Christkindlmarkt bei der Wiener Karlskirche Christkindlmarkt bei der Wiener Karlskirche  ((c) ELISABETH MANDL)

Österreichs Bischöfe: Verantwortung für den Nächsten und die Welt

Österreichs Bischöfe haben in ihren Weihnachtspredigten am 25. Dezember die Menschwerdung Gottes als Quelle von Hoffnung, Orientierung und Erneuerung betont. Im Zentrum der Botschaften stand die Geburt Jesu als Zusage göttlicher Nähe in einer Zeit von Krisen, Gewalt und gesellschaftlicher Verunsicherung.

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner bezeichnete im Festgottesdienst zum Christtag im Salzburger Dom die Menschwerdung Gottes als „Gutes in sich“. Weihnachten öffne „ein Fenster, einen Durchblick auf eine wunderbare Schöpfung". Daraus folge aber auch Verantwortung für den Nächsten und für die Welt. Die Menschwerdung Gottes bedeute jedoch auch, „es darf uns nicht egal sein, wie es Menschen anderswo geht.“

„Wir müssen empfänglich, solidarisch und hilfsbereit bleiben.“ Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz (Biko) verwies auch auf den Soziologen Hans Joas und dessen Begriff eines „moralischen Universalismus, der niemanden ausschließt - auch Gott nicht und die Kirche nicht!“ Nötig sei ein Blick „auf das je Konkrete hin; auf den Nächsten neben uns, der uns unterkommt; dieser Nächste bist auch du dir selbst!“.

Elbs: Gott reagiert mit Nähe und Liebe

Der Feldkircher Bischof Benno Elbs bezeichnete die Geburt Jesu als Antwort Gottes „auf die Angst der Völker, auf die Sehnsucht nach Frieden und auf das Heimweh des Menschen nach seinem Ursprung“. Gott reagiere nicht mit Macht, sondern mit Nähe und Liebe, so Elbs am Christtag in der Kathedrale St. Florin in Vaduz/Liechtenstein. Gott reagiere jedoch nicht mit einem Machtwort, sondern mit Nähe und Liebe, sagte der Bischof, der neben seiner Funktion in Vorarlberg die Übergangsleitung der katholischen Kirche in Liechtenstein innehat.

Das Kind in der Krippe wecke zudem „die Stimme unserer persönlichen Sehnsucht" nach Geborgenheit, Zärtlichkeit, Heimat, Angenommen-Sein und "danach, in die Arme genommen zu werden“. Weihnachten mache Hoffnung, dass die „gute Zukunft, die Gott mit der Geburt Jesu verheißt“ wahr werde, Wunden heilen könnten und Versöhnung zwischen Völkern und Menschen möglich seien. „Gott wird Mensch, damit der Mensch zu Gott und seinen Mitmenschen findet. Von Herzen wünsche ich uns, dass diese Botschaft der Heiligen Nacht in unser Leben hineinleuchtet“, so der Feldkircher Bischof.

Glettler: Krippe „das wichtigste Anti-Aggressivum für Welt“

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler fasste die Botschaft von Weihnachten mit den Worten „Freundschaft, Vergebung und Verbundenheit“ zusammen. Christlicher Glaube sei keine Leistung, sondern Beziehung: „Christlicher Glaube fühlt sich an wie Freundschaft, Vergebung und Verbundenheit.“

Weihnachten bedeute, dass Gott dem Menschen ohne Vorleistung Freundschaft anbietet und ihm einen neuen Status schenkt: „Nicht wir müssen machen und tun, performen und liefern.“ Mit der Menschwerdung Gottes habe sich das Sein des Menschen verändert: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Christsein sei daher „eine ehrliche Freundschaft, vollkommen unabhängig davon, wie erfolgreich unser weltlicher Status ist“.

Zugleich sei Weihnachten eine Einladung zur Vergebung und zum Frieden, so Glettler. Anhand der Christinnen und Christen in Gaza, die trotz Krieg Weihnachten feierten, zeigte er auf: „Christsein fühlt sich an wie Vergebung, Neubeginn trotz allem.“ Die Krippe von Betlehem sei „das wichtigste Anti-Aggressivum für unsere Welt“. Gletter rief in seiner Predigt auch zu gelebter Verbundenheit und Vergebung auf. Letzteres sei „das größte Weihnachtsgeschenk, dass wir einander machen können - der Schlüssel, um jede Form von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit zu beenden“.

Bischof Zsifkovics: Aufruf zu Zusammenhalt und Solidarität

Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics stellte Weihnachten unter das Leitwort „Gott mit uns“. Mit der Geburt Jesu bringe Gott Licht in die Dunkelheit der Welt und lade dazu ein, ihm wieder Raum im persönlichen und gesellschaftlichen Leben zu geben. Weihnachten sei ein Aufruf zu Zusammenhalt und Solidarität in einer Zeit von Spaltung und Vereinsamung und schenke die Gewissheit: Gott lasse die Menschen nicht allein.

Scheuer: Weihnachten mehr als Kindheitsromantik

Gegen eine Reduktion von Weihnachten auf Gefühl oder Kindheitsromantik wandte sich der Linzer Bischof Manfred Scheuer. Im Fokus von Weihnachten stehe ein konkretes Geschehen: „In der Gestalt eines Kindes nähert sich Gott der Erde", so der Bischof am Christtag im Linzer Mariendom.

Scheuer kritisierte auch eine Verengung des Weihnachtsfestes auf Gefühl, Kultur oder Ironie. Was Kunst und Musik noch sagen dürften, werde der öffentlichen Rede vom Glauben oft abgesprochen. Die Menschwerdung Gottes werde dabei verdrängt, Jesus auf soziale oder politische Aspekte reduziert. Eine Religion, die sich in Moralappellen, Verboten oder bloßer „Gefühlsreligion" erschöpfe, verliere ihre Anziehungskraft.

Weihnachten bedeute die Zusage Gottes an den Menschen. „Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt gesagt“, zitierte Scheuer den Dogmatiker Karl Rahner. Dieses Wort laute: „Ich liebe dich, du Welt und du Mensch.“ Sich von Gott geliebt zu wissen, befreie den Menschen aus Selbstüberhebung und Selbstverachtung und bilde den Kern des christlichen Glaubens.

(kap - cs)

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25. Dezember 2025, 14:27