P. Martin Maier bei einem Besuch in Kolumbien. Foto: Philipp Lichterbeck/Adveniat P. Martin Maier bei einem Besuch in Kolumbien. Foto: Philipp Lichterbeck/Adveniat 

Venezuela: „Die Menschen haben Angst“

Pater Martin Maier, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Adveniat, berichtet an diesem Montag von einer Atmosphäre der Einschüchterung durch regimetreue Schlägertrupps und drohenden Versorgungsschwierigkeiten.

Die politische Erschütterung in Venezuela hat das Land in einen Zustand der Schockstarre versetzt. Trotz der Festnahme des bisherigen Staatschefs Nicolás Maduro ist eine Entspannung der Lage nicht in Sicht. „Die Menschen haben Angst“, erklärte Pater Martin Maier, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, an diesem Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Essen.

Laut Maier, der in Kontakt mit kirchlichen Kreisen in Venezuela steht, herrscht in der Bevölkerung tiefes Misstrauen. „Niemand traut sich, auf der Straße offen zu sprechen, schon gar keine Kritik am Regime zu äußern“, so der Jesuitenpater. Grund für die anhaltende Beklemmung seien vor allem die sogenannten „Colectivos“. Diese bewaffneten Schlägertrupps, die der weiterhin regierenden Administration unterstehen, kontrollieren nach wie vor weite Teile des öffentlichen Raums.

Sorge vor neuer Repressionswelle

Die Ungewissheit über die Zukunft führt zu ersten Verzweiflungstaten in der Bevölkerung. „Die Menschen befürchten, dass die Repression noch weiter steigt und ihre Situation noch dramatischer wird. Deswegen kam es bereits zu Hamsterkäufen“, berichtet Maier. Die Sorge, dass die Administration des gestürzten Präsidenten mit verstärkter Gewalt gegen vermeintliche Abweichler vorgeht, ist allgegenwärtig.

Unklar bleibt derzeit die Situation an den Landesgrenzen. Ob die jüngsten Ereignisse eine neue Massenflucht in Richtung Kolumbien auslösen, lässt sich laut Adveniat noch nicht abschließend beurteilen. Maier gibt jedoch zu bedenken, dass die Migration bereits vor dem Umsturz gewaltige Ausmaße erreicht hatte: Mehr als acht Millionen Venezolaner haben das Land infolge der jahrelangen Staats- und Wirtschaftskrise bereits verlassen. „Wer also die Möglichkeiten hatte, ist nicht mehr im Land“, so Maier.

Kirche als stabiler Anker der Hilfe

Trotz der prekären Sicherheitslage gelingt es Adveniat nach eigenen Angaben weiterhin, die Unterstützung für die Notleidenden aufrechtzuerhalten. Ein entscheidender Vorteil sei hierbei die direkte Zusammenarbeit mit den kirchlichen Institutionen und Pfarrgemeinden vor Ort. „Das war auch schon in den vergangenen Jahren von großem Vorteil“, betont der Adveniat-Chef. Über das dichte Netzwerk der Pfarreien erreicht die Hilfe die Menschen dort, wo staatliche Strukturen versagen oder den Zugang verwehren.

(kna - mg)

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05. Januar 2026, 14:53