei dem es sehr viele instruktive Vorträge gibt, sondern auch fortlaufend, wie wir das als Bischöfe ja auch von unseren Pfarrern verlangen.“

„Das muss .. gelernt werden, und zwar nicht nur am Anfang, sondern auch fortlaufend.“

DBK-Vertreter bei einem Besuch im Vatikan im November 2025
DBK-Vertreter bei einem Besuch im Vatikan im November 2025

Einheit, bei aller Pluralität

Mit Blick auf die aktuelle Lage der katholischen Kirche in Deutschland, die vor der Wahl eines neuen Bischofskonferenz-Vorsitzenden steht, sieht Genn als wichtigste Herausforderungen die Themen Einheit und Evangelisierung. „Fortzusetzen wäre, dass die Bischofskonferenz auch nach außen hin das Bild einer Einheit von Bischöfen gibt bei aller Pluralität, so dass also da nicht Ansätze gefunden werden könnten, die Gruppen spalten. Das wäre die stärkste Herausforderung. Und dann zu schauen: Wie gehen wir die begonnenen Wege in dieser schwierigen Umbruchssituation einer säkularen Welt weiter und können da evangelisatorisch wirken.“

Hier zum Hören

(vatican news – pr)
 

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23. Januar 2026, 11:34