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D: "Wir schaffen das!" - Bilanz aus dem Erzbistum Köln

Caritas-Flüchtlingsbeauftragte Irene Porsch zieht Bilanz: Viele Geflüchtete haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden, auch dank Initiativen wie der „Aktion Neue Nachbarn“. Zugleich spricht sie sich klar für weitere Zuwanderung und Integration aus – und fordert im Interview mit dem Kölner Domradio Solidarität sowie eine deutliche Haltung der Kirche gegen Ausgrenzung.

Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel sagte: „Wir schaffen das!“ Hintergrund war der seit dem Jahr 2014 nicht abreißende Zustrom vieler Flüchtlinge nach Europa. Tausende ertranken während ihrer Mittelmeerüberfahrt aus den von Krieg und Hungersnot geplagten Ländern wie Syrien oder Afghanistan. Die Flüchtlingshilfe gewann unmittelbar an Bedeutung. Im Erzbistum Köln wurde 2014 von Erzbischof Rainer Maria Woelki die „Aktion Neue Nachbarn“ ins Leben gerufen, um Geflüchteten zu helfen und ihre Integration zu ermöglichen.

In einem Interview mit dem Domradio zieht Irene Porsch, Flüchtlingsbeauftragte der Caritas im Erzbistum Köln, Bilanz. Ihrer Ansicht nach habe man viel geschafft; über eine Million Geflüchtete konnten 2015 nach Deutschland kommen. „Viele von ihnen sind geblieben und sehen Deutschland als ihre neue Heimat an. Und wir haben geschafft, dass sie ziemlich gut am Arbeitsmarkt integriert sind, ganz ähnlich nämlich wie Menschen ohne Migrationshintergrund.“ Viele Initiativen wie die „Aktion Neue Nachbarn“ hätten laut Porsch zu diesem Erfolg beigetragen.

„Wir versuchen, möglichst viel zu ermöglichen“

Integration gelungen

„Wir versuchen, möglichst viel zu ermöglichen. Die ‚Aktion Neue Nachbarn‘ funktioniert, indem wir sogenannte feste Arbeitspakete anbieten, indem wir Sprachkurse für Geflüchtete fördern, genauso auch ehrenamtliche Qualifizierungsangebote und zum Beispiel Programme wie Jobpatenschaften“, sagt Porsch im Interview. Die Initiative habe gezeigt, „dass Ehrenamtliche und Hauptberufliche zusammen enorm viel möglich machen konnten. Und genau diese Menschen, die 2015 hier angekommen sind, engagieren sich heute selbst ehrenamtlich. Sie sagen: ‚Was damals passiert ist, was damals für mich möglich wurde, macht mich heute zu jemandem, der in Deutschland die Zivilgesellschaft und die Demokratie stärken möchte.‘“

Gut vorbereitet

Einen weiteren positiven Effekt hob Porsch mit Blick auf ukrainische Flüchtlinge im Jahr 2023 hervor. Die bereits aufgebauten Strukturen und das Netz aus Ehren- und Hauptamtlichen in der Flüchtlingshilfe hätten „hervorragend funktioniert. Innerhalb kürzester Zeit gab es hier im Erzbistum 22 Willkommenscafés, wo ehrenamtliche und professionelle Kräfte aus der Migrationsarbeit Anlaufstellen geschaffen haben für die ukrainischen Geflüchteten.“

„Viele Geflüchtete entwickeln heute Ängste, was sie lange Zeit nicht mussten“

Willkommen statt Ausgrenzung

Für die Zukunft müsse Deutschland wieder mehr Menschen aufnehmen und mehr Arbeitsintegration ermöglichen. Zeit und Energie in Ausgrenzung und Ausweisungen zu investieren, sei schlichtweg falsch. Mit Blick auf das Erstarken rechts-konservativer Parteien und einer ablehnenden Haltung sagte Porsch: Viele Geflüchtete entwickeln heute Ängste, was sie lange Zeit nicht mussten. Auch werden Flüchtlingshelfer angegriffen und infrage gestellt. Trotz rechter Demagogie und Hetze – und auch das ist unsere Erfahrung – merken Menschen aber weiter, wie wichtig und wertvoll es ist, sich über die Flüchtlingshilfe und andere Initiativen für eine demokratische Gesellschaft einzusetzen.

„An diesen Punkten wird die katholische Kirche auch zukünftig durchaus offen Kritik üben, wenn Politik gegen den Menschen handelt und wenn sie gerade die ärmsten Menschen ausgrenzt“

Engagement für die Schwachen

Auch sieht sie die Kirche in der Verantwortung, dieser Ablehnung entgegenzuwirken, merkt jedoch an, dass es immer der Auftrag der katholischen Kirche gewesen sei, Menschen aufzunehmen. „Das hat Papst Franziskus sehr deutlich gemacht. Und an diesen Punkten wird die katholische Kirche auch zukünftig durchaus offen Kritik üben, wenn Politik gegen den Menschen handelt und wenn sie gerade die ärmsten Menschen ausgrenzt. Da ist die Rolle der katholischen Kirche wirklich, den Finger in die Wunde zu legen und sich für Gerechtigkeit und Solidarität einzusetzen.“

(domradio.de - lyk)

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30. September 2025, 15:58