An der Klagemauer in Jerusalem An der Klagemauer in Jerusalem  (Deutsche Bischofskonferenz)

Bätzing kehrt ernüchtert aus Heiligem Land zurück

„Echter Friede scheint im Heiligen Land weiter entfernt denn je.“ Das sagt der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nach seiner Rückkehr von einer Solidaritätsreise ins Heilige Land.

Er habe in den verschiedenen Begegnungen mit Israelis und Palästinensern „ein dramatisches und erschreckendes Bild“ der Lage gesehen, so der Limburger Bischof am Dienstagabend in einer Erklärung. Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas sei zwar „ein wichtiger Moment“, aber der „Hass zwischen Menschen“ sei weiterhin stark. Wörtlich meinte Bätzing: „Israelis und Palästinenser sind Teil dieser Region. Für mich ist es deshalb ernüchternd, dass so gut wie niemand vor Ort ernsthaft auf eine Zwei-Staaten-Lösung hinarbeitet.“

Während seiner viertägigen Reise hat Bätzing erlebt, dass der Terror des 7. Oktober 2023 ein fundamentaler Einschnitt für Israel und den gesamten Nahen Osten gewesen sei. „Nach wie vor ist das israelische Kollektiv zutiefst erschüttert und die palästinensische Seite – gerade in Gaza angesichts des dort existenten Elends – verbittert. Ich habe bei meiner Reise eine Region erlebt, deren Gesellschaften traumatisiert, ja innerlich verwüstet sind.“ Beide hätten ihre Empathie-Fähigkeit für den jeweils anderen „massiv eingebüßt“.

  (Deutsche Bischofskonferenz)

„Was bringt eine Zwei-Staaten-Lösung, wenn zwei Völker weiter gegeneinander kämpfen?“

Eine Zwei-Staaten-Lösung sei zwar immer wieder als „Perspektive“ genannt worden. Es brauche zu ihrer Realisierung aber eine internationale Unterstützung – „insbesondere aus Europa, das von einem Teil meiner Gesprächspartner als sehr schwach eingeschätzt wurde“, so Bischof Bätzing.

Er fügte hinzu: „Was bringt eine Zwei-Staaten-Lösung, wenn zwei Völker weiter gegeneinander kämpfen? Frieden kann nur gewonnen werden, wenn er in den Herzen und Köpfen der Menschen Wurzeln geschlagen hat.“ Immerhin sei der „Schrei nach Frieden“ im Heiligen Land weiter hörbar.

  (Deutsche Bischofskonferenz)

Während seiner Reise besuchte Bätzing unter anderem ein palästinensisches Flüchtlingslager, den Schauplatz des Terroranschlags der Hamas vom 7. Oktober 2023 und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Gespräche führte er mit christlichen, jüdischen und islamischen Religionsführern.

„Dabei haben mir alle deutlich gemacht, dass sich die Religionen gegen politische Instrumentalisierung des Glaubens wehren müssen. Für jede Religion muss gelten, dass sie den Namen Gottes nicht zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht.“

(dbk – sk)

Am Schauplatz des Terroranschlags der Hamas vom 7. Oktober 2023
Am Schauplatz des Terroranschlags der Hamas vom 7. Oktober 2023   (Deutsche Bischofskonferenz)

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31. Dezember 2025, 09:31